Börse: Die Augen sind auf die Fed gerichtet
Am Mittwoch entscheidet die Fed ein letztes Mal vor dem Sommer über ihre Geldpolitik.
Zwischen Inflation und Konjunkturschwäche
Anders als die EZB hat die US-amerikanische Notenbank Fed ein Doppelmandat. Neben der Inflation muss sie auch den Arbeitsmarkt in den Blick nehmen. Wie ich in der vergangenen Woche berichtete, zeigt sich der Stellenmarkt nicht robust. Die große Zahl an Arbeitsplätzen entstand jedoch im Dienstleistungs- und Regierungsbereich. In der Industrie wuchsen die Stellen kaum.
Ein Grund könnten die massenhaften Abschiebungen der illegal in den USA lebenden Migranten sein. Diese Erklärung greift jedoch zu kurz, denn das für die Arbeitsstatistiken zuständige Bureau of Labour stellt einige besorgniserregende Zahlen zur Verfügung. Demnach gelten inzwischen zwei Millionen Menschen als langzeitarbeitslos. Dies ist der höchste Stand seit Dezember 2021. Gleichzeitig stellen die Statistiker fest, dass Arbeitslose immer länger benötigen, um einen neuen Job zu finden. Insbesondere kleine Unternehmen zeigen eine immer geringere Bereitschaft, neue Stellen zu schaffen.
Die Inflation dürfte der Fed ebenfalls Sorgen bereiten. Die Inflation stieg auf 4,2 Prozent. Sie entsprach den Erwartungen der Analysten, lag jedoch deutlich über dem Zielwert der Notenbanker. Die Erzeugerpreise stiegen sogar um 6,5 %, was dafür spricht, dass eine Abschwächung der Teuerung auf sich warten lassen könnte. In dieser Gemengelage führt der neue Chairman Kevin Warsh seine erste geldpolitische Sitzung.
Zinserhöhung der Fed unwahrscheinlich
Wahrscheinlich wird die US-Notenbank sich eine Zinspause verordnen. Dies ist unter den meisten Analysten Konsens. Es erscheint auch logisch. Die steigende Erwerbslosigkeit dürfte die Inflation mittelfristig aufgrund der sinkenden Kaufkraft der Verbraucher negativ beeinflussen. Eine sinkende Nachfrage drückt auf die Teuerung. Zudem lag das Lohnwachstum im Mai mit 3,4 Prozent unterhalb der Inflation, wodurch das Verbrauchervertauen auf einem niedrigen Niveau verharren wird.
In der Kombination mit den deutlich sichtbaren Schwächen auf dem Arbeitsmarkt dürfte die Fed auf eine Zinserhöhung verzichten und auf weitere Daten warten. Dabei dürfte die Inflation aufgrund horrender Preisaufschläge während der Fußball-Weltmeisterschaft weiter ansteigen. Andererseits bahnt sich eine Entspannung der geopolitischen Krise im Nahen Osten an, was die Energiepreise senken könnte. Die FIFA-WM ist ein kurzzeitiges Phänomen, das bereits im August keine Rolle mehr spielt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehen etwa die Analysten von J. P. Morgan Research Global kritisch, weshalb die Fed womöglich ihren Fokus verschieben wird. Möglicherweise positioniert sie sich neutraler, um Optionen in jede Richtung zu besitzen. Das FOMC wird sich wohl in Zukunft mehr auf den Arbeitsmarkt fokussieren.
EZB: Wohl keine weiteren Zinserhöhungen
Die Europäische Zentralbank hat ein anderes Mandat als die Fed. Es beschränkt sich auf die Senkung der Inflation. Nach der extremen Teuerung infolge des Krieges in der Ukraine wollte die Notenbank dieses Mal rechtzeitig die Inflation bekämpfen. Deshalb erhöhte die EZB den Leitzins um 0,25 Prozent auf 2,25 Prozent. Angesichts der schwachen Konjunktur in der Eurozone und der zu erwartenden sinkenden Energiepreise dürfte die Notenbank im Herbst stillhalten. Wahrscheinlich ist, dass die Währungshüter ihre weitere Geldpolitik von den Daten abhängig machen. Frische Daten gibt es dafür erst im Herbst. Diese Haltung dürfte auch auf die Geldpolitik der Fed Auswirkungen haben, deren Leitzinssatz aktuell bei 3,75 Prozent steht.
EUR/USD bildete in der vergangenen Woche einen Doppelboden bei 1,15 und sprang über den wichtigen Widerstand bei 1,1590. Wenn die Fed wie oben beschrieben agiert, könnte sich das Majorpaar in einer Range zwischen 1,1590/80 und 1,1660 bewegen. Über dem Widerstand würde ein bullisches Signal entstehen. Unter 1,15 wird es bärisch. Angesichts der aktuellen Entwicklungen vermute ich, dass eine Bewegung Richtung Oberseite wahrscheinlicher ist.

SpaceX sorgt für ordentlichen Sprung an der Technologie-Börse NASDAQ
SpaceX gelang am Freitag ein fulminanter Börseneinstieg. Der Wert der Aktie stieg deutlich über den Ausgabepreis. Der NASDAQ 100 zeigte sich am Freitag volatil, was auf eine Rotation von Halbleitern hin zu SpaceX deutete. Heute legten die Technologiewerte jedoch deutlich zu. Es fließt also frisches Kapital in den Markt. Der Glaube an die KI bleibt also flächendeckend bestehen.

