Warum beim Wettlauf um immer eine komplexere Künstliche Intelligenz der Mensch auf der Strecke bleiben könnte

Künstliche Intelligenz bei der Arbeit - Bild: Frank Rietsch from Pixabay

Mir geht es in diesem Artikel um Szenarien, bei denen die Menschheit durch Künstliche Intelligenz ausgelöscht wird. Es geht um eine Frage, die in der Öffentlichkeit eher als Randthema behandelt wird: Welche sozialen Auswirkungen hat die KI?

Der Wettlauf um die Künstliche Intelligenz

Bei der generativen KI dürften US‑amerikanische Konzerne wie Meta, Google oder Microsoft einen so großen Vorsprung haben, dass sie eine Konkurrenz aus anderen Regionen der Erde nicht fürchten müssen. Anders sieht dies bei Anwendungssoftware aus. Hier gibt es auch in Deutschland beeindruckende Entwicklungen. Unser Land könnte sich durchaus zu einer führenden Nation auf diesem Gebiet entwickeln. 

Für mich steht fest, dass die Künstliche Intelligenz unser Leben stark verändern wird. Es ist die wohl umfassendste Umwälzung seit der industriellen Revolution. Ich schreibe aktuell darüber in einer Serie auf meinen Social-Media-Accounts (Links oben rechts im Kopf der Webseite). Es geht dabei nicht darum, die KI zu verteufeln. Die Nebenwirkungen hören jedoch nicht bei Desinformation oder Halluzination auf. Besonders die Verbreitung von Lügen beschäftigt die Politik sehr. Ein anderes Thema tritt zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung in den Untergrund.

Umfassende Umwälzungen in allen Bereichen

Teilweise erwecken Medien den Eindruck, dass die Künstliche Intelligenz insbesondere in geistige Tätigkeiten eingreift. Die Quellensuche wird einfacher, es lassen sich komplexe Aufgaben in kurzer Zeit erledigen. Die Technologie schreibt E-Mails, Briefe und bei Bedarf auch ganze Bücher. In der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, dass die KI den Arbeitskräftemangel kompensiert. Dies ist jedoch zu kurz gedacht.

Bei den Recherchen für meine Social-Media-Serie fand ich ein Video über einen Malerroboter. https://www.youtube.com/watch?v=yvHLj4XERtg In China existieren autonome Baustellen. Ferngesteuerte Maschinen bauen dort ohne jede menschliche Hilfe Straßen oder übernehmen die Montage in gefährlichen Bereichen beim Bau von Wolkenkratzern. 

Die Transformation des Arbeitsmarktes ist eine Herausforderung

Optimisten gehen davon aus, dass für wegfallende Arbeitsplätze neue entstehen. Wenn die industrielle Revolution als historisches Vorbild dient, kann man dieser Sichtweise zustimmen. Diese Entwicklung geschieht jedoch nicht über Nacht, sondern ist ein Prozess, den wir als Gesellschaft entwickeln müssen. Wer diesen Part übernehmen und vor allem finanzieren soll, wurde bisher von der Politik nicht definiert.

Zudem ist nicht sicher, ob das Vorbild „industrielle Revolution“ wirklich trägt. Bisher gab es für wegfallende Bereiche in der Arbeitswelt immer Alternativen. Als die Landwirtschaft weniger Arbeitskräfte benötigte, wichen diese in die Industrie aus. Später erfolgte eine Wanderung in den Dienstleistungs- und Wissenssektor. Zum Problem könnte werden, dass aktuell kein neuer Großsektor erkennbar ist, der Massen an neuen Arbeitskräften benötigt.

Zudem ist das Entwicklungstempo ein völlig anderes. Die bisherige Weiterentwicklung von menschlicher Arbeit lässt sich in Generationen messen. Der Bauerssohn lernte Fabrikarbeiter, während erst sein Enkel einen Angestelltenberuf ergriff. Dieses Mal wird die Entwicklung in wenigen Jahren erfolgen. Was in der Kreativbranche schon deutlich zum Vorschein tritt, wird sich schnell auf alle Branchen der Wirtschaft ausweiten.

