Börse: Bald Frieden am Persischen Golf?
Der Wochenauftakt fiel an der Börse positiv aus. Donald Trump schürte am Samstag eine neue Friedenshoffnung. Aber wie viel Substanz hat diese?
Nichts Genaues
Die Wirtschaft wartet dringend auf ein Ende des Konflikts zwischen den USA und Israel einerseits sowie dem Iran andererseits. Ankündigungen zu einem bevorstehenden Frieden sendete Donald Trump regelmäßig, ohne dass der Konflikt wirklich zu einem Ende kam. Auch dieses Mal scheint die vollmundige Ankündigung eher an die eigenen Bürger gerichtet zu sein, als dass wirklich Substanz hinter der Ankündigung steht.
Zu dieser Einschätzung komme ich aus verschiedenen Gründen. Zunächst ruderte der US-Präsident schon am Sonntag wieder zurück. Er wies seine Verhandlungsdelegation an, nichts zu überstürzen. Die Chancen für ein Kriegsende standen plötzlich nur noch bei 50:50.
Börse hofft trotzdem
An der Börse hoffen die Anleger trotzdem auf eine schnelle Öffnung der Straße von Hormus. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass diese Option wirklich realistisch ist. Und so könnten die Gewinne vom Montag schnell wieder der Ernüchterung weichen. Ich weiß nicht, warum die Anleger jeder Ankündigung des US-Präsidenten ohne Faktencheck folgen. Die Fakten zeigen, dass eine Einigung zwischen den USA und dem Iran eher nicht bevorsteht.
Neben dem Zurückrudern des Weißen Hauses am Sonntag, kommen auch aus Teheran keine Impulse für eine zuversichtliche Stimmung an der Börse. So widersprach der Iran der US-Darstellung, der Iran habe in der Frage der Urananreicherung eingelenkt. Zudem bestehen die Mullahs weiterhin auf der vollständigen Kontrolle der Straße von Hormus. Damit wäre den Golfanrainern ein freier, fairer Handel über die Meerenge nicht mehr möglich. Der iranische Präsident Massud Peseschkian betonte, dass der Iran nicht an einer Atombombe interessiert sei. Dies ist jedoch keine neue Botschaft.
Börsen in Rekordlaune
Obwohl die Fakten die Hoffnung dämpfen müssten, scheinen die Anleger an der Börse eher in Feierlaune zu sein. Selbst der DAX könnte bald das Allzeithoch bei 25.520 Punkten erreichen. Der Abwärtstrend wurde in der vergangenen Woche nachhaltig gebrochen. Heute schaffte es der deutsche Leitindex über die psychologisch wichtige Schwelle bei 25.000 Punkten.

Als positives Zeichen dürften die Märkte die temporäre Öffnung der Straße von Hormus werten. Schiffspositionen.net zeigt, dass hier ein zaghafter Verkehr herrscht. Viele Schiffe haben ihre Positionen nicht verändert. Einige haben jedoch die Meerenge offenbar passiert. Ist dies ein Hoffnungsschimmer? Vielleicht.
Vor allem die Aktien von Fluggesellschaften legten am Vormittag zu, während der Chemiesektor unter Druck steht. Insgesamt bleiben die Umsätze aufgrund des Pfingstmontags niedrig.
Auch außerhalb Europas überwiegt Optimismus
Die Handelswoche startete mit positiven Vorgaben aus Asien. Auch hier hoffen die Anleger an der Börse, dass die Blockade der Straße von Hormus Geschichte ist. Die Unwägbarkeiten neuer Beschränkungen für die Durchfahrt (etwa durch eine Maut) scheinen aktuell keine besondere Rolle zu spielen.
Blendet man die Krise im Mittleren Osten aus, sind steigende Kurse nachvollziehbar. Aktuell erwarten die Analysten weiterhin ein solides Wirtschaftswachstum. Hinzu kommt eine relativ hohe Inflation. Dies rechtfertigt Preisaufschläge am Aktienmarkt. Die Unsicherheit bleibt ein Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Bisher scheint der Iran nicht auf sein Atomprogramm verzichten zu wollen. Sollte es trotzdem zu einem Friedensschluss kommen, könnte dieser eine recht kurze Halbwertszeit haben.
S&P 500 auf Rekordniveau
Während der DAX bisher sein Allzeithoch nicht erreicht hat, jagt der marktbreite US-Index einen Rekord nach dem anderen. Dies ergibt Sinn, denn die Konjunktur in den USA präsentiert sich deutlich robuster als jene in Europa. Die Ichimokuwolke bei 7.400 Punkten dürfte den ersten schwachen Support liefern. Eine solide Unterstützung sehe ich bei 7.320 Punkten.

