Börse: KI-Investoren zwischen Gier und Angst

KI-Investoren zwischen Gier und Angst

Gier und Angst sind keine guten Ratgeber an der Börse. Aktuell bewegt sich die Stimmung der KI-Anleger jedoch genau in diesem Spannungsbogen. 

Chance oder doch Risiko?

Eigentlich zweifelt niemand daran, dass die KI unsere Welt revolutionieren wird. Die Entwicklung steht am Anfang, sodass das Geschäft mit der neuen Technologie langfristig ertragreich zu werden verspricht. Daher ist es auch keine Überraschung, dass viele Anleger in der Investition in Aktien von Unternehmen dieser Branche große Chancen sehen. In den vergangenen Tagen nahm die Volatilität im Technologiesektor deutlich zu. 

Die Nasdaq 100 präsentiert sich seit zwei Wochen volatil, was den Zwiespalt zwischen Gier und Angst symbolisiert. Zum einen sehen die Anleger die Chancen. Niemand möchte sich diese entgehen lassen. Und so treibt diese Verheißung immer mehr Händler in diesen Markt. Andererseits sind die hohen Bewertungen eine unsichere Wette auf exorbitante Gewinne. Es wird lange dauern, bis die Unternehmen die Hoffnungen erfüllen werden. 

Das Spannungsfeld zwischen Gier und Angst

Manche Analysten warnen vor ähnlichen Risiken wie damals im Neuen Markt. Dies sehe ich nicht, denn anders als damals lassen sich bereits heute Werte erkennen. KI existiert bereits und verdient auch schon erstes Geld. Ob Ki die hohen Erwartungen für die Zukunft erfüllen kann, ist heute kaum abschätzbar. Ob die Pioniere dieser Entwicklung zu den Siegern gehören werden, ist unklar. Häufig enden diese auf der Verliererseite.

Ein Beispiel dafür ist Tesla. Der Elektroauto-Pionier kämpft heute gegen die effizientere, teilweise auch staatlich aufgepäppelte Konkurrenz aus Fernost. Tesla wird nicht verschwinden, aber das Alleinstellungsmerkmal ist Geschichte. Dieses Schicksal wird auch heutigen Sternen am KI-Himmel ereilen. Trotzdem wird sich die KI in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen etablieren. 

Augenmaß statt Gier und Angst

Die Anlage an der Börse erfordert Augenmaß. Dazu gehört die Erkenntnis, dass die Investition in diese Branchen sinnvoll ist. Da die KI eine Umwälzung wie damals die industrielle Revolution darstellt, muss sich dabei niemand auf wenige Champions beschränken. Gier und Angst sind überflüssig. Sinnvoll ist es, sich breit aufzustellen. Niemand weiß heute, welches Unternehmen langfristig überleben wird. 

Dies gilt auch für andere Zukunftstechnologien. Werden wir bald den Weltraum besiedeln? Hier müssen wir uns zunächst damit beschäftigen, was „bald“ heißt. Viel wichtiger erscheint mir jedoch die Frage, ob SpaceX wirklich der Champion ist – und vor allem: Champion bleiben wird. Das Unternehmen weist eine effektive Nettoverschuldung von 13 bis 15 Milliarden US-Dollar auf. Gut, für Elon Musk ist das nicht viel. Wenn jedoch die Investoren den Glauben an das Geschäftsmodell verlieren, kann SpaceX sehr schnell in Probleme geraten. Ob Musk dann wie bisher immer eine zündende Idee hat, wissen wir nicht.

Auch hier gilt also: lieber breiter streuen, als nur auf einen zu setzen.

China mischt ordentlich mit

Auch China spielt im Spannungsfeld zwischen Gier und Angst ordentlich mit. Die Regierung in Peking hat eher als viele westliche Regierungen das Potenzial der Technologie erkannt. So veröffentlichte das chinesische Start-up Moonshot AI das Sprachmodell „Kimi K3“. Berichten zufolge kann es US-Branchenführern das Wasser reichen. Dies stellt die Frage, ob der technologische Vorsprung der USA so groß ist wie angenommen. Auch hier ist sicherlich Angst kein Ratgeber, aber möglicherweise relativiert diese Entwicklung einige Wachstumserwartungen in den Vereinigten Staaten. 

Der Nasdaq 100 bildet die Unsicherheit der Anleger ab und fiel unter die Unterstützung von 28.275 Punkten.

