Preisschock vor dem nächsten Urlaub?
Der Krieg im Mittleren Osten hat die Kerosinpreise deutlich steigen lassen. Droht Frühbuchern vor der Reise ein Preisschock?
Hohe Kosten beim Tanken
Durch die Blockade der Straße von Homuz ist das Tanken nicht nur an der Zapfsäule für Pkws deutlich teurer geworden. Zwar hat die Bundesregierung durch einen Tankrabatt kurzfristig die Auswirkungen gelindert, die Belastungen für die Verbraucher bleiben jedoch sehr hoch. Sie könnten nach dem Auslaufen der Steuerermäßigung in zwei Monaten sogar wieder steigen.
Das Problem betrifft auch Unternehmen, etwa jene in der Tourismusbranche. Zahlreiche Busunternehmen führten Kraftstoffzuschläge ein, um die hohen Kosten an die Reisenden weiterzugeben. Ein großer Preisschock ist bisher nicht zu erwarten, zumal einige Busbetriebe aktuell eine Preisgarantie abgeben. Zu ihnen gehört Neandertours.
Unübersichtliche Marktsituation
Bei den Flugpauschalreisen herrschen dynamische Preise vor. Angebot und Nachfrage beeinflussen sie entscheidend. In den vergangenen Wochen hielten sich die Preisanpassungen in Grenzen, was sich jedoch in der Zukunft ändern könnte. Aktuell beobachten Experten, dass die Fluggesellschaften die höheren Kosten für Kerosin mehr und mehr an ihre Kunden weitergeben.
Noch gibt es jedoch günstige Flüge. Einige Airlines betreiben langfristige Absicherungsgeschäfte, ein sogenanntes Hedging. Dadurch blieben sie vom aktuellen Preisanstieg von Kerosin verschont. Zu den Unternehmen mit diesem Konzept gehören die Lufthansa und Ryanair. Andere Fluggesellschaften setzten auf den Einkauf auf dem Spotmarkt. Der Vorteil liegt in der geringen Kapitalbindung. Lufthansa und Ryanair langfristig Kapital, was bei Geschäften am Spotmarkt nicht nötig ist.
Der Spotmarkt als Krisenfalle
Einige Fluggesellschaften versorgen sich am Spotmarkt kurzfristig mit Treibstoff. In „normalen Zeiten“ können sie so die Preisschwankungen ausnutzen und könnten dadurch häufig die Flugtickets etwas günstiger anbieten. In Krisenzeiten schlägt ein Preisschock an der Börse schneller durch. Air France-KLM kauft knapp zwei Drittel seines Kerosins durch Hedging und den Rest am Spotmarkt. Die Airline bemüht sich, die besten Effekte beider Welten zu vereinen.
Gelingt dies? In einer Krise wie jetzt am Golf zeigt die Strategie nur einen mäßigen Erfolg. Die Fluggesellschaften Air France und KLM verlangen bei Langstreckenflügen Aufschläge von bis zu 50 Euro pro Strecke. Noch schlimmer sind Airlines betroffen, die ihr Kerosin hauptsächlich am Spotmarkt kaufen. Bei ihnen steigen die Preise für Flugtickets am schnellsten. Viele US-amerikanische Unternehmen setzen auf diese Strategie der geringen Kapitalbindung.
Keine Kostenfalle für Frühbucher
Frühbucher bezahlen voraussichtlich für ihre Reise weniger als jede, die auf Last-Minute setzen. Auch wenn die Straße von Hormus schnell freigegeben würde, dürfte der Stau um die Meerenge noch einige Zeit andauern. Dass die Kerosinpreise vor dem Sommer auf das Vorkrisenniveau fallen, halten Marktanalysten für ausgeschlossen. Aus dieser Sicht sind die Frühbucher die Gewinner.
In verschiedenen Nachrichtensendungen machen aktuell die Moderatoren darauf aufmerksam, dass die Anbieter den Reisepreis auch nach der Buchung anheben dürfen. Dies ist zwar richtig, aber die Preiserhöhung darf acht Prozent nicht überschreiten. Theoretisch darf sie bis 20 Tage vor Reisebeginn erhoben werden. Ein Preisschock ist hier nicht zu erwarten.
Für mich stellt sich die Frage, ob es für Reiseunternehmen zielführend wäre, diese Option wahrzunehmen. Frühbucher tragen wesentlich zur Auslastungssteuerung der touristischen Leistungserbringer bei. Sie zu verunsichern, wäre ökonomisch unklug.
Kein Preisschock in Sicht
Folgerichtig haben zahlreiche große Reiseveranstalter bereits versichert, dass sie auf Nachforderungen verzichten werden. Unter diesen Unternehmen befinden sich TUI, DERTOUR, Alltours und Schauinsland. Die Erfahrung zeigt, dass Reiseveranstalter das Recht zu einer Preiserhöhung nicht in Anspruch nehmen. Sie wissen, dass dies das Vertrauen der Stammkunden beeinträchtigt. Die meisten Unternehmen setzten deshalb eher auf Treibstoffzuschläge für Neubuchungen.
Aus dieser Sicht und der aktuellen Lage an der Straße von Hormus könnte es sinnvoll sein, nicht länger auf bessere Zeiten zu warten.
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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