Trump als schlechter Indikator für die Börse
US-Präsident Donald Trump erwies sich erneut als schlechter Indikator. Trotzdem ist die Lage weniger dramatisch, als es scheint.
Hausse vom Freitag voreilig
Donald Trump sorgte am Freitag für Optimismus an den Börsen, als er die Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Iran ankündigte. Die Vermittler in Islamabad und die US-Delegation waren für das heute geplante Meeting bereit. Der Iran fehlte jedoch. Den Mullahs geht es offenbar nicht mehr nur um ihr Atomprogramm.
Insofern war das Verhandlungsangebot aus Washington wohl zu wenig. Donald Trump sprach von einem für den Iran lukrativen Deal, womit er nicht recht behielt. Die Regierung Teheran wollte über die Vorschläge nicht einmal reden. Donald Trumps Ankündigungen erwiesen sich somit als schlechter Indikator.
Verhandelt Trump mit den „richtigen“ Iranern?
Für mich stellt sich nach der Vereinbarung des Waffenstillstands die Frage, wer aktuell im Iran die Macht hat. Während Außenminister Abbas Araghtschi die schrittweise Öffnung der Straße von Hormus ankündigte, sorgte die Revolutionsgarde für Angst und Schrecken, als sie wenig später Schiffe militärisch an der Durchfahrt hinderte.
Das letzte Wort in der Außen- und Sicherheitspolitik hat eigentlich der Revolutionsführer. Seit seiner Ernennung als Nachfolger seines Vaters hat sich Modschtaba Chamenei jedoch nicht mehr öffentlich gezeigt. Gerüchte über schwere Verletzungen durch den Angriff auf das Quartier seines Vaters nähren die Vermutungen, dass im Iran aktuell keine intakten Machtstrukturen herrschen. Möglicherweise erleben wir einen Machtkampf in Teheran. Hier scheinen aktuell die Revolutionsgarden die Oberhand zu haben. Die im Westen als Terroristen eingestufte Militärorganisation hat mit ihren bis an die Zähne bewaffneten Soldaten offenbar die besten Argumente. Was hinter den Kulissen passiert, wissen wir nicht.
Für die Börsen erweist sich Donald Trump als schlechter Indikator
Unklar ist zudem, worauf sich der Optimismus des US-Präsidenten Donald Trump bezog. Er erklärte am Freitag, dass die Gespräche mit dem Iran weit gediehen wären und eine Einigung in kurzer Zeit erfolgen könne. Dies sehen die Iraner offenbar anders und sprechen von großen Differenzen zwischen beiden Seiten.
Dabei scheint es nicht nur um das Atomprogramm zu gehen. Der Iran möchte eine Art Maut in der Straße von Hormus etablieren. Sie würde gegen das Seerecht verstoßen, denn die Straße gehört nicht in ihrer gesamten Breite zum Hoheitsgebiet des Mullahstaates. Dummerweise haben die Machthaber in Teheran erkannt, wie stark die Welt von der Schifffahrt in der Meerenge abhängig ist.
Die Kriegsführung der USA und Israels und die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten Trump zeugen davon, dass dieses Risiko für den Welthandel unterschätzt wurde. Bis jetzt sind Aussagen aus dem Weißen Haus ein schlechter Indikator, um über Investitionen am Aktienmarkt nachzudenken.
Wie dramatisch ist die Lage
An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Die aktuelle Situation ist nicht das Hauptkriterium für die Entwicklung der Kurse. Es sieht so aus, als ob die Golfstaaten zumindest teilweise die Ausfuhr von Erdöl und -gas drosseln müssen. Einige Förderanlagen sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Reparatur könnte mehrere Monate, vielleicht noch länger benötigen.