Nasdaq 100 – Stundenchart

Die im Dailychart zu sehende Unterstützung bei knapp 28.200 Punkten konnte der Index noch verteidigen. Ein Bruch dieser Marke könnte die Korrektur erweitern. Ein weiterer wichtiger Support würde bei 26.700 Punkten liegen. Technisch dreht der Dailychart in einen bärischen Modus. Erkennbar wird dies  daran, dass der Tenkan (blaue Linie) den Kijun (orange) nach unten gekreuzt hat. Sollte die Wolke nach unten gebrochen werden, dürften es die Bullen erst einmal schwer haben. 

Nasdaq 100 – Dailychart

DAX stemmt sich gegen Abverkauf

Der deutsche Leitindex kämpft weiterhin mit der Schulterlinie bei 24.840 Punkten. Ein nachhaltiger Bruch ist jedoch wahrscheinlicher als eine Erholung. Weitere Unterstützung wartet bei 24.590 Punkten. Ein Bruch könnte den Index bis zur 23.960 führen. 

DAX – Stundenchart

Der DAX enthält zwar kaum KI-Unternehmen, kämpft jedoch mit anderen Problemen. Ein wichtiger Punkt ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der in der vergangenen Woche wieder auflebte. Zuletzt erklärte der Iran die Rahmenvereinbarung für beendet, was eine weitere Eskalation der Gewalt befürchten lässt. Die Schiffspassage über die Straße von Hormus dürfte weiterhin riskant bleiben. Bisher sind die Ölpreise jedoch nur moderat gestiegen, was die relative Stabilität des DAX erklärt. 

Brent stieg über den Widerstand bei 80 Dollar. Erst am Freitag folgte ein weiterer Schub über die 86-Dollar-Marke. Ein Sprung Richtung 94 Dollar könnte die Aktienmärkte drücken. 

Rohöl, Brent – Stundenchat

Sichere Häfen nicht gefragt

Große Panik wegen der geopolitischen Lage ist nicht zu sehen. Es scheint so, dass sich der Markt mit dem Konflikt im Nahen und Mittleren Osten arrangiert hat. Sichere Häfen werden daher nicht gesucht. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen steigt zwar moderat, dies dürfte jedoch auf geänderte Zinserwartungen bei der Fed zurückzuführen sein. Vermutlich wird sich der Druck auf die Preise nach dem Wegfall von Sondereffekten (Benzinpreise, FIFA-WM) abschwächen. Zudem zeigt der US-Arbeitsmarkt insbesondere in der Industrie Schwächen. 

US-Staatsanleihe, 10 Jahre Laufzeit – Stundenchart

Eine steigende Nachfrage nach Anleihen führt zu sinkenden Zinsen. Diese führen zu günstigeren Finanzierungsbedingungen. Der Dow Jones erreicht zwar langsam mein Kursziel aus der vergangenen Woche, hält sich jedoch weiterhin recht wacker. 

Dow Jones – Stundenchart

Der Dailychart zeigt, dass der US-Index zwar konsolidiert, aber im Gegensatz zum Nasdaq 100 übergeordnet bullish bleibt. Nicht übersehen sollte man jedoch, dass der Kurs den Tenan gebrochen hat. Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass sich die Stimmung bald dreht. 

Dw Jones – Dailychart

S&P 500 eher bullish

Auch der S&P 500 ist übergeordnet eher bullish, allerdings droht hier der Chikou Span (hellblau), unter die Kurse zu rutschen. Dies könnte auf einen Stimmungswechsel hindeuten. 

Der Stundenchart ist bärisch. Ein Bruch der 7.430 würde die Bären zur 7.345 führen. 

S&P 500 – Dailychart

Extreme Angst herrscht aktuell nicht. Dies lässt sich schön am Goldpreis zeigen. Er verteidigte zwar die Unterstützung bei 3.960 Dollar, zeigt jedoch kaum Aufwärtsdynamik. 

Gold – Stundenchart

EUR/USD weiterhin seitwärts

EUR/USD schiebt weiterhin zwischen 1,1370 und 1,1470 seitwärts. Ich bleibe dabei, dass der Markt aktuell von einer zu strengen Zinspolitik der Fed ausgeht. Das Paar dürfte deshalb eher nach oben ausbrechen. Es könnte jedoch sein, dass dies erst im August passiert, wenn Fed-Chairman Kevin Warsh in Jackson Hole neue Impulse zur Geldpolitik setzt.

