Inflationsangst steigt an der Börse
Die geopolitische Lage hat sich in der vergangenen Woche nicht verändert. Zur Inflationsangst an der Börse trägt nicht nur der Ölpreis bei.
Stillstand am Persischen Golf
Der Krieg am Golf pausiert weitgehend. Der Waffenstillstand wird aktuell von beiden Seiten weitgehend eingehalten. Für die Menschen in der Region ist die Lage zunächst erfreulich. Die Unsicherheit über die Zukunft dürfte sie jedoch weiterhin belasten. Auch an der Börse bleiben wohl die Optimisten in der Minderheit.
Der Ölpreis stieg im Vergleich zum letzten Montag um fast zehn Prozent und befeuert damit die Inflationsangst. Brent nähert sich langsam wieder dem Widerstand bei 115 US-Dollar. Charttechnisch bewegt sich der Kurs übergeordnet seitwärts, allerdings auf hohem Niveau.

Nicht die einzige Sorge an der Börse
Der hohe Ölpreis dürfte das Wachstum der Wirtschaft verlangsamen. Viele Wirtschaftsforscher haben ihre Prognosen entsprechend gesenkt. Die Inflationsangst wird jedoch noch von einem zweiten Aspekt befeuert. Die andauernde Sperrung der Straße von Hormus sorgt dafür, dass dringend benötigte Düngemittel nicht an die Bauern ausgeliefert werden können.
Steigende Preise von landwirtschaftlichen Produkten sind die Folge. Betroffen sind zunächst afrikanische Staaten. Langsam erreicht das Problem jedoch auch Europa und andere Regionen. Der Preis für Weizen stieg seit Anfang März um 20 Prozent. Sollte die Situation im Mittleren Osten anhalten, dürfte sich diese Entwicklung beschleunigen.

Deeskalation nicht in Sicht
Zudem dürfte eine Drohung des US-Präsidenten gegen den Iran die Sorgen vergrößern. Offenbar neigt sich die Geduld von Donald Trump dem Ende zu. Zumindest drohte er dem runderneuerten Mullah-Regime mit neuen Angriffen. Ein Besuch des Präsidenten beim chinesischen Machthaber Xi Jinping brachte keinen neuen Impuls für einen baldigen Frieden.
Dass es eine Lösung für die Straße von Hormus gibt, ist ebenfalls nicht wahrscheinlich. Zwar sprach sich auch Xi für freie Seewege aus, aber China wird sich wohl weiterhin aus dem Konflikt heraushalten. So werden die Preise wohl auf hohem Niveau verharren oder sogar weiter steigen.
Globale Rezession könnte drohen
Die Inflation verringert den Spielraum der Notenbanken erheblich. Investoren halten sich aktuell nicht nur in Europa zurück. Auch in China lief es konjunkturell schon einmal besser. Niedrige Zinsen könnten das Investitionsklima verbessern. Leider sind die Hände der Notenbanken aufgrund der steigenden Preise gebunden.
Die Anleger an der Börse gehen offenbar sogar von steigenden Zinsen aus. Die Zehn-Jahres-Anleihe aus den USA stieg über 4,6 Prozent.

Auch bei der deutschen Anleihe vollzogen die Händler einen Abverkauf. Der Staat muss für seine Schulden inzwischen fast 3,2 Prozent per anno aufbringen. Die Tendenz ist ebenfalls steigend.

Diese Renditen schlagen auf die Geldmarktzinsen durch, was letztlich zu schlechteren Investitionsbedingungen führt. Die ohnehin schwachen Rahmenbedingungen dürften Deutschland und wahrscheinlich auch die EU in eine tiefe Rezession führen. Gegenmaßnahmen von der Bundesregierung sind bisher nicht erkennbar. Die angekündigten Reformen erwiesen sich bisher als Kürzungsorgie, die den nötigen Impuls für unser Land nicht auslöst.
Interessanter Blick auf Ryanair
Das irische Unternehmen schaut nicht sehr zuversichtlich auf das aktuelle Geschäftsjahr und dürfte damit exemplarisch für die Airlines stehen. Zwar hat die Fluggesellschaft 80 Prozent der Treibstoffkosten abgesichert, das restliche Fünftel drückt jedoch auf das Betriebsergebnis. Es blieb um sechs Prozent unter den Prognosen der Analysten. Zusätzliche Umweltauflagen und steigende Personalkosten sorgen zusätzlich für höhere Kosten. Seit dem Ende des vergangenen Jahres hat die Aktie bereits ein Drittel ihres Wertes verloren.

Rückblick
Blicken wir wie immer auf die Daten der Vorwoche.
Relativ optimistisch zeigten sich die institutionellen Anleger in Deutschland. Zwar sind die meisten laut dem ZEW-Konjunkturerwartungen weiterhin skeptisch (–10,2 Punkte), aber im Vergleich zum Vormonat (–17,2) ließ sich eine Aufhellung der Stimmung feststellen. Als Gründe nannten die Anleger die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen und Mittleren Osten sowie positive Auswirkungen der Reformbemühungen der Bundesregierung. Im Augenblick scheinen die Händler an der Börse optimistischer als die schwarz-rote Koalition zu sein. Noch stärker nahm die Zuversicht in der Eurozone zu. Für die Versteigerung einer 30 Jahre laufenden Anleihe musste die Bundesrepublik Deutschland 3,62 Prozent Rendite bieten (zuletzt 3,57 %). Dies zeigt, dass die Anleger nicht mit einer schnellen Zinswende rechnen.
Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone betrug im ersten Quartal magere 0,1 Prozent. Die Industrieproduktion stieg im März um 0,2 Prozent. Dies war viel zu wenig, um das Jahresminus von –2,1 Prozent zu dämpfen. Immerhin stieg die Beschäftigung im ersten Quartal leicht.
Deutlich stieg die Inflation in den USA (3,8 Prozent). Die Kernrate bleibt mit 2,8 Prozent moderat. Trotzdem lässt sich an den Zahlen erkennen, dass die Teuerung nicht nur auf die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise beschränkt bleibt. Nach –0,9 Prozent im März sank das Realeinkommen der US-Amerikaner im April um weitere 0,2 Prozent. Der Erzeugerpreisindex stieg binnen eines Jahres sogar um sechs Prozent. Viel Zuversicht sendet der NY-Empire-State-Herstellungsindex aus (19,6 Punkte). Auch die Industrieproduktion präsentiert sich stark.
Die britischen Wirtschaftsdaten fielen gemischt aus. Das BIP stieg im ersten Quartal nach vorläufigen Zahlen gegenüber dem Vorjahr um 1,1, im März um 0,3 Prozent. Auch die Produktion im verarbeitenden Gewerbe präsentierte sich robust. Anders sieht es bei den Unternehmensinvestitionen aus. Hier hatten Analysten mehr erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr meldeten die Statistiker –1,8 Prozent.
In China bleibt die Inflation mit 1,2 Prozent moderat. Dies könnte sich jedoch bald ändern, denn die Erzeugerpreise explodierten im April förmlich. Nach 0,5 Prozent im März stiegen sie um 2,8 Prozent. Die heutigen Wirtschaftsdaten bestätigen eine Verlangsamung der Konjunktur. Besonders auffällig sind die zurückgehenden Investitionen.
Nicht wirklich erfreulich entwickeln sich die Ausgaben in den japanischen privaten Haushalten. Sie sanken im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent.
Unsicherheit überwiegt an der Börse
Obwohl kaum belastbare Fakten existieren, bleiben viele Anleger an der Börse zuversichtlich. Dies zeigt sich auch im DAX, der sich heute nach einer anfänglichen Zurückhaltung deutlich erholt. Trotzdem bleibt der deutsche Leitindex in einem Abwärtstrend. Bullisch könnte sein, dass die Unterstützung bei 23.700 weiterhin hält. Oben ist bei 24.500 Widerstand zu erkennen.

Der S&P 500 stabilisiert sich heute nach der Enttäuschung über den ergebnislosen Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump in China wieder. Der Ichimoku des Stundencharts ist zwar noch bearish, könnte aber in den kommenden Stunden oder Tagen wieder drehen. Support sehe ich bei 7.220 Punkten.

EUR/USD durchbrach die Unterstützung bei 1,1660. Sollte der aktuelle Erholungsversuch scheitern, sind weitere Verluste erwartbar. Fundamental lässt sich dies mit den steigenden Zinsen und der im Vergleich zu Europa höheren Inflation rechtfertigen. Zudem präsentiert sich die US-Wirtschaft stärker als jene in der Eurozone.

Die Dollar-Stärke setzte den Goldpreis unter Druck. Die Unterstützung bei 4.500 US-Dollar hielt jedoch bisher.

Ebenfalls unter dem stärkeren US-Dollar leidet der Bitcoin.

Fazit
Die Risiken überwiegen aktuell an der Börse. Trotzdem agieren die Händler eher nach dem Motto: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Zumindest in den USA lassen sich in den Daten entsprechende Argumente finden. Panik ist also unangebracht. Alle Crash-Propheten müssen sich weiter gedulden, aber damit haben sie ja in den vergangenen 20 Jahren viel Erfahrung gesammelt.
Mein Börsenbericht ist nicht als Handelsempfehlung zu verstehen.
Alle Recherchen und Texte habe ich erstellt.
Das Titelbild hat ChatGPT beigesteuert.
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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