Trotzdem muss das Angebot nicht knapp bleiben. In die Lücke können zahlreiche andere Länder springen. Die USA als größter Ölförderer der Welt, Kanada, Norwegen, Brasilien, Guyana, Russland und Kasachstan (über eine vorhandene Pipeline) könnten ihre Kapazitäten hochfahren. Dies würde sich dämpfend auf den Ölpreis auswirken. Bei Gas könnten unter anderem die USA, Norwegen, Algerien und Australien einspringen.
Eskalation am Markt aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich
Die Golfstaaten sind nicht vollständig ohne Alternative. Die Saudis können das Öl und Gas über ein Terminal im Roten Meer verschiffen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten existiert ein Ölhafen in Fujairah im Golf von Oman. Trotzdem ist davon auszugehen, dass all jene Kompensationsmöglichkeiten die Nachfrage nicht decken werden. Auch Venezuela (schweres, saures Rohöl, das von den meisten Raffinerien nicht verarbeitet werden kann) und Nigeria (Sicherheitsprobleme, Öldiebstahl) können aktuell ihre Fördermengen kaum erhöhen.
Insgesamt kann mit den zusätzlichen Kapazitäten nur ein Teil der aktuell fehlenden 20 Millionen Barrel pro Tag kompensiert werden. Trotzdem dürfte am Markt keine Panikstimmung aufkommen. Aktuell dürfen Händler wohl davon ausgehen, dass das Angebot langfristig unter dem Stand vor dem Krieg im Iran bleibt. Preisideen von 150 oder gar 200 US-Dollar dürften jedoch unwahrscheinlich bleiben. Eine Neubewertung würde erfolgen, wenn der Konflikt am Persischen Golf eskaliert und der Iran im großen Stil Förder- und Verarbeitungsanlagen zerstört.
Brent handelt aktuell in einer Range zwischen 86 und 104 US-Dollar. Nach oben wäre Luft bis 112 US-Dollar. Sollte sich die Lage entspannen, könnten 77 Dollar als Unterstützung dienen. Einen Fall auf 58 Dollar würde ich aktuell nicht als Ziel favorisieren.
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Aktuelle Lage am Aktienmarkt eingepreist
Die Händler dürften die Spannungen am Persischen Golf weitgehend eingepreist haben. Nachdem der DAX in der vergangenen Woche ein Gap bei 23.400 schloss, sprang er wieder über die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten. Ein wichtiger Support liegt laut Ichimoku bei 23.725. Auf der Oberseite liegt im Bereich 24.655/800 Widerstand.
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Risiko Inflation
Während der Markt die Risiken auf dem Energiemarkt einigermaßen nachvollziehbar eingepreist hat, erscheint mir dies bei der Inflation nicht der Fall zu sein. Die deutsche Inflation sprang im März binnen eines Monats von 1,9 auf 2,7 Prozent. Analysten glauben, dass sich die Teuerung im Jahr 2026 im Schnitt bei etwa 2,8 Prozent bewegen wird. Diese Sicht könnte zu optimistisch sein, denn dies würde bedeuten, dass es keine Zweit- oder Drittrundeneffekte geben wird,
Aktuell sind die Energiekosten die Triebfeder der Inflation. Aktuell müssen wir davon ausgehen, dass die Öl- und Gaspreise nicht auf das Vorkriegsniveau zurückgehen. Dass die Regierungen dauerhaft gegen den Markt ansubventionieren, ist ebenfalls höchst unwahrscheinlich. Letztlich wird die Inflation also erhöht bleiben. Hinzukommen die nachfolgenden Effekte. Lieferketten und die Herstellung von Produkten verteuern sich. Am Ende werden auch die Beschäftigten eine neue Lohnrunde fordern.
Bei den Lebensmitteln kommt noch der Mangel an Dünger hinzu. Dies scheint zwar zunächst ein Problem in Afrika und Asien zu sein, dürfte langfristig aber auch vor europäischen Bauern nicht haltmachen. Es stellt sich also die Frage, ob wir wirklich schon das Top in der Inflation erreicht haben. Sollte die Teuerung deutlich steigen, dürften die Notenbanken reagieren müssen. Dies erschwert Investitionen und könnte das Wirtschaftswachstum weiter dämpfen.
So könnten mittelfristig die Risiken für die Indizes auf der Unterseite liegen. Der Konjunktiv ist übrigens bewusst gewählt. Es gibt jedoch einige Gründe, die für eine höhere als bisher angenommene Inflation sprechen. Aktuell präsentiert sich der S&P 500 im Stundenchart im Aufwärtstrend, wobei das Chartbild ein wenig wacklig aussieht. Unter 7.020 dürfte die Unterstützungszone 6.885/840 ein interessantes Ziel sein.
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Oben ist das Feld offen. Der Dailchart zeigt jedoch den Ichimoku in einem überkauften Umfeld. Der lange Docht der letzten Stundenkerze spricht jedoch dafür, dass aktuell die Bullen die Oberhand haben.
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Kurzer Blick auf ausgewählte Daten der Vorwoche
Ein Vorbote einer steigenden Inflation könnten die Großhandelspreise sein. Sie stiegen im März um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Eurozoneninflation legte nach 1,9 Prozent im Februar im März auf 2,6 Prozent zu.
In den USA sind die Erzeugerpreise um vier Prozent gestiegen, was jedoch deutlich unter den Befürchtungen lag. Die US-Verkäufe bestehender Häuser blieben mit 3,98 Millionen deutlich unter den Erwartungen (4,07 Millionen). Sehr stark fiel der NY Empire State Herstellungsindex aus (11,0 Punkte).
Deutlich unter den Erwartungen blieben im März die chinesischen Exporte, die im Vergleich zum Vorjahr nur um 2,5 Prozent stiegen. Gleichzeitig stiegen die Importe um 27,8 Prozent, wodurch der Handelsbilanzüberschuss auf ein Viertel im Vergleich zum Vormonat sank. Andere Wirtschaftsdaten übertrafen die Prognosen der Analysten. Das BIP stieg binnen 12 Monaten um fünf Prozent, die Industrieproduktion um 5,7 Prozent. Andererseits liegt die Arbeitslosenquote in China bei relativ hohen 5,4 Prozent, während die Einzelhandelsumsätze um enttäuschende 1,7 Prozent zulegte.
Das britische BIP stieg im Februar um ein Prozent, obwohl die Produktion im verarbeitenden Gewerbe schrumpfte.
Blick auf die Charts
Schlechter Indikator hin oder her, Gold bleibt in seiner Seitwärtsrange zwischen 4.730 und 4.885 Dollar.
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Auch Silber handelt nach einem erfolglosen bullishen Ausbruchsversuch weiter seitwärts.
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Bitcoins finden bei 73.740 Unterstützung. Bisher erreichten die Bullen jedoch keinen nachhaltigen Ausbruch. Weiterer Support ist bei 70.300, Widerstand bei 76.260/78.410 zu finden.
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EUR/USD wurde in der Nacht bei 1,1735 unterstützt. Damit bleibt das Währungspaar in einer Seitwärtsrange. Ob sich daraus eine Topformation bildet, ist noch nicht beantwortet. Ein Ausbruch über 1,1825 war am Freitag nicht nachhaltig.
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Ausblick
Morgen stehen die Einzelhandelsumsätze aus den USA im Wirtschaftskalender. Am Mittwoch veröffentlichen die britischen Statistiker die Inflationsdaten, während am Freitag die Einzelhandelsumsätze folgen. Zum Wochenende meldet das ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex für Deutschland.
Aktuelle Lage: Inzwischen verdichten sich Hinweise, dass der Iran nun doch an Verhandlungen in Islamabad teilnehmen möchte. Die Situation bleibt volatil. Dafür scheint JD Vance doch noch nicht auf dem Weg nach Islamabad zu sein. Die Lage bleibt unübersichtlich.
Der Börsenbericht ist nicht als Handelsempfehlung zu verstehen.
Titelbild: KI-inspiriert
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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