EUR/USD – Stundenchart

Neben dem bereits beschriebenen Wegfall von Sondereffekten, dürfte sich die Fed um den Arbeitsmarkt Sorgen machen. Seit Monaten entstehen in den USA keine neuen Industriearbeitsplätze. Auch wenn diesen Trend der Dienstleistungssektor kompensieren kann, hätte dies Auswirkungen auf die Inflation. Industriearbeitsplätze werden im Gegensatz zum Servicesektor gut bezahlt. Verschiebt sich der Arbeitsmarkt zum Dienstleistungsgewerbe, sinken die Einkommen und damit die Nachfrage. Die Inflation nimmt ab.

In der kommenden Woche könnte die EZB Impulse setzen. Am Donnerstag folgt der Zinsentscheidung eine Pressekonferenz mit der Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde.

US-Inflation sackt deutlich ab

Wie richtig ich mit meiner Inflationsprognose liege, zeigte der Verbraucherpreisindex, dessen Anstieg sich im vergangenen Monat von 4,2 auf 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verlangsamte. Die Analysten rechneten mit einem Plus von 3,8 Prozent. Interessant ist, dass die Kernrate im Vergleich zum Vormonat stagnierte. Davon profitierten die US-Beschäftigten durch ein Plus von 0,8 Prozent beim Realeinkommen. 

Auf den ersten Blick sind auch die Einzelhandelsumsätze aus den USA wenig erfreulich. Sie steigen im Juni nur um 0,2 Prozent. Dies war jedoch in erster Linie den sinkenden Benzinpreisen geschuldet. 

Die Schwäche des Arbeitsmarktes beschrieb die Fed im Beige Book. Zwar sehen die meisten Unternehmen noch von Massenentlassungen ab, aber die Bereitschaft zu Neueinstellungen nahm spürbar ab. 

Erstaunlich stark präsentierte sich der Philly-Fed-Herstellungsindex, der im Juli von 10,3 auf 41,4 Punkte steigt. Deutlich legte der Teilindex für Neuaufträge zu. Interessant ist zudem, dass die befragten Unternehmer mehrheitlich weiterhin erwarten, dass sie höhere Preise durchsetzen können. Der Teilindex des Geschäftsklimas sackte jedoch deutlich ab. Besonders bei den künftigen Auftragseingängen sind die Manager skeptisch. Da wundert es nicht, dass sich auch die Jobkomponente nur etwas verbesserte. 

Die Konsumerwartungen der Uni Michigan legten leicht zu, während die Inflationserwartungen abnahmen.

Chinas Exporte brummen 

Trotz aller geopolitischen Konflikte wachsen die chinesischen Exporte weiter – im Juni um 27 Prozent. Analysten vermuten, dass Importeure die chinesischen Waren auf Vorrat einkaufen, um mögliche neue Zölle umgehen zu können. Gleichzeitig importierte China 36 Prozent mehr Waren. China hortet seit Monaten Rohstoffe. In diesem Monat kamen die Steigerungen von Kohle, Erdgas, Eisenerz und Kupfer. 

Ganz anders läuft es in der Eurozone. Die Industrieproduktion sank im Mai um 0,2 Prozent. Auf Jahressicht wuchs das Minus auf 1,2 Prozent. Analysten hatten mit –0,5 Prozent gerechnet. Der Hauptgrund für die schrumpfende Industrie ist die schwache Produktion langlebiger Wirtschaftsgüter. Die britische Industrieproduktion sank im Mai um 0,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt jedoch ein Plus von einem Prozent übrig.  

Ausblick

Am interessantesten dürften die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes sein, die am Freitag in den wichtigsten Volkswirtschaften veröffentlicht werden. 

Bereits am Dienstag erscheinen die Arbeitsmarktdaten aus Großbritannien und die ZEW-Konjunkturerwartungen aus der Eurozone. Auch am Mittwoch stehen britische Daten im Wirtschaftskalender. Es erscheint der Verbraucherpreisindex.

Am Donnerstag entscheidet die EZB über die Geldpolitik in der Eurozone. Eine Änderung des Leitzinses wird nicht erwartet. Am Freitag lohnt sich noch ein Blick auf die Neubauverkäufe in den USA.

Im Hinblick auf den Spannungsbogen aus Gier und Angst im Technologiemarkt ist ein Blick auf die Berichtssaison interessant. Am Dienstag melden Alphabet und Tesla ihre Zahlen, am Donnerstag steht Intel im Fokus.

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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