Börse: Abwärtstrend gestoppt?
Ein Blick auf den Stundenchart des DAX könnte eine Bodenbildung signalisieren. Sicher ist es jedoch nicht, dass der Abwärtstrend gestoppt wurde.
Widersprüchliche Nachrichten vom Persischen Golf
Der Krieg gegen den Iran geht in die fünfte Woche. Noch glauben Ökonomen, dass die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft relativ gering sind. Bedingung sei jedoch, dass die Kampfhandlungen schnell beendet werden. Entsprechende Signale sendet US-Präsident Donald Trump seit einigen Tagen. Angeblich gäbe es Fortschritte bei Verhandlungen mit der neuen iranischen Führung.
Merkwürdig ist, dass der Iran von solchen Gesprächen nicht wissen möchte. Auch mögliche Vermittler berichten nicht davon, dass es zwischen den USA und dem Iran verheißungsvolle Gespräche über ein Kriegsende gibt. Die Signale aus Jerusalem machen ebenfalls kaum Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende. Nachrichten über den möglichen Einsatz von US-Bodentruppen verstärken die Befürchtungen noch.
Abwärtstrend pausiert
Analysten rechnen für Deutschland bisher nur mit geringen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum 2026. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) revidierte seine Prognose von 1,2 auf 0,9 Prozent. Laut OECD dürfte das BIP in Deutschland um 0,2 % weniger steigen als vor dem Krieg prognostiziert. Dies erklärt, warum die Aktienmärkte bisher nur moderat sanken und der Abwärtstrend pausiert.
Im Stundenchart könnte sich im DAX aktuell ein Doppelboden bei 21.860 Punkten ausbilden. Dieser ist jedoch nicht nachhaltig. Der Ichimoku signalisiert weiter ein eher bärisches Szenario. Eine Umkehr des Abwärtstrends erwarte ich erst bei einer Überwindung der Marke von 23.050 Punkten.

Abwärtstrend könnte wieder aufgenommen werden
Wie bereits erwähnt, bleibt ein kurzfristiges Ende des Krieges im Iran unwahrscheinlich. Zwar bemühen sich einige Länder in der Region um die Entwicklung von Verhandlungsformaten, aber bisher wurde kein Durchbruch erzielt. Das IMK betonte in seiner Prognose, dass die Straße von Hormuz im Sommer wieder befahrbar sein müsste.
Sollte die Blockade länger dauern, bliebe wohl nur ein Miniwachstum von 0,2 Prozent übrig. Eine wichtige Frage stellt sich für den möglichen Einsatz von US-Bodentruppen: Wollen die USA die Straße von Hormuz freikämpfen oder geht es um eine Einnahme der Insel Kharg, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte kaufen? Letzteres könnte die Öl- und Gasknappheit auf dem Weltmarkt verschärfen.
Ölpreis weiter auf hohem Niveau
Mit einer schnellen Lösung scheint der Markt nicht zu rechnen. Dies zeigt ein Blick auf den Ölpreis (WTI), der sich am wichtigen Widerstand bei 101,80 US-Dollar zu schaffen macht. Eine weitere wichtige Marke befindet sich um 104,80 US$. Der wichtigste Support steht charttechnisch bei 84,50. Eine erste Entspannung der Situation könnte bei 93 Dollar erfolgen.

Sollte es nicht zeitnah zu einem Kriegsende kommen, rechnen einige Analysten mit einer Preissteigerung bis auf 150 Dollar.
Inflation zieht an
Die deutliche Steigerung der Energiepreise droht, sich auf weitere Wirtschaftsbereiche auszuwirken. Immer mehr Branchen warnen, dass sie die steigenden Kosten an die Verbraucher weitergeben müssten. Da von der Sperrung der Straße von Hormuz auch ein beträchtlicher Anteil der Düngemittel-Lieferungen betroffen ist, könnten sich die Engpässe bald auf die Lebensmittelpreise auswirken. Die Folge wäre ein sinkendes Verbrauchervertrauen und eine ausbleibende Nachfrage, die die einsetzende Konjunkturbelebung abrupt beenden würde.
In Deutschland sucht die Bundesregierung nach einer Lösung. Die bisherigen Maßnahmen dürften jedoch die Kaufkraft der Verbraucher kaum steigern. Die von einigen Politikern ins Spiel gebrachte Erhöhung der Kilometerpauschale würde mittlere Einkommen weniger unterstützen als hohe. Zudem käme die Steuererstattung erst Mitte 2027, eine kurzfristige Entlastung würde also nicht stattfinden.
Unterschiedliche Modelle zur Entlastung von Verbrauchern und Wirtschaft
Die etwa von der AfD geforderte Aussetzung oder Abschaffung der CO₂‑Steuer sehen Ökonomen zum gegenwärtigen Zeitpunkt skeptisch. Zum einen ist unklar, ob die Mineralölkonzerne die Steuerersparnis zu 100 Prozent weitergeben würden. Andererseits würde der Staat dann nicht mehr reagieren können, wenn die Lage weiter eskaliert. Einige Ökonomen schlagen stattdessen eine Energiepauschale vor, die automatisch ausgezahlt wird. Der Vorteil: Die technischen Voraussetzungen sind bereits vorhanden und die Hilfe stünde den Verbrauchern und Unternehmen sofort zur Verfügung.
Andere EU-Länder führten eine Energiepreisbremse ein. Diese begrenzt die Belastung, kostet die Staaten jedoch viel Geld. Die Frage ist, wie lange die Regierungen die Preissteigerungen wegsubventionieren können. Die Bundesregierung lehnt dieses Modell ab, weil es in den Markt eingreift. Allerdings: Die Einschränkung der Häufigkeit von Preiserhöhungen stellt ebenfalls einen Markteingriff dar.
Wirtschaftsstimmung steigt in der Eurozone
Angesichts der Lage waren die Zahlen zur Wirtschaftsstimmung in der Eurozone eine Überraschung. Sie fiel zwar von 98,2 auf 96,6 Punkte, blieb damit jedoch knapp über den Erwartungen. Überraschend war, dass die Stimmung in der Industrie von –7,2 auf –7,0 Punkte zulegte. Offenbar gingen zum Zeitpunkt der Befragung die meisten Manager von einem schnellen Ende des Krieges am Persischen Golf aus. Deutlich stiegen die Inflationserwartungen der Verbraucher.
Ein ähnliches Bild zeigte sich bereits am vergangenen Dienstag, als die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe ein erstaunlich optimistisches Bild zeichneten. Die anderen Wirtschaftsdaten bezogen sich auf die Zeit vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran und sind daher für Anleger kaum nutzbar. Interessant dürfte der Verbraucherpreisindex für Deutschland werden, der heute Nachmittag vorläufig veröffentlicht wird. Analysten erwarten einen starken Anstieg der Inflation von 1,9 auf 2,7 Prozent.
Unsicherheit am Markt
Bei so viel Unsicherheit bleibt die Risikofreude der Anleger gering. Gold konnte sich nach einer technischen Korrektur über der 4.350er-Marke behaupten. Ein Sprung über 4.550 wäre bullish.

Auch die Dollarstärke spricht für die Orientierung der Anleger zu sicheren Häfen. EUR/USD könnte auf dem Weg zur 1,14 sein. Bei 1,1450 befindet sich noch eine Unterstützung.

Die Risikoaversion des Marktes lässt auch die Bitcoin-Bullen verzweifeln. Zwar legt heute die Kryptowährung etwas zu, aber der Widerstand bei gut 67.500 hält bisher.

Titelbild: KI-generiert
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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