Börse: Fokussierung auf die künstliche Intelligenz nimmt ab

Börse: Fokussierung auf die künstliche Intelligenz nimmt ab

In der vergangenen Woche war eine Rotation weg von der künstlerischen Intelligenz zu beobachten. Profitieren konnte davon auch der DAX.

Deutscher Leitindex mit deutlicher Erholung

Der von der Industrie geprägte Dax konnte sich in der vergangenen Woche deutlich erholen. Der Grund ist eine Umschichtung bei den Anlegern, die sich in den vergangenen Wochen stark auf die Zukunftsaktien rund um die künstliche Intelligenz konzentrierten. Inzwischen realisieren die Händler, dass die Gewinnaussichten teilweise deutlich übertrieben zu sein scheinen. Hinzu kommt die Hoffnung, dass die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten die Geldpolitik der Fed beeinflussen könnten.

Stützend wirkt zudem, dass die Nachrichtenlage um den Krieg im Iran aktuell ruhiger geworden ist. Eine abschließende Lösung des Konfliktes gibt es jedoch nicht. Eine große Rotation sehen Analysten bisher nicht. Sie beschreiben, dass sich einige Anleger aus einem überfüllten Raum zurückziehen. Ein Paradigmenwechsel scheint damit nicht verbunden zu sein. 

Schwache Zahlen vom US-Arbeitsmarkt

Der US-Arbeitsmarkt präsentierte sich im Juni überraschend schwach. Mit 57.000 stieg die Zahl der Arbeitsplätze nur halb so stark wie erwartet. Zwar sank die Arbeitslosenquote von 4,3 auf 4,2 Prozent, was jedoch auf eine geringere Beteiligungsquote zurückzuführen war. 720.000 Arbeitnehmer haben sich komplett aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen. Wie bereits in der vergangenen Woche angesprochen, schaffte die Industrie auch in diesem Monat kaum neue Arbeitsplätze. Das Stellenwachstum in der Regierung schrumpfte ebenfalls stark. 

Die stützt meine These, dass die Fed ihre Geldpolitik anpassen wird. Möglicherweise wird sie den Leitzins für eine längere Zeit stabil halten. Aus meiner Sicht, könnte durch eine sinkende Inflation sogar ein enger Spielraum für eine Zinssenkung entstehen. 

Die erklärt die bullishe Reaktion am Markt. Der Dax erhielt einen deutlichen Schub und erreichte ein neues Rekordhoch bei knapp 26.000 Punkten. Der erste Support liegt nun am alten Allzeithoch bei 25.525 Punkten. 

Dax – Stundenchart

Im S&P 500 zeigt der Stundenchart nach der ersten Freude Gewinnmitnahmen. Sie rühren von  der geringeren Nachfrage nach Aktien von Unternehmen her, die sich um künstliche Intelligenz kümmern.  Insgesamt konnte sich der Index behaupten. 

S&P 500 – Stundenchart

Beim Dow Jones fiel die Korrektur vor dem handelsfreien Freitag weniger deutlich aus, weil hier die KI-Aktien weniger stark gewichtet sind als im S&P 500.

Dow Jones – Stundenchart

Optimismus für Deutschland und die Eurozone

Während die Indizes in den USA auf der Stelle treten, überraschen die Anleger mit einem überraschenden Vertrauensschub für die deutsche Wirtschaft. Dafür gibt es einige Gründe. Zunächst hoffen die Händler darauf, dass niedrigere oder zumindest nicht steigende Zinsen in den USA auch Investitionen in Deutschland erleichtern. Zudem gab es in der vergangenen Woche einige erfreuliche Daten.

So zeigten sich die Unternehmer in der Eurozone etwas zuversichtlicher. Der entsprechende Index für die Wirtschaftsstimmung stieg leicht von 93,7 auf 95 Punkte. Allerdings hatten hier die sinkenden Inflationserwartungen den Hauptanteil. Auftragseingänge und Produktion zeigen eher ein bescheidenes Bild. Sehr gut entwickelten sich im Mai die deutschen Einzelhandelsumsätze. Der Arbeitsmarkt präsentierte sich etwas besser als befürchtet. Saisonbereinigt sank die Zahl der Erwerbslosen um 1.000. Für einen Juni sind die Zahlen trotzdem ein Zeichen, dass die Wirtschaft keine neuen Stellen schafft.