Stützend dürfte der fallende Ölpreis wirken. Brent verbilligt sich deutlich, bleibt jedoch in seiner volatilen Seitwärtsrange zwischen 86,20 und 115 US-Dollar.

Dem geht an der Börse die Hoffnung auf eine sinkende Inflation einher, was den Notenbanken einen Spielraum für Zinssenkungen geben würde. Ob die aktuellen Bewegungen mehr als eine Momentaufnahme sind, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Der Zinssatz der deutschen 10-Jahres-Anleihe sank heute unter drei Prozent.

Blick auf die Daten der vergangenen Woche
Der Handel an der Börse bleibt im Fokus eines Themas. Trotzdem sollen Anleger die wichtigsten Daten nicht aus dem Auge verlieren. Die Verunsicherung der Verbraucher lässt sich nicht nur in Europa beobachten. So sanken die elektronischen Umsätze in Neuseeland im April um 1,3 Prozent. Sehr stark präsentierte sich die Wirtschaft Japans. Auch die Exporte konnten überzeugen. Das Land führe 14,8 Prozent mehr Waren als im Vorjahr aus. Sie wuchs im ersten Quartal um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings schwächelte die Industrie im März. Die australischen Einkaufsmanagerindizes gingen im Mai spürbar zurück. Auch die Zahl der Erwerbstätigen sank im April.
Gemischte Zahlen aus Europa
In einem recht schlechten Zustand geht der britische Arbeitsmarkt ins Frühjahr. Im April wuchs die Zahl der Erwerbslosen um 26.500. Dafür ging die britische Inflation von 3,3 auf 2,8 Prozent zurück. Dies könnte an der Kaufzurückhaltung der Verbraucher liegen, denn die Einzelhandelsumsätze sind auf dem Rückzug. Entgegengesetzt verhält sich die Teuerung in der Eurozone. Sie stieg im April von 2,6 auf 3,0 Prozent und bestätigte damit die Vorabschätzung. Die Einkaufsmanagerindizes geben nach.
In Deutschland liegt nun auch das verarbeitende Gewerbe wieder unter der Wachstumsschwelle 50. Etwas besser als im Vormonat präsentiert sich der ifo-Geschäftsklimaindex. Mit 84,9 Punkten bleibt es jedoch auf einem schwachen Niveau. Sehr schwache Zahlen kamen aus der Schweizer Industrie. Die Produktion schrumpfte gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent.
US-Wirtschaft zeigt Stärke
Robust zeigte sich der Immobilienmarkt der USA. Die schwebenden Hausverkäufe stiegen im April um gute 1,4 Prozent. Die Einkaufsmanagerindizes deuten auf ein solides Wachstum der Wirtschaft hin. Mit 55,3 Punkten zeigt das verarbeitende Gewerbe eine in anderen Wirtschaftsräumen nicht vorhandene Stärke. Es gibt jedoch auch alarmierende Signale. Die von der Uni Michigan gemessene Konsumstimmung sinkt auf das Rekordtief von 44,1 Punkten.
Ausblick
Heute feiern die USA den Memorial Day, weshalb die Börse in New York geschlossen bleibt. Morgen blicken die Märkte auf das CB‑Verbrauchervertrauen in den USA. Bei der Zinsentscheidung der Reserve Bank of New Zealand erwarten die Analysten bei der geldpolitischen Entscheidung am Mittwoch keine Änderung des Zinssatzes. Am Abend hat die Europäische Zentralbank eine Pressekonferenz angekündigt.
Am Donnerstag gibt es mit dem PCE-Kernrate-Preisindex neue Daten von der US-Inflation. Zudem steht die Veröffentlichung der Neubauverkäufe im Wirtschaftskalender. Am Freitag blicken die Anleger an der Börse auf die Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten aus Deutschland, ehe die Chicago-Fed ihren Einkaufsmanagerindex präsentiert.
Gold stabilisiert sich
Edelmetalle bleiben gefragt, was beim Bedarf für die Zukunftstechnologien nicht überrascht. Gold bleibt zwar nach Ichimoku im Vier-Stunden-Chart bearish, konnte sich zuletzt jedoch stabiliseren.

Möglicherweise hat dies mit der aktuellen Dollar-Schwäche zu tun. EUR/USD zeigt eine zunehmende Risikobereitschaft der Märkte, die sich normalerweise in einer Stärkung des Euro manifestiert. Wirklich bullish wird es jedoch erst über 1,1660.

Auch der Bitcoin legt zu. Die Unterstützung bei 74.430 Dollar hielt. Widerstand ist bei gut 79.000 Dollar sichtbar.

Mein Börsenbericht dient der Information und ist nicht als Handelsempfehlung zu verstehen.
Titelbild: KI
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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