Börse: Wie robust ist der Arbeitsmarkt in den USA wirklich?

Börse: Wie robust ist der Arbeitsmarkt in den USA wirklich?

Am Freitag stellten die US-Statistiker die neusten Zahlen vom Arbeitsmarkt vor. Sofort nahm die Zinshoffnung ab. Aber wie nachhaltig sind die aktuellen Daten überhaupt?

Dynamischer Stellenaufbau

Die Arbeitsmarktdaten in den USA fielen für den Mai äußerst positiv aus. Die 172.000 Stellen waren doppelt so viele, wie von Analysten erwartet. Gleichzeitig wuchsen die durchschnittlichen Stundenlöhne mit 3,4 Prozent etwas weniger als noch im April (3,6 %). Das Wachstum liegt somit unter der Inflation (3,8 Prozent). In den USA blieb bisher eine Lohn-Preis-Spirale aus. Andererseits könnte sich die Lage negativ auf die Konsumlaune der Amerikaner auswirken. 

Zudem steht die Fed aufgrund der Arbeitsmarktdaten vor schwierigen Entscheidungen. Die hohe Inflation erlaubt es nicht, die Zinsen zu erhöhen. Angesichts der im Vergleich zur Teuerung wenig steigenden Löhne, wäre eine Lockerung der Geldpolitik angemessen. Der starke Stellenzuwachs ist ein weiteres Argument, die Zinsen nicht zu erhöhen. Die Marktteilnehmer rechnen mehrheitlich mit einer sinkenden Wahrscheinlichkeit einer zeitnahen Zinssenkung, weshalb die Aktienindizes am Freitag unter Druck gerieten.

Wie nachhaltig ist der Boom auf dem Arbeitsmarkt?

In der Industrie bleibt der Stellenmarkt erneut fast unverändert. In den USA entstehen seit Monaten kaum gut bezahlte Jobs im produzierenden Gewerbe. Die meisten neuen Arbeitsplätze stellt das Dienstleistungsgewerbe zur Verfügung. Allein der Bereich Freizeit- und Gastgewerbe schuf rund 70.000 neue Stellen. Hier spielt die Fußball-Weltmeisterschaft eine entscheidende Rolle. Auf neue Arbeitskräfte sind das Gastgewerbe, Transportunternehmen, und Sicherheitsdienste angewiesen. Zudem stellt die Regierung 52.000 neue Mitarbeiter ein, die die zusätzlichen Aufgaben der lokalen Behörden bewältigen sollen. Ein ähnlicher Trend lässt sich in Kanada beobachten, wo im Mai 87.800 neue Stellen entstanden. 

Dass es sich hierbei um einen nachhaltigen Schub für den Arbeitsmarkt handelt, dürfte eher bezweifelt werden. Viele Jobs dürften zeitlich befristet sein. Von wirtschaftlicher Stärke wird der aktuelle Boom nicht getragen. Vermutlich wird ab Mitte Juli eine Beschäftigungsdelle auftreten. Hinzu dürfte mit dem Gastgewerbe ein Inflationstreiber wegfallen. Aktuell liegen die Übernachtungspreise deutlich über dem Vorjahresmaß. Hier wird nach der WM eine Normalisierung eintreten. 

Fed: Neubewertung im Herbst?

Die Fed könnte aufgrund dieser Annahmen die Datenlage neu bewerten. Wahrscheinlich tritt dann die aktuell etwas kaschierte strukturelle Schwäche des Arbeitsmarktes deutlicher zutage. Möglicherweise entsteht die Grundlage, um im Herbst die Zinsen senken zu können. Aus dieser Sicht könnte die Marktreaktion vom Freitag übertrieben gewesen sein. Folgerichtig sinkt der Zins der US-amerikanischen 10-Jahres-Anleihe bereits wieder.

US-Staatsanleihe, 10 Jahre Laufzeit – Stundenchart

KI überbewertet?

Ein weiteres Ereignis sorgte am Freitag bei Technologieaktien für eine spürbare Korrektur. Der von Broadcom veröffentlichte Ausblick enttäuschte die Anleger und Analysten. Sofort kam die Skepsis wieder hervor, dass das Potenzial der neuen Technologien möglicherweise überwertet ist. Diese Sichtweise  ist übertrieben. 

Ohne Frage wird eine Marktbereinigung stattfinden, die Unternehmen mit einem wenig nachhaltigen Konzept trifft. Generell stellt die KI eine Revolution dar, wie sie wohl zuletzt im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung zu beobachten war. Möglicherweise verlangsamen die Regulierungsbestrebungen vieler Staaten das Wachstum der KI-Branche. Langfristig wird sich die Technologie jedoch durchsetzen. 

Die führenden Entwickler von KI-Technologien sind Unternehmen, die über große Rücklagen verfügen. Die Investitionen erfolgen weniger auf Pump als damals die Internet-Revolution. Daher ist auch ein wirtschaftlicher Zusammenbruch der Branche unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass viele KI-Unternehmen  (auch Broadcom) bereits heute mit ihrem Geschäftsmodell hohe Gewinne erwirtschaften. Auch deshalb sind Vergleiche mit der Dotcom-Blase nicht zielführend. Korrekturen bilden aktuelle Wertberichtigungen ab, die den grundsätzlichen Trend nicht infrage stellen. 

Volatile Lage am Persischen Golf bleibt bestehen

Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran bleibt brüchig. Zuletzt griff Teheran Israel an, das sich angeblich nicht an die Waffenruhe mit dem Libanon gehalten hat. Zur Wahrheit gehört jedoch, dass die Hisbollah den Norden des jüdischen Staates mit Raketen attackiert hat. Aktuell scheint der Krieg nicht in eine neue heiße Phase eingetreten zu sein. Der Markt reagiert mit einer gewissen Volatilität, die wahrscheinlich auch in den kommenden Wochen anhält. Auf die global ersehnte Öffnung der Straße von Hormus deutet zurzeit nichts hin.

Abwartende Märkte

Ein Blick auf die Charts zeigt, dass die Märkte aktuell auf Greifbares warten. Konjunkturell dürfte sich daran erst mit dem Beginn der neuen Berichtssaison im Juli etwas ändern. Geopolitisch lässt sich ein Ende des Status quo ebenfalls nicht absehen.

Der Ölpreis verharrt auf hohem Niveau. Brent bewegt sich in einer Range zwischen 92 und 96 US-Dollar seitwärts.

Rohöl, Brent – Stundenchart

Der DAX korrigiert am Freitag nach den Vorgaben vom US-Markt. Wie die Wall Street korrigieren die Händler heute ihre erste Reaktion auf die Daten vom Arbeitsmarkt wieder. Unter Druck stehen die Aktien von Fluggesellschaften und Flugzeugherstellern, nachdem der Branchenverband eine Gewinnwarnung veröffentlichte. Der Ausbruch unter die vom Ichimoku signalisierte Marke von 24.500 Punkten war daher nicht nachhaltig. Noch bleibt der Index jedoch bärisch. Ein erneuter Bruch könnte die 23.650 in den Fokus rücken. Oben liegen die Widerstände bei 25.000/400.

DAX – Stundenchart

Auch der S&P 500 versucht sich an einer kräftigen Erholung, ohne bisher den Kijun im Ichimoku (orange) nachhaltig überwunden zu haben. Die Bullen dürften über der Widerstandszone 7.480/97 das Kommando übernehmen. Solange dürfte Vorsicht geboten sein.

S&P 500 – Stundenchart

EZB und Fed im Fokus

EUR/USD reagierte zuletzt auf die Sorge der Anleger, dass die Fed die Zinsen anhebt. Hier könnten am Mittwoch neue Impulse folgen. Dann erfolgt die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex in den USA. Die Analysten rechnen mit einer Inflation von 4,2 Prozent. Während die Energiepreise wohl weiterhin hoch bleiben werden, dürfte die Teuerung im Dienstleistungsgewerbe nach der Fußball-WM nachlassen. Daher könnte die Fed Argumente für ein Abwarten finden. Andererseits ist auch bei der EZB nicht ausgeschlossen, dass sie den Leitzins anhebt. Die Notenbank in der Eurozone entscheidet am Donnerstag, die Fed am 17. Juni. Aktuell könnte sich bei 1,15 ein Boden bilden. Die Bestätigung erfordert jedoch einen Sprung über die 1,1575/90.

EUR/USD – Stundenchart

Edelmetalle verlieren bei Zinserhöhungen ihre Attraktivität für die Anleger. Dies spüren zurzeit Gold und Silber. Interessant ist, dass 97 Prozent der Anleger mit keiner Zinserhöhung in den USA rechnen. Für eine Zinserhöhung spricht, dass der US-Dollar deutlich zulegt, während Gold unter Druck gerät. Häufig ist dies ein Anzeichen dafür, dass Teile des Marktes doch darauf setzen, dass die Fed die Geldpolitik strafft. Aus meiner Sicht könnte dies ein Fehler sein. Die US-Wirtschaft ist weniger robust, als es auf den ersten Blick scheint.

Gold – Stundenchart
Silber – Stundenchart

Mythos Bitcoin

Der Bitcoin setzte in der vergangenen Woche seine übergeordnete Korrektur fort und handelt inzwischen wieder auf dem Niveau von 2022. Aus fundamentaler Sicht lassen sich diese Kurssprünge nicht erklären. Wahrscheinlich ist, dass eines Tages ein neuer Zyklus beginnt, der wahrscheinlich neue Rekordhochs bringen wird. Aktuell bestätigt sich der Mythos, dass Bitcoins alle vier Jahre das gleiche Bild zeigen. Einem exorbitanten Höhenflug folgt der Absturz um über 50 Prozent. Dabei handelt es sich jedoch um kein Naturgesetz. Der Bitcoin hat im Gegensatz zum Euro oder US-Dollar keinen inneren Wert. Fundamental lässt er sich nicht bewerten, auch wenn das einige Analysten versuchen. Der Wert definiert sich ausschließlich über den Glauben an den Bitcoin. Dazu gehört auch ein ominöser Vier-Jahres-Zyklus, zu dem auch eine massive Korrektur gehört. Solange viele Anleger an dieses Phänomen glauben, werden wir diesen Zyklus weitererleben. In ein, zwei Jahren, könnte es demnach neue Rekordhochs geben.

Bitcoin – Stundenchchart
Bitcoin – Wochenchart

Ich glaube jedoch, dass es wahrscheinlicher ist, dass wir aktuell keine KI-Blase sehen.

Dieser Börsenbericht ist nicht als Handelsempfehlung zu verstehen.

Text und Recherche: Lars Hoffmann

Bild: KI

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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