Erfreulich entwickelt sich auch die Inflation, die in Deutschland von 2,6 auf 2,3 Prozent sank. Auch in der Eurozone wurde ein deutlicher Rückgang (von 3,2 auf 2,8 Prozent) registriert. Zuletzt fielen die Einkaufsmanagerindizes etwas überzeugender als im Vormonat aus. Eine starke Konjunkturbelebung erwartet die Mehrheit der Manager jedoch nicht. 

Die Bullen von EUR/USD profitierten von den USA-Arbeitsmarktzahlen nur kurzfristig. Obwohl ich für den Herbst eine Erholung des Euro erwarte, kann es kurzfristig zu einer Korrektur kommen. Ein Retest der 1,1370/25 ist nicht auszuschließen. Widerstände liegen laut Ichimoku bei 1,1475/545. 

EUR/USD – Stundenchart

USA: Sorgenkind Industrie

Während rund um die künstliche Intelligenz noch Aufbruchstimmung herrscht, ebbt diese in den restlichen Branchen in den USA immer mehr ab. Dies wurde auch bei den ISM-Einkaufsmanagerindizes deutlich. Im verarbeitenden Gewerbe ging die Zuversicht leicht zurück. Interessant ist, dass die Manager sich zuversichtlich zu den Neuaufträgen äußern, eine Mehrheit jedoch gleichzeitig Stellen abbauen möchte. Der starke Margendruck lässt die Unternehmen immer häufiger die Personalkosten überprüfen. 

Wie erfolgreich die Betriebe dabei sind, zeigen die Börsenkurse. Ob die Strategie langfristig gutgeht, kann bezweifelt werden. Die Menschen ohne Job fallen als Konsumenten zumindest teilweise aus. Für die auf die Binnennachfrage konzentrierte US-Konjunktur ist diese besorgniserregend. 

Ölpreis sinkt etwas

Der Krieg der USA mit dem Iran pausiert und die Händler hoffen weiter auf eine Verhandlungslösung. Der Ölpreis der Sorte Brent sank in der vergangenen Woche unter 72,50 US-Dollar. Ein Blick auf den Chart zeigt jedoch, dass der Abwärtsdruck deutlich nachgelassen hat. 

Rohöl, Brent – Stundenchart

Gold scheint die Umkehr mit dem Sprung über den Widerstand bei 4.095 US-Dollar geschafft zu haben. Die Konsolidierung könnte also beendet sein. Weitere Widerstände sind bei 4.220/300 auszumachen. 

Gold – Stundenchart

Auch Silber scheint einen Boden gebildet zu haben. Dies bestätigt die These, dass aktuelle Marktverschiebungen zugunsten einer größeren Streuung nicht auf eine Abkehr von der künstlichen Intelligenz schließen lassen. 

Silber – Stundenchart

Dass der Konjunkturoptimismus eher gedämpft ist, zeigt Kupfer. Das rötliche Metall schafft es bisher nicht über den Widerstand bei 6,2750.

Kupfer – Stundenchart

Der Bitcoin bildete einen Doppelboden, der laut Dailychart jedoch noch nicht als Bodenbildung zu deuten ist. Idealerweise steigt er dafür über 68.000 Dollar. Noch besser wäre der Bruch der Ichimoku-Wolke bei 71.125 Dollar.

Bitcoin – Dailychart

Ausblick

Aus den USA und Kanada werden morgen die Handelsbilanzen gemeldet. Am Mittwoch veröffentlicht die Fed das Protokoll der vergangenen FOMC-Sitzung. Spannend wird, ob bereits einige Fed-Mitglieder auf einen möglichen Paradigmenwechsel der Fed hinweisen. Vor dem Wochenende beginnt zudem die Berichtssaison in den USA. 

Für DAX-Händler stehen am Dienstag die Industrieproduktion und am Donnerstag die deutsche Handelsbilanz im Wirtschaftskalender. 

In Neuseeland findet am Mittwoch die nächste Zinssitzung statt. Die Analysten erwarten, dass die Reserve Bank of New Zealand den Leitzins um 0,25 auf 2,5 Prozent anhebt. 

Text, Recherche und Analyse: Lars Hoffmann

Bild: KI

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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