Eskalation der Lage am Persischen Golf sorgt für Krisenstimmung an den Börsen

Lage am Persischen Golf

Der Krieg im Iran dürfte weiter andauern. Am Wochenende war eine weitere Eskalation der Lage am Persischen Golf zu beobachten, die die Stimmung an den Börsen auf einen weiteren Tiefpunkt führte.  

Lage am Persischen Golf eskaliert weiter

Der Krieg gegen den Iran wird wohl noch einige Wochen andauern. Weder die USA und Israel, noch der Iran lassen erkennen, dass es bald eine Deeskalation gibt. Der Iran will angeblich noch ein halbes Jahr Krieg führen wollen, die US-Amerikaner glauben, dass der Krieg etwa sechs Wochen dauern könnte. Für die Aktienmärkte schien dies bis zum Freitag kein großes Problem zu sein. Man arrangierte sich mit der Situation, was sich im zwischenzeitlich stabilisierten Aktienmarkt bemerkbar machte.

Am Wochenende eskalierte die Lage am Persischen Golf weiter. Die USA und Israel bombardierten Öllager in der Nähe von Teheran. Der Iran warnte, dass der Ölpreis bei der Zerstörung der iranischen Ölfelder bis auf 200 US-Dollar steigen könnte. Dies mag Kriegspropaganda sein, aber auch seriöse Analysten rechnen inzwischen mit Preisen von 150 Dollar. Brent schoss in der Spitze heute bereits auf 119,50 US$. 

Rohöl (Brent) – Stundenchart

Die US-Sorte WTI war nur acht Cent billiger.

Rohöl (WTI) – Stundenchart

Straße von Hormus bleibt dicht

Die Straße von Hormus ist weiterhin gesperrt. Und es deutet sich an, dass dieser Zustand noch eine Weile anhalten könnte. Die hohen Ölpreise beeindrucken den US-Präsidenten Donald Trump nicht. Er verkündete, dass diese Kosten ein kleiner Preis seien, den man zahlen müsse. Dies klingt nicht danach, dass die USA sich diesem Problem widmen wollen. 

Auswirkungen haben diese Ereignisse auch auf einen anderen Konflikt. Die Russen dürfen sich über eine sich füllende Kriegskasse freuen. Der Krieg in der Ukraine spielt aktuell am Markt (und wohl auch darüber hinaus) nur eine untergeordnete Rolle. Der Blick führt in die Golfregion, in der sich die Lage bald weiter zuspitzen könnte.

Lager fast voll

Die Unpassierbarkeit der Straße von Hormus ist für die erdölfördernden Staaten am Persischen Golf eine Katastrophe. Mittlerweile hat seit sieben Tagen kein Öltanker mehr die wichtige Meerenge passiert. Die Folge: Die Produktion muss in den Tanklagern zwischengelagert werden und kann nicht abtransportiert werden. Dies hat nicht nur fatale Auswirkungen auf die Abnehmer. Den Golfstaaten geht langsam die Lagerkapazität aus.

Deshalb haben die Prozenten bereits begonnen, die Förderung zu reduzieren. Möglicherweise muss die Produktion schon in wenigen Tagen eingestellt werden. Da auch keine leeren Supertanker mehr zur Verfügung stehen, muss diese drastische Option ins Auge gefasst werden. Die USA und Israel wollen den Krieg noch mehrere Wochen fortsetzen. Sollte der Iran über die von ihm angegebenen militärischen Reserven verfügen, könnte sich der Engpass an Rohöl so verschärfen, dass die vom Iran angedrohten 200 Dollar je Barrel im Bereich des Möglichen liegen. 

Die Lage am Persischen Golf bleibt ernst

Letztlich muss es bei der aktuellen Entwicklung nicht bei Preiserhöhungen bleiben. Möglicherweise kommt es in den kommenden Tagen zu erheblichen Energieengpässen. Den USA dürfte dies als Selbstversorger relativ egal sein. Andere Regionen müssen umdisponieren. Ein Nutznießer könnte Russland sein. Ob Putins Reich den kompletten Bedarf in China und Indien decken kann, ist nicht sicher.

Die Engpässe könnten auch außerhalb der Ölindustrie zu einem Produktionsstillstand führen. Störungen könnten bis weit nach dem Ende des Krieges andauern, denn die Wiederherstellung der Lieferketten dürfte einige Zeit beanspruchen. 

Aktienmärkte auf Talfahrt

Folgerichtig sind auch die Aktienmärkte weiterhin auf Talfahrt. Der DAX startete tief im Minus, konnte jedoch das Gap zum Freitag inzwischen wieder schließen. Dass damit die Gefahr eines weiteren Abverkaufs bereinigt ist, dürfe fraglich sein. 

DAX – Stundenchart

Die Marktteilnehmer testeten heute den aus meiner Sicht wichtigen Support bei 22.900 Punkten. Ein Bruch könnte die Bären laut Ichimoku im Dailychart bis 21.640/130 Punkte führen.

DAX – Dailychart

Im S&P 500 sieht es etwas besser aus. Die USA sind Selbstversorger. Trotzdem führt die Lage am Persischen Golf zu hohen Energiepreisen, die sich auch auf die Produktivität auf der anderen Seite des Großen Teichs auswirken werden. 

S&P 500 – Stundenchart

Nach dem Bruch der Wolke im Dailychart ist ein Test der 6.530-Punkte-Marke nicht ausgeschlossen. Der lange Docht der heutigen Tageskerze könnte jedoch dagegensprechen.

S&P 500 – Dailychart

Am Ende dürften die Börsen aktuell jedoch eher nachrichtengesteuert als technisch reagieren. 

Unsicherheit bleibt Trumpf

Sicher dürfte an den Märkten daher insbesondere die Unsicherheit bleiben. Es wundert daher nicht, dass Gold weiterhin die Unterstützung bei 5.000 Dollar verteidigt. 

Gold – Stundenchart

Auch der US-Dollar bleibt gefragt. EUR/USD präsentiert sich im Dailychart bearish und könnte schon bald den Bereich 1,1450/390 testen.

EUR/USD – Stundenchart

Meine Berichte dienen der Information und sind nicht als Handelsempfehlung zu verstehen.

Recherche und Text: Lars Hoffmann

Titelbild: KI-generiert

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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