Rekordjagd an den Börsen: gute Daten kontra gefühlte Krise
Trotz einer bedrückenden Stimmung in vielen Märkten setzen die Anleger die Rekordjagd an den Börsen fort. Dies hat unterschiedliche Gründe. Manchmal haben sogar schlechte Nachrichten gute Seiten.
Sinkende Sorgen über die Lage im Nahen und Mittleren Osten
Die vergangene Börsenwoche war insbesondere Montag und Dienstag von einer bemerkenswerten Rekordjagd geprägt. Händler reagierten damit auf die Hoffnung, dass die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr eröffnet wird. Laut Angaben aus der iranischen Hauptstadt Teheran einigte sich das Land mit dem Oman über eine sichere Schiffsroute durch die Meerenge. Zudem bestätigte US-Präsident Donald Trump Verhandlungen über dieses Problem. Damit sank der Ölpreis, was zu weniger Sorgen über eine möglicherweise lang anhaltend hohe Inflation führt.
Brent Crude Oil startete daraufhin am Montag rund 6,50 US$ günstiger als am Handelsschluss des vorherigen Freitags. Charttechnisch war dies ein deutliches Signal, denn der Kurs etablierte sich unter der Unterstützung bei 84,70. Ein Bruch der 80,50/80,00 war hingegen nicht nachhaltig. Aktuell hat der Tenkan (blau) aus dem Ichimoku den Kijun (orange) wieder nach unten gekreuzt, sodass sich die Entspannung am Ölmarkt fortsetzen könnte.

Auch der Dailychart legt nahe, dass ein Test der 72,50 realistisch ist. Bedingung für solche Kursziele ist jedoch, dass die Lage um den Persischen Golf nicht wieder eskaliert. Die Rekordjagd an den Börsen könnte also weitergehen.

Umfeld für Investitionen könnte freundlicher werden
Der sinkende Ölpreis wirkt sich positiv auf die Wirtschaft aus. Fallende Energiepreise sorgen für mehr Kosteneffizienz in der Produktion und im Transportgewerbe. Dies wirklich auf die Inflation dämpfend aus. Nachdem die Fed in der vorherigen Woche noch Signale für eine mögliche Zinserhöhung gesendet hatte, nahmen diese Sorgen deutlich ab.
Neben der Hoffnung auf eine sinkende Inflation könnte der schwache US-Arbeitsmarkt den Anlegern in die Hände spielen. Die von mir im Juni vermutete Arbeitsmarktkrise in den USA deutet sich bereits an. Schon längere Zeit baut die Industrie keine neuen Stellen auf. Zudem fiel im Juli der Sondereffekt der Fußballweltmeisterschaft weg. Die Regierung baute daher 53.000 Arbeitsplätze ab. Der einzige Wachstumssektor bleibt damit das Dienstleistungsgewerbe, das vergleichsweise niedrige Löhne zahlt.
Da die Fed auch für die Gesundheit des Arbeitsmarktes verantwortlich ist, dürften hier Spielräume für eine mögliche Zinssenkung im Spätherbst entstehen. Nachdem ich in der vergangenen Woche von dieser These abkam, scheint sie nun wieder an Wahrscheinlichkeit zuzulegen.
Marktzinsen tendenziell stützend für die Rekordjagd an den Börsen
Eine Sicherheit für mögliche Zinssenkungen existiert bei den Marktteilnehmern offenbar nicht, denn die Marktzinsen verhalten sich recht volatil. Es ist zwar ein Abwärtstrend erkennbar, dieser bleibt jedoch aktuell marginal.

Andererseits sehen die Händler an den Aktienmärkten die Zukunft optimistischer, denn der S&P 500 wurde am Freitag vom Arbeitsmarkt gestützt. Der Index verteidigte das Niveau in der Nähe des am Mittwoch erreichen. Rekordhochs. Bei 7.690 Punkten dürfte sich eine Unterstützung gebildet haben.

Der Dow Jones erreichte zwar auch ein Rekordhoch, verlor danach jedoch an Dynamik. Auch hier stützte der US-Arbeitsmarktbericht den Kurs, aber es entstand kein neuer Impuls.

Hoffnung auf bessere Investitionsbedingungen kontra Realität
Ob der Optimismus der Märkte realistisch ist, muss sich erst zeigen. Wer sich den Arbeitsmarktbericht detailliert anschaut, erkennt hier wenig Optimistisches. Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft sank demnach um 23.000 Stellen. Dass die Arbeitslosenquote trotzdem von 4,2 auf 4,1 Prozent sank, lag in erster Linie an einer geringeren Beteiligungsquote. Sie sank um 0,1 Punkte auf 61,4 Prozent. Dies bedeutet, dass mehr Menschen für sich keine Chance auf einen Job erkennen. Die Beteiligungsquote ist so niedrig wie seit September 2020 nicht mehr. Damals handelte es sich um eine extreme Anomalie in der Coronazeit. Vor dieser Krise müssen wir bis ins Jahr 1976 zurückblicken, um eine so schwache Beteiligungsquote zu sehen.
Besonders stark ist die Erwerbslosigkeit unter jungen und nicht-weißen Menschen verbreitet. Immerhin sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen leicht. Erschreckend ist, dass allein die Kommunen 50 000 Arbeitsplätze im Bildungswesen abgebaut haben.
Hinzukommen 19.400 Jobs im Einzelhandel. Dies zeigt die Krise im Konsum. Diese dürfe sich weiter ausweiten, denn die Durchschnittslöhne steigen im Vergleich zum Vormonat nur um 0,1 Prozent. Damit sanken die Reallöhne. Eine geringere Nachfrage dürfte die Verbraucherpreise weniger steigen, aber möglicherweise den Kostendruck auf die Unternehmen weiter steigern. Das liest sich wie ein Krisenbericht aus Deutschland? Nein, dieses Problem haben wir in Deutschland nicht exklusiv. Es ist ein globales Phänomen, unter dem die deutsche Wirtschaft als Exportmacht besonders leidet.
Die Wirtschaft geht mit den Krisen pragmatisch um
Pessimismus hält sich zumindest in einigen Teilen der Wirtschaft in Grenzen. Viele Unternehmen haben ihre Prozesse effektiviert. Dies kostet zwar Arbeitsplätze, lässt die Gewinne jedoch weiterhin sprudeln. Deshalb ist es auch kein Widerspruch, dass sich die Verbraucherstimmung im Keller befindet, die Einzelhandelsumsätze deutlich unter den Steigerungen der Inflation bleiben und die Arbeitslosigkeit steigt. Die Unternehmensgewinne sprudeln weiterhin. Sie sind die Basis für die Rekordjagd an den Börsen.
So rückte Amazon den elitären Klub der Unternehmen auf, die mehr als drei Billionen Dollar wert sind. Hauptauslöser war das starke Cloud-Geschäft der Sparte AWS. Atlassian und Palantir präsentierten hervorragende Quartalsergebnisse. Nur Apple fiel ab. Das Unternehmen hängt stark vom Massenmarkt ab und enttäuscht mit der Umsatzprognose. Die Berichtssaison zeigt, dass die KI-Branche die Erwartungen überwiegend erfüllt und sogar übertrifft. Im Vergleich zur Dotcom-Blase investieren die Anleger bei der KI-Branche in eine vorhandene Substanz. KI ist kein neues Luftschloss. Sicherlich wird es in Zukunft zu einer Marktübersättigung kommen. Damit werden Kurskorrekturen einhergehen. Die von einigen Pessimisten beschriebene Blase lässt sich anhand von Fakten nicht dokumentieren.
Europa in der Krise?
Ein Blick auf den DAX zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Natürlich stehen die Länder der EU vor großen Herausforderungen. Die Wirtschaft präsentiert sich jedoch als bemerkenswert robust. Deutschland meldete gerade seine neueste Handelsbilanz. Wenn man das Krisengerede verfolgt, möchte man kaum glauben, dass die Wirtschaft gerade den erfolgreichsten Exportmonat aller Zeiten feierte. Ja, davon profitieren nur wenige, aber genau um diese Personen dreht sich die Börse.
Auch die Energiewende wird in der Wirtschaft nicht so schlecht gesehen, wie öffentlich behauptet wird. So konnte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gerade bei der Salzgitter AG feiern. Der Konzern investiert 2,7 Milliarden Euro in ein neues wasserstoffbasiertes Stahlwerk. Auch die Auftragseingänge der deutschen Industrie zeigen, dass das Krisengerede übertrieben ist. Sie stiegen im Juni um 3,1 Prozent. Die Einkaufsmanagerindizes zeigen im verarbeitenden Gewerbe Wachstum, im Dienstleistungssektor ist hingegen noch Luft nach oben.
Schlechte Verbraucherstimmung
Europas Situation verhält sich nicht anders als die im Rest der Welt. Die Einzelhandelsumsätze zeigen, dass viele Verbraucher beim Geldausgeben vorsichtig geworden sind. Einerseits sind immer mehr Menschen von Arbeitslosigkeit bedroht. Ein weiterer Faktor ist die permanente Erzählung, dass Deutschland praktisch einen Schritt vor dem Abgrund steht. Die Fakten: Unser Land ist immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft.
Richtig ist jedoch, dass auch hier die Kluft zwischen Kapitaleignern und Arbeitenden immer größer wird. Dies ist eine Entwicklung, der Unternehmen mit Rationalisierung eine Weile begegnen können. Langfristig könnte diese Entwicklung jedoch problematisch werden. Ohne Konsum werden viele Geschäftsmodelle überflüssig. Eine gesellschaftliche Bilanz zwischen Kapitaleignern und Arbeitenden ist also wünschenswert. Große Vermögen allein sorgen für keinen Wohlstand einer Gesellschaft.
DAX auf Rekordniveau
Die Anleger verbuchten für das zweite Quartal eine der historisch erfolgreichsten Berichtssaisons. Auf dieser Grundlage ist auch der Rekord im DAX berechtigt. Am Mittwoch und Freitag sprang er über die Marke von 26.400 Punkten. Dass sich hier ein Doppeltop bildet, lässt sich aktuell nicht erkennen. Zuletzt diente der Kijun bei einem leichten Rücksetzer im Stundenchart als Unterstützung. Dies sieht eher nach einem bullishen Bild aus. Den ersten Supportbereich würde ich bei 26.100 Punkten sehen. Darunter unterstützen 25.915 und 25.580 Punkte.

Schwäche im koreanischen Tech-Segment
Dass man nicht alles kaufen sollte, das KI beinhaltet, zeigte die Börse in Südkorea. Samsung und SK Hynix gerieten unter einen Verkaufsdruck, der die Aktien um mehr als acht Prozent verbilligte. Andererseits legte die Aktie von Alibaba zu. Die in China aktuell sehr schwachen Einzelhandelsumsätze waren dafür nicht verantwortlich. Vielmehr hat das Unternehmen eine KI vorgestellt, die US-amerikanischen Lösungen teilweise überlegen ist. Diese Geschichte zeigt, dass Anleger die KI-Unternehmen vor einer Investition genau prüfen sollten. Nicht für jede Aktie wird die Rekordjagd an den Börsen nachhaltig sein.
Sorgen bereitete den Analysten zuletzt die extreme Schwäche des Yen. Die Inflation ist niedrig, weshalb die Bank of Japan voraussichtlich die Zinsen nicht anheben wird. Notenbanken haben jedoch noch andere Optionen, und so sorgte eine gemeinsame Intervention der Fed und der Bank of Japan für eine deutliche Korrektur des USD/JPY.

Eine schwache Währung unterstützt zwar die Exporte, birgt jedoch auch Risiken. Rohstoffarmen Ländern wie Japan droht bei einer zu billigen Währung eine Kostenexplosion. Dies gilt auch für Deutschland, das auf eine gute Balance des Euro angewiesen ist. EUR/USD erholte sich von seinem Tief bei 1,1325. Nach dem Sprung über die 1,1475 zeigt sich das Majorpaar im Stundenchart bullish. Spannend wird es im Bereich 1,1585/660. Schaffen es die Bullen darüber, könnte die Gemeinschaftswährung bis 1,1840 steigen. Ich bin jedoch skeptisch, denn auch der EZB dürften die Argumente für eine Zinserhöhung ausgehen. Die sinkenden Ölpreise sprechen für eine Normalisierung der Inflation.

Ein Blick auf weitere Charts
Bemerkenswert ist der Kursgewinn von Gold. Mit den klassischen Gründen lässt sich die Entwicklung nicht erklären. Weder sichere Häfen noch eine Inflationsabsicherung dürften in den Überlegungen der Händler eine Rolle spielen. Gold und in noch größerem Maße Silber sind als optimale Leiter im Bau von Schaltkreisen für die KI unverzichtbar. Da die Sorgen um eine Blase im KI-Sektor bisher unbegründet scheinen, zieht die Nachfrage folgerichtig wieder an.
Gold bildete bei 3.960 einen Boden und ist mit dem Überwinden der 4.220 wieder bullish. An der 4.372-Dollar-Marke fand es einen markanten Widerstand. Ein Bruch könnte Gold bis auf 4.640 Dollar führen.

Silber steht vor dem Überwinden des Widerstands bei 63,55 Dollar, was ebenfalls bullish zu werden ist. Ein erstes Kursziel könnte im Bereich 69,25/71,80 liegen.

Kupferpreis könnte problematisch werden
Das rote Metall markierte mit knapp 6,86 US-Dollar ein neues Rekordhoch. Kupfer gilt als preiswerte Alternative, die auch im KI-Sektor eine wichtige Rolle spielt. Die zusätzliche Nachfrage kann kurz- und mittelfristig nicht durch neue Minen gedeckt werden, sodass das knappe Angebot zu steigenden Preisen führt. Dies könnte für andere Branchen zum Problem werden.

Die dringendste Aufgabe in der deutschen Energiewende ist der Ausbau der Netzinfrastruktur. Bei einem steigenden Kupferpreis wird das ambitionierte Ziel noch teurer. Wer übrigens glaubt, dass es dazu eine Alternative gibt, schaue auf die Atomkraftwerke an der Donau oder in Frankreich. Da auch Gas und Öl ökonomisch ziemlich unzuverlässige Energiequellen sind, bleibt nur die Konzentration auf Erneuerbare.
Uns allen muss klar sein, dass dies einen hohen Preis hat, der sich erst in einigen Jahren rentieren wird. Generell gilt, dass Wind und Sonne keine Rechnung stellen, aber die Leitungen von den Windparks zum Verbraucher müssen wir erst einmal finanzieren.
Ausblick
Die Termine in der kommenden Woche sind überschaubar. Die Zinsentscheidung der Reserve Bank of Australia wird wohl keine Überraschung bringen. Analysten erwarten, dass die Notenbank am Dienstag den Leitzins bei 4,35 Prozent belässt. Ebenfalls an diesem Tag stehen die Verkäufe der Neubauten in den USA im Wirtschaftskalender.
Keine Überraschungen sind am Mittwoch vom Verbraucherpreisindex für Deutschland zu erwarten. Die endgültigen Zahlen weichen meist nicht viel von der Vorabveröffentlichung von vor zehn Tagen ab. Anders ist dies am Nachmittag beim Verbraucherpreisindex in den USA. Analysten erwarten einen Rückgang der Teuerung von 3,5 auf 3,4 Prozent.
Der Erzeugerpreisindex bietet am Donnerstag einen weiteren Blick auf das Inflationsgeschehen der USA. Zudem erscheint eine umfangreiche Datensammlung zur Wirtschaft in Großbritannien.
Am Freitag stehen der Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum der Eurozone im Fokus. Die USA verabschieden sich mit den Einzelhandelsumsätzen und der von der Universität Michigan ermittelten Konsumstimmung ins Wochenende.
Einige Unternehmensberichte werden ebenfalls veröffentlicht, darunter Tencent, Cisco, e.on, Hannover Rück (Mittwoch) und RWE (Donnerstag). Die Hauptberichtssaison ist also schon vorüber. Sie lief erneut bemerkenswert gut.
Anmerkung: Dieser Bericht dient nur der Information. Er ist nicht als Handelsempfehlung gedacht. Investitionen an der Börse sind einem hohen Risiko ausgesetzt, das zu einem