Die SpaceX-Aktie liegt vorbörslich etwas höher als am Freitag. Ein weiteres Feuerwerk scheint nicht anzustehen. Ob sich die Aktie als langfristiges Investment eignet, muss man abwarten. Die betriebswirtschaftlichen Daten rechtfertigen die Bewertung nicht. Optimisten verweisen jedoch nicht zu Unrecht auf das große Potenzial des Unternehmens.
Für mich spielt jedoch ein anderer Aspekt eine wichtige Rolle: Viele Aktienbesitzer müssen sich an eine Haltefrist von 90 bis 180 Tagen halten und dürfen ihre Wertpapiere erst danach veräußern. Insofern könnte die Aktie in drei bis sechs Monaten spürbar unter Druck geraten. Ein späterer Einstieg könnte hier günstiger als der Sprung auf den „fahrenden Zug“ sein.
China meldet sich zurück
Nachdem zuletzt über die Stärke der chinesischen Wirtschaft spekuliert wurde, präsentiert sich diese mit einer starken Handelsbilanz. Die Exporte zogen im Mai um 19,4 Prozent an. Dies überraschte die Analysten ebenso wie die starken Importzahlen (+27,4 Prozent). Die Volkswirtschaft der Volksrepublik zeigt hier eine Gabe, die etwa der deutschen Industrie derzeit fehlt: die Resilienz gegen einen immer fragmentierteren Markt.
Dabei profitiert das Land im Fernen Osten von seiner Hochtechnologie, die im Vergleich zu den vielen traditionellen Industriekonzepten in Europa überlegen zu sein scheint. Die Steigerung der Importe beeindruckt auf den ersten Blick, nutzt aber der europäischen Wirtschaft nichts. China hortet Rohstoffe, um gegen weitere Schocks in den Lieferketten resilient zu sein. Gekauft wurden Getreide, Soja, Aluminium, Eisenerz und Kupfer. Dies sind alles Produkte, die an deren Orten der Welt häufiger vorhanden sind als in Europa.
DAX profitiert von einer möglichen Entspannung der geopolitischen Lage
Der deutsche Leitindex zieht trotz der weiterhin angespannten Lage in der deutschen Wirtschaft an. Der Optimismus lässt sich durch die wahrscheinliche Entspannung der geopolitischen Lage begründen. Mit der Öffnung von Hormus würden die Energiepreise deutlich sinken. Der DAX springt zum Handelsstart an die 25.000-Punkte-Marke. Widerstände sehe ich bei 25.400/525. Den ersten wichtigen Support markiert der Ichimoku zwischen 24.525/355 Punkten.

Der S&P 500 präsentiert sich nach einer volatilen Woche ebenfalls freundlich. Ob der Sprung über die 7.500 nachhaltig war, wird sich zeigen. Der Ichimoku signalisiert einen überkauften Status. Unter 7.475 könnte eine längere Seitwärtsperiode in einer Range bis 7.345 folgen. Der Sprung 7.571 eröffnet den Weg zu einer neuen Rekordjagd.

Rohöl unter Druck
Die Aussicht auf ein Ende der Kämpfe in der Golfregion sorgt für einen deutlichen Rückgang der Ölpreise. Hier ist aus meiner Sicht jedoch Vorsicht angesagt. Bisher hat der Iran den Vertrag mit den USA nicht unterschrieben. Der Hauptgrund liegt in der Weigerung Israels, auch den Krieg im Südlibanon zu beenden. Zudem zeigten die Förderzahlen der OPEC, dass neben dem Iran auch Saudi-Arabien die Fördermengen deutlich reduziert hat.
Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Verschiffung des Rohstoffs über den Persischen Golf nicht möglich ist. Dagegen spricht bei Saudi-Arabien, dass das Land sein Öl auch über das Rote Meer in die Welt transportieren könnte. Möglicherweise drosselt das Land seine Produktion aus strategischen Gründen. Dass die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Ölausstoß nicht reduziert haben, unterstützt diese These. Möglicherweise versuchen die Saudis, den Ölpreis höher als vor der Krise zu halten.

Gold erholte sich heute deutlich, was nicht der Flucht in den sicheren Hafen geschuldet war. Die hohe Inflation und der Goldbedarf in der KI-Industrie dürften für die Preisentwicklung ausschlaggebend sein. Ein Sprung über die 4.360-Dollar-Marke schließt eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation und stellt ein bullisches Signal dar.

Die These nach einer hohen Nachfrage nach Supraleitern bestätigt der Silberpreis. Er steigt noch deutlicher als das gelbe Metall.

Der Bitcoin orientiert sich wie so häufig an den Aktienmärkten und stieg gestern über die wichtige Widerstandsmarke bei 65.000 Dollar. Hat die Kryptowährung ihren Boden gefunden? Für diese Feststellung ist es noch zu früh. Ein echtes bullisches Signal sehe ich erst über 73.700 Dollar.

Mein Börsenbericht ist nicht als Handelsempfehlung zu verstehen.
Recherche, Analyse und Text: Lars Hoffmann
Titelbild: KI
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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