Die Dimension der Umwälzungen durch die KI‑Revolution dürfte jene der industriellen Revolution deutlich übersteigen. Neue Jobs werden hohe Qualifikationen erfordern. Es besteht die Gefahr, dass Einstiegs- und Juniorjobs wegfallen. Das Schreiben von Entwürfen, das Erfassen von Daten oder Standardcodes oder der Kundendienst gehen an die Technologie über. Dies erschwert künftigen Generationen den Einstieg in die Berufswelt.

Wie Politik mit den Herausforderungen umgeht

Angesichts der Größe der zu erwartenden gesellschaftlichen Umwälzungen, ist die öffentliche Aufmerksamkeit sehr gering. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich aus der Bundesregierung ein Lösungskonzept für diese in wenigen Jahren akute Problematik vernommen hätte. Auch auf den Parteiseiten lässt sich diese Problematik nur schwer finden. Gibt man bei der SPD in die Suche „Künstliche Intelligenz“ ein, beschäftigen sich drei Viertel der vorgeschlagenen Artikel mit dem Wettlauf um die besten KI-Lösungen.

SPD will Wirtschaft in die Pflicht nehmen

Immerhin: Die Genossen haben das Problem zumindest in Teilen erkannt. 

Sie wollen Unternehmen verpflichten, Berufseinstiegsprogramme zu entwickeln. Unternehmen, die Juniorstellen streichen, sollen in einen Ausbildungsfonds einzahlen oder alternative Lehrpfade anbieten. Der Vorteil wäre, dass sich die Wirtschaft nicht aus der Verantwortung stehlen könnte. Die Frage ist, wie kleine und mittlere Unternehmen diese zusätzlichen Kosten auffangen sollen.

Zudem möchte die SPD prüfen, ob sie die extremen Effizienzgewinne aus KI-Anwendungen besteuern könnte. So wollen die Genossen verhindern, dass der Ertrag nur bei wenigen Tech-Konzernen landet. Mit dem Geld soll der Sozialstaat finanziert werden. Diese Idee müsste international durchgesetzt werden, was aktuell eher aussichtslos ist. Die US-Regierungen wehren sich vehement gegen die Besteuerung ihrer Tech-Konzerne durch das Ausland. Alternativ könnte der Staat die Nutzer von KI besteuern. Dies würde den Einsatz moderner Technologie verteuern und die Entwicklung in den nationalen Unternehmen hemmen. Wie die SPD diesen Konflikt lösen möchte, erkenne ich nicht. 

Zudem soll ein Recht auf Weiterbildung geschaffen werden. Transformationsgesellschaften sollen Übergänge in neue zukunftsfähige Berufe schaffen. Diese Lösung liest sich gut, würde jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen. Wer füllt in dieser Zeit den Kühlschrank, wer zahlt die Miete? Die Grundsicherung? Gut. Wer stellt dafür die Mittel zur Verfügung?Google? Wohl kaum.

Die Ideen der Umsetzung

Die SPD präsentiert gleichzeitig Umsetzungsideen, die jedoch nicht ohne Makel sind. 

Für die soziale Absicherung soll es ein Qualifizierungsgeld geben, das die Bundesagentur für Arbeit auszahlt. Hier stellt sich die Partei offenbar ein ähnliches Modell wie das Kurzarbeitergeld vor. Problem: Aktuell sind freie Berufe in wesentlicher Zahl betroffen. Was geschieht mit diesen Menschen? Wer bezahlt die Kosten angesichts der angespannten Haushalte in Deutschland?

Ferner möchte die SPD die Bundesagentur für Arbeit in eine Agentur für lebenslanges Lernen und berufliche Orientierung umbauen. Dies ist ein ambitionierter Ansatz, der jedoch nicht funktionieren wird. Die Agentur wird zunächst Arbeitslosigkeit verwalten und versuchen, Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Dazu wird sie mehr Qualifizierungen anbieten müssen. Genau betrachtet sind dies Aktivitäten, die die Behörde bereits heute tut. Woher die Mittel für den größeren Bedarf kommen sollen, bleibt offen.

Zudem möchte die traditionsreiche Arbeiterpartei die Mitbestimmung in den Betrieben erweitern. Demnach soll im Betriebsverfassungsgesetz verankert werden, dass die Betriebsräte bei der Einführung von KI ein Vetorecht haben. Hätte es diese Lösung in der industriellen Revolution gegeben, würde die Mehrheit von uns vermutlich noch heute zu Fuß hinter dem Esel und dem Pflug über ein Feld gehen.

Zu kurz gedacht

Die SPD ist eine Partei, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde. Nun versucht sie, die Probleme des 21. Jahrhunderts mit den Mitteln von damals zu lösen. Es ist lobenswert, dass sich die Partei über die Folgen der KI‑Revolution Gedanken macht. Dieser Versuch greift jedoch zu kurz. 

Die Transformation durch die Künstliche Intelligenz ist kein Prozess über viele Jahrzehnte. Die deutsche Einheit wird in sozialer Hinsicht noch mehrere Generationen auf sich warten lassen. Noch heute verdienen Ostdeutsche im Schnitt etwas weniger als Westdeutsche. Deutlich ist das Gefälle beim Vermögen. Die industrielle Revolution entwickelte sich ebenfalls über mehrere Generationen. 

Bei der KI-Revolution sprechen wir vermutlich über den Zeitraum der kommenden fünf bis 15 Jahre. Vermutlich wird es schon in fünf bis zehn Jahren zu regelrechten Schocks kommen. Hunderttausende gut qualifizierte Arbeitskräfte werden gleichzeitig ihren Job verlieren. Es betrifft dieses Mal jedoch nicht nur einen Teil des Landes, sondern alle 16 Bundesländer.

Einige Genossen aus dem linken Flügel sprechen sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Was als smarter Vorschlag klingt, wirft jedoch neue Fragen auf. Die SPD-Führung spricht sich gegen den Vorschlag aus, weil die Kosten nicht finanzierbar sind. Warum die Besteuerung der KI-Wertschöpfung problematisch wird, haben wir schon besprochen. Hinzu kommt, dass unsere sozialen Sicherungssysteme durch den Faktor Arbeit finanziert werden. Auch ihre Stabilität steht auf dem Spiel.

Die Wertschöpfungsabgabe ist ein wichtiges Puzzleteil für die Finanzierung der zu erwartenden Sozialkosten. Wie beschrieben, muss diese international geregelt werden. Solche Einigungen dauern normalerweise Jahrzehnte, wenn sie überhaupt erreicht werden. Diese Zeit haben wir jedoch nicht. 

Fazit

Lobenswert ist, dass sich die Genossen in der SPD diesem Problem annehmen. Die bisherigen Lösungen werden voraussichtlich nicht ausreichen, um die Herausforderungen zu bewältigen.

CDU: Wachstumsmotor Künstliche Intelligenz

Die Christdemokraten glauben nicht an einen massiven Jobabbau. Sie sehen die Künstliche Intelligenz als Lösung gegen den Fachkräftemangel. Die Parteistrategen gehen davon aus, dass die KI Lücken füllt. Es scheint, als ob sie daran glauben, dass man die KI dem gesellschaftlichen Bedarf anpassen kann. Angesichts der bereits heute zu sehenden Realität in der Kreativbranche, halte ich diese Sichtweise für naiv. 

Der Fachkräftemangel besteht primär in physischen, personennahen Berufen. KI sorgt gegenwärtig jedoch vornehmlich im akademischen und kognitiven Sektor für Rationalisierungen, die sich im Wegfall Tausender Arbeitsstellen bemerkbar machen. Andere Berufsgruppen werden folgen. Unternehmen werden den Einsatz von KI von der Ökonomie abhängig machen. Die Frage „Technologie oder Mensch“ ist dann schnell beantwortet. 

Entfesselung der Künstlichen Intelligenz

Die Union setzt auf die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Die geht davon aus, dass KI‑gestützte Werkzeuge Arbeitsrhythmen verändern. Sie ermöglichen Homeoffice und mobiles Arbeiten. Dies ist eine idealisierte Vorstellung. KI ersetzt bereits Arbeitskräfte und wird dies in Zukunft in erheblicher Zahl tun. 

Zudem spricht sich die Union für einen Abbau der Regulierungen für Künstliche Intelligenz aus, um KI-Unternehmen sowie den Mittelstand nicht zu lähmen. Dies schafft möglicherweise neue Jobs, wird jedoch auch viele Stellen abbauen. Dass die Erwerbslosen zufällig auf die neue Stelle passen, darf infrage gestellt werden. Die Union sieht hier die Arbeitgeber in der Verantwortung. Sie sollen ihre Mitarbeiter qualifizieren. Hier bleibt eine Frage: Was passiert mit den Mitarbeitern, die durch die Rationalisierung nicht im Betrieb bleiben?

Fazit

Die Union setzt auf die Entfesselung der Wirtschaft und auf Wachstum. Es gibt zwei Probleme. Zunächst erklärt uns die Union unzureichend, wie sie durch die Rationalisierung freigesetzte Arbeitnehmer in einen neuen Job bringt. Ferner dürfte die Hoffnung auf unbändiges Wachstum naiv sein. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die eine entfesselte KI-Wirtschaft auf eine explosionsartig steigende Nachfrage treffen wird. Im Gegenteil: Die Rationalisierung schmälert die Kaufkraft der betroffenen Menschen.

Die Grünen setzen auf den Sozialstaat

Bündnis 90/Die Grünen unterscheiden sich in ihrem Ansatz von der SPD. Während die Sozialdemokraten KI so eingrenzen wollen, dass Jobs erhalten bleiben, setzt die Ökopartei auf eine Stärkung des Sozialstaats. Zwar gibt es keinen Konsens über ein bedingungsloses Grundeinkommen oder andere Garantieeinkommen, aber eine starke Strömung spricht sich für diese Idee aus. 

Zugleich setzt die Partei auf Prävention, zu der ein Rechtsanspruch auf eine geförderte Qualifizierung gehört. Zudem erwägen die Grünen Arbeitszeitverkürzungen, um die Bildung zu ermöglichen. Die Strategen erwarten eine Veränderung der Erwerbsformen. Feste Anstellungen werden weniger, während der Anteil Solo-Selbstständiger und Freiberufler steigt. Diese Personengruppen sollen in Zukunft ebenfalls in die sozialen Sicherungssysteme einzahlen.

Zudem sehen die Vorstellungen der Grünen vor, Machtkonzentrationen zu verhindern und die digitale Souveränität zu stärken. Diese Ideen sind ohne Frage wichtig, werden aber vermutlich nicht den zu erwartenden Stellenschock kompensieren.

Schwer kalkulierbar

Die Grünen setzen ebenfalls auf den Faktor Arbeit und beabsichtigen, diesen breiter zur Finanzierung der Sozialsysteme heranzuziehen. Dabei übersehen sie, dass die neuen Einzahler auch Leistungen erhalten. Zudem beantwortet die Partei nicht, wie sie den Übergang von freigesetzten Arbeitskräften in neue Jobs gestalten möchte. Ferner gibt es keinen Hinweis darauf, wie die angedachten Sozialleistungen finanziert werden sollen. Aktuell versteuern Tech-Konzerne ihre Gewinne vornehmlich in den USA oder in Niedrigsteuerländern wie Irland.

Zudem werden die sozialen Sicherungssysteme nicht sicherer. Freiwillig gesetzlich Versicherte kennen das Problem. Die Beiträge werden auf der Grundlage des letztjährigen Einkommens berechnet. Sinken die Einkommen, kommen die Betroffenen schnell in Schwierigkeiten, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Dies ist ein Grund, weshalb bereits heute etwa 80.000 Menschen keinen Krankenversicherungsschutz in Deutschland genießen. 

Angehörige freier Berufe sind zudem bereits heute von der Einführung von Künstlicher Intelligenz besonders ausgesetzt. Künstlerische, ingenieurtechnische und andere geistige Tätigkeiten verschwinden. Für das soziale Sicherungssystem bedeutet dies weniger Planbarkeit. Wie die Grünen plötzlich einbrechende Einnahmen kompensieren wollen, bleibt unbeantwortet. 

Hinzukommt, dass die Soloselbstständigen keinen Arbeitgeberanteil erhalten, ihre Beiträge also komplett selbst zahlen müssten. Selbst kleine Einkommen kämen so auf eine Abgabenlast von 50 und mehr Prozent. Allein die Last der Sozialabgaben liegt bei 39 bis 41 Prozent. Wer dann 2.000 Euro erwirtschaftet hat, kann sich gleich in die Grundsicherung verabschieden. 

Hinzukommen Probleme in der Finanzstabilität der sozialen Systeme. Wenn die Einkommen der Solo-Selbstständigen sinken, müssten die Sozialkassen zu viel gezahlte Beträge zurückzahlen. Dies würde die Planbarkeit für die Finanzen der Sozialkassen massiv gefährden.

Linke: Radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich

Die Linke favorisiert eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und vollem Personalausgleich. Damit soll vermieden werden, dass Unternehmer durch die Rationalisierung ihre Rendite erhöhen. Verbleibende Gesamtarbeit soll auf zusätzliche Arbeitskräfte verteilt werden. Was sozial klingt, hat einen Schönheitsfehler: Die Lohnstückkosten steigen erheblich, das Unternehmen ist nicht mehr wettbewerbsfähig. Am Ende sinkt die Arbeitszeit von 30 auf null Stunden – ohne vollen Lohnausgleich. 

Ferner möchte die Linke die Abgaben auf die Arbeit durch eine Maschinen- und KI-Steuer ersetzen. Die Problematik dieses wünschenswerten Vorschlags habe ich schon beschrieben. Ohne eine internationale Einigung auf Steuerstandards für die Künstliche Intelligenz, ist dieser Ansatz nicht umsetzbar. Zudem fordert die Partei ein sanktionsfreies Mindesteinkommen oder eine Grundsicherung. Der Ausbau der Daseinsvorsorge (Pflege, Bildung, Gesundheit, Nahverkehr, Kultur) soll ausgebaut werden. Bei diesen „hochmenschlichen Bereichen“ rechnet die Linke damit, dass diese kaum durch KI ersetzt werden können. Realitätscheck: Autonome Nahverkehrsmittel existieren bereits. Auch KI-Kunst ist keine Utopie mehr. So stürmte KI-Musik sogar schon die Charts. 

Wie alle anderen Parteien erklärt auch die Linke nicht, wie sie die enormen finanziellen Herausforderungen der Transformation des Arbeitsmarktes finanzieren möchte. 

Die AfD löst es national

Die AfD glaubt nicht an internationale Lösungen und lehnt auch den AI-Act der EU ab. Sie fordert ein nationales Investitionsprogramm, um die „technologische Souveränität“ zu sichern. Während andere Parteien eine globale Digitalsteuer fordern, lehnt die AfD diese Idee ab. 

Auf dem Arbeitsmarkt hofft die Partei, mit einer Abschottung von Zuwanderung die Rationalisierungseffekte durch die KI für Einheimische zu dämpfen. Die Partei sieht das Problem fehlender Juniorjobs und Einstiegsberufe für junge Akademiker. Sie lant jedoch keine arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und beschränkt sich auf die Rückführung von sich nicht legal in Deutschland aufhaltenden Ausländern und die Beschränkung der Zuwanderung. Durch die Einführung der Technologie erwarten die Parteistrategen Produktivsprünge. Wer die Produkte kaufen soll, bleibt im Nebel. 

Der Markt wird es richten

Die AfD lehnt eine Wertschöpfungsabgabe ebenso ab, wie ein Grundeinkommen und Arbeitszeitverkürzungen. Stattdessen glaubt sie an die Kraft des Marktes, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Hierzu zählen für die „Blauen“ die Atomkraft, die Rechenzentren mit „billigem“ Strom versorgen. Mal davon abgesehen, dass Atomstrom nicht billig ist, werden im Rechenzentrum der Zukunft kaum Menschen arbeiten. 

Wie sich die AfD die Qualifizierung von freigesetzten Arbeitskräften für möglicherweise neue Arbeitsplätze vorstellt, konnte ich nicht herausfinden. Auch die Gestaltung der Abfederung der zu erwartenden sozialen Härten findet in den AfD-Positionen keinen Platz. Konsequenterweise machen sich die Parteistrategen auch keine Gedanken über die Finanzierung der Transformation auf dem Arbeitsmarkt. .

Verkennung des Marktes

Der AfD muss man einen romantisierenden Blick auf den Markt vorwerfen. Der Markt wird nicht passgenau dort KI einsetzen, wo ein Arbeitskräftemangel herrscht. Die Unternehmen werden in den Bereichen rationalisieren, in denen sie sich einen ökonomischen Nutzen versprechen. Dabei werden zahlreiche Arbeitsplätze wegfallen. Die betroffenen Menschen benötigen neue Perspektiven, die Umschulungen erfordern. Es wäre das erste Mal, dass sich Unternehmer in großer Zahl mit eigenem Kapital an diesen Aufgaben beteiligen. 

Ohne eine staatliche Hilfe wird diese Aufgabe nicht zu stemmen sein. Hinzukommt die Frage, wie die Übergangszeit gestaltet wird. Die Kosten für die Grundsicherung werden vermutlich deutlich steigen. Wie die AfD diese Kosten stemmen will, bleibt im Nebel. Dies gilt besonders, weil diese Partei eine höhere Staatsverschuldung ebenso ablehnt wie die Besteuerung aus KI- und Maschinenerträgen. 

Wohin geht der Weg Deutschlands?

Zusammengefasst fällt auf, dass allen Parteien das Problem eines sich verändernden Arbeitsmarktes bewusst ist. Die Lösungssätze stammen aus den traditionellen Weltbildern der jeweiligen politischen Kräfte. Ein übergesellschaftlicher Kompromiss lässt sich aus den einzelnen Positionen nicht erkennen. Wenn man bedenkt, dass wir bereits mitten in der Transformation stecken, ist dies eine beunruhigende Situation. 

Ein globales Problem

Unsere heutigen Staaten und sozialen Sicherungssysteme basieren auf der Gewissheit des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie finanzieren sich zu einem erheblichen Teil durch die Wertschöpfung aus dem Faktor Arbeit. Wenn dieser auch nur vorübergehend ausfällt, werden die Systeme schnell an ihre Grenzen stoßen. Die Folge könnte extreme Überschuldung und der sich anschließende Kollaps des globalen Finanzsystems sein. 

Maschinen zahlen weder Einkommensteuer, noch leisten sie Abgaben für die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Während die Ausgaben für Sozialleistungen explodieren, werden die Einnahmen erheblich sinken. Dieses Phänomen ist nicht auf einige westliche Staaten begrenzt. Es trifft die gesamte Erdbevölkerung. Übrigens: Tech-Milliardäre sollten den sozialen Sprengstoff einer solchen Entwicklung nicht unterschätzen. Auch sie sollten ein Interesse an Lösungen für die Zukunft haben.

Es ist also im Interesse aller Menschen, Lösungen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu finden. Die Frage, ob KI die Menschheit auslöscht, ist dabei das kleinste Problem. Aktuell könnten diese Aufgaben soziale Konflikte übernehmen, für die man keine Künstliche Intelligenz benötigt. Letztlich müssen sich alle Menschen auf faire Lösungen einigen. Sieger gibt es sonst nicht. Die Zeit läuft.

Titelbild: Frank Rietsch from Pixabay

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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