Börse: Steigt die Inflation wieder?
Nach der Zinsentscheidung der EZB und vor der geldpolitischen Sitzung in der Fed wächst an der Börse die Angst vor einem erneuten Anstieg der Inflation.
Entspannung nicht in Sicht
Wer meine Börsenberichte regelmäßig liest, kennt meine Position zur Zinsentwicklung, der sich zuletzt auch viele Händler angeschlossen hatten. Die Inflation sank und die Konjunktur wuchs allenfalls verhalten. In den USA fielen Sondereffekte wie die FIFA-WM und die hohen Rohölpreise weg. Zudem zeigt der US-Arbeitsmarkt, dass auch in der größten Volkswirtschaft der Welt Konjunkturprobleme zu beobachten sind.
Diese Prognose ging jedoch davon aus, dass die USA und der Iran eine Einigung in ihrem Konflikt finden. Ich erwartete, dass aus dem Waffenstillstand ein Frieden wird. Dass die Lage so schnell wieder eskalierte, überraschte mich. So zeigt sich heute eine gänzlich andere Ausgangslage. Der Ölpreis stieg erneut deutlich an. Brent testete am Donnerstag die 100-Dollar-Marke. Solange der Preis nicht wieder unter 93 Dollar fällt, dürften die Aussichten eher düster sein.

Langfristige Folgen für die Inflation
Sollten sich die Energiepreise auf diesem Niveau verfestigen, könnte dies weitreichende Folgen haben. Nicht nur Rohöl, auch Erdgas ist deutlich teurer geworden. Aktuell befüllen die Versorger ihre Gastanks, um die wichtige Reserve im Winter zur Verfügung zu haben. Die höheren Beschaffungskosten werden sich im kommenden Winter vermutlich nicht nur beim Heizen bemerkbar machen.
Viele Unternehmen werden zudem versuchen, das bestehende Risiko an die Verbraucher weiterzugeben. Die letzten Einkaufsmanagerindizes zeigten, dass viele Firmen optimistisch sind, dass dieses Vorhaben gelingt. Für die Verbraucher steigen jedoch nicht nur die Energiepreise. Sie müssen mit Verteuerungen in vielen Branchen rechnen. Die Inflation droht, hartnäckig zu werden, denn auf die Teuerung dürfte eine neue Lohnrunde folgen.
Konjunktur bleibt auf der Strecke
Für die Volkswirtschaften entwickelt sich eine ungemütliche Situation. Während die Kosten steigen, könnten sich die Verbraucher infolge steigender Preise und teurerer Kredite in Zurückhaltung üben. Für Volkswirtschaften, die vom Binnenmarkt leben (etwa in den USA), ist dies ebenso keine gute Nachricht wie für die deutsche Exportwirtschaft.
Als Folge könnten die Anleger nicht mehr innerhalb des Aktienmarktes, sondern aus ihm heraus rotieren. Ziele könnten die sicheren Häfen sein: Staatsanleihen oder der US-Dollar.
Die Zinsen der US-Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit blieben am Ende der vergangenen Woche auf einem hohen Niveau. Dies dürfte jedoch eher auf eine geänderte Zinserwartung hindeuten. Am Freitag setzte eine Korrektur ein, was auf mehr Nachfrage hindeuten könnte.

Dies würde die These nach einer Flucht in die sicheren Häfen ebenso bestätigen, wie der Abverkauf von EUR/USD. Das Paar testet zum wiederholten Mal die 1,1370 und könnte bei einem Bruch die 1,1325 erreichen.

Sollte der Markt weiterhin risikoscheu agieren, könnten die Bären die 1,1160/1080 anvisieren. Ein Argument für die Euroschwäche dürfte sein, dass die von vielen Marktteilnehmern erwartete Zinssenkung im September möglicherweise nicht kommt. Christine Lagarde wies in ihrer Pressekonferenz auf die Risiken durch die geopolitische Lage hin. Ein hoher Ölpreis könnte die Inflation wieder anfachen.

Markt preist Zinserhöhungen ein
Dass der Markt von einer hartnäckigen Inflation und daraus resultierenden Zinserhöhungen ausgeht, erkennt man auch am Goldpreis. Dieser befand sich am Donnerstag im freien Fall. Das gelbe Metall gehört zwar zu den sicheren Häfen, bietet jedoch im Vergleich zu Staatsanleihen keine Rendite. Diese beiden Aspekte sorgen für eine heftige Volatilität, die sich aktuell zwischen 3.960 und 4.160 Dollar bewegt.

Der Dailychart zeigt, dass Gold die Marktübertreibung seit Herbst 2025 abgebaut hat. Ob sich das gelbe Metall nun stabilisiert, ist nicht klar. Der Ichimoku bleibt zunächst bearish. Der Kurs prallte bei einem Erholungsversuch am Kijun ab, sodass eine Fortsetzung der Korrektur möglich ist.

Dass Gold trotz der Inflationsgefahr und der sinkenden Risikofreude des Marktes billiger wird, liegt nicht nur an den vom Markt erwarteten Zinserhöhungen. Gold (und noch mehr Silber) gelten als unverzichtbare Stromleiter in Zukunftstechnologien. Die Drähte aus den Edelmetallen benötigen einen deutlich niedrigeren Querschnitt als ein Kupferkabel. Da die Anleger aktuell skeptischer gegenüber den Gewinnerwartungen stehen, hat dies auch für den Gold- und Silberpreis Auswirkungen. Ein Bruch der 54-Dollar-Marke könnte Silber bis unter 50 Dollar führen.


KI-Hype vorerst beendet
Jede Marktübertreibung endet einmal. Im Gegensatz zur Dotcom-Blase lässt der Markt die Luft aus der KI-Blase jedoch kontrolliert ab. Da im Gegensatz zu damals die meisten führenden Unternehmen bereits eine gewisse Substanz aufgebaut haben, ist dieses Marktverhalten angemessen. Der Nasdaq 100 testete am Freitag die 28.200. Interessant ist, dass die Ichimokuwolke wieder auf Rot dreht, was möglicherweise eine Fortsetzung der Korrektur signalisiert. Insgesamt spricht aktuell charttechnisch nicht viel für eine nachhaltige Erholung.

Im Dailychart sehen wir, dass ein Bruch der 28.200 den Bären ein weites Feld überlassen würde.

Trumps Handelskrieg geht weiter
Gerade kippte der Supreme Court in den USA die Zollorgie von Donald Trump. Nun fand das Weiße Haus offenbar einen neuen Grund, um Zölle zu erheben: die Zwangsarbeit. Ohne Frage ist dies ein ernstes Problem. Wenn gleich 60 Länder der Welt betroffen sind, scheint der Grund jedoch eher vorgeschoben zu sein.
Das Ergebnis ist eine weitere Unsicherheit, an die sich der Markt scheinbar inzwischen gewöhnt hat. Was bleibt den Unternehmern auch anderes übrig? Offiziell werfen die USA den betroffenen Ländern vor, nicht genug gegen Zwangsarbeit bei ihren Zulieferern zu tun. Die betroffenen Länder sind neben China auch Kanada, Großbritannien, die EU, Japan, Südkorea und Indien.
Bezahlen müssen die Zeche die US-Verbraucher. Vermutlich werden die Zölle von 10 bis 12,5 Prozent die Inflation weiter anheizen. Der S&P 500 hielt sich dennoch recht wacker. Zwar tauchte der Kurs unter die 7.430er-Marke. Eine vorübergehende bullishe Gegenbewegung konnte den Trend nicht umkehren.

Die neuen Zollankündigungen beinhalten zahlreiche Ausnahmen, die dem Vorhaben einiges an Zündstoff entziehen. Zudem überzeugte vor dem Wochenende Intel mit einer starken Umsatzprognose für Chips. Vorher enttäuschten in dieser Woche Alphabet und Tesla.
Krise im deutschen Automobilsektor setzt sich fort
Nach einer Gewinnwarnung von Volkswagen fürchten Anleger nun, dass die Lage bei Mercedes-Benz und BMW nicht besser aussieht. Immerhin planen die Wolfsburger wohl, den Ausblick nicht anzupassen. Der DAX hielt sich in der vergangenen Woche trotzdem recht wacker. Starke Zahlen aus dem SAP-Cloudgeschäft konnten die Schwäche der Automobilbranche weitgehend auffangen.

Blick auf weitere Wirtschaftsdaten der vergangenen Woche
Die ZEW-Konjunkturerwartungen lagen in Deutschland und der Eurozone deutlich über den Erwartungen. Mit Blick auf die Kurse der Aktienindizes kommen die Ergebnisse jedoch nicht überraschend, weil das ZEW die Stimmung der institutionellen Anleger abfragt. Erfreulich zeigten sich in Europa die Zahlen der Zulassungen für Neuwagen.
Aus den USA kam der Chicago-Einkaufsmanagerindex, der mit –0,02 Punkten für Stagnation spricht. Betrachtet man diese Zahlen und die Schwäche im Arbeitsmarkt des produzierenden Gewerbes, erkennt man einen starken Zielkonflikt für die Fed. Die Konjunktur schreit eigentlich nach einer Zinssenkung, während die Inflation wahrscheinlich eine Zinserhöhung verlangt.
Die Einkaufsmanagerindizes lagen in den vorläufigen Zahlen vom Freitag in den meisten Ländern über den Erwartungen. Schwäche zeigt der deutsche Dienstleistungssektor, der dem Trend des verarbeitenden Gewerbes meistens mit Verzögerung folgt. Zudem bleibt das verarbeitende Gewerbe aus den USA unter den Erwartungen, was die im vorherigen Absatz geäußerte These unterstreicht.
Ausblick
Das herausragende Ereignis der kommenden Woche ist die Zinsentscheidung der Fed, die am Mittwoch verkündet wird. Die Notenbank wird wahrscheinlich den Leitzins unverändert lassen. Interessant wird die Pressekonferenz. Ich erwarte, dass Kevin Warsh aufgrund des Zielkonflikts zwischen hoher Inflation und mäßiger Konjunktur im Vagen bleiben wird. Vermutlich wird die Fed auch in den kommenden Sitzungen die Zinsen nicht verändern. Meine ursprüngliche Idee einer Zinssenkung im Herbst dürfte in dieser Woche unwahrscheinlicher geworden sein.
Bereits am Montag erscheint der ifo-Geschäftsklimaindex, bevor die USA die Auftragseingänge für die langlebigen Wirtschaftsgüter melden. Am Dienstag folgt das CB-Verbrauchervertreune in den USA.
Das BIP und der Verbraucherpreisindex aus Deutschland stehen am Donnerstag im Fokus. Zudem gibt es das BIP, die Wirtschaftsstimmung und die Arbeitsmarktdaten aus der Eurozone. Die Bank of England entscheidet über ihre Geldpolitik. Zinsänderungen erwartet der Markt nicht. Mit Spannung dürfte der Markt zudem in den USA auf den PCE-Kernrate-Preisindex und die erste Lesung des BIPs für das zweite Quartal warten.
Am Freitag lohnt ein Blick auf die staatlichen Einkaufsmanagerindizes aus China. Der deutsche Arbeitsmarkt und die Inflation der Eurozone runden die Höhepunkte der neuen Woche ab.
Zudem rückt die Berichtssaison in den USA in den Fokus. Rund ein Drittel der Unternehmen aus dem S&P meldet seine Quartalszahlen. Darunter sind Tech-Riesen wie Microsoft, Meta, Apple und Amazon. Für die konjunkturelle Gesundheit der USA dürfte das Ergebnis von Visa interessant werden. In Deutschland stehen unter anderem die Zahlen von Volkswagen und Adidas im Wirtschaftskalender. Chevron und ExxonMobil könnten als Sieger der globalen Krise auftreten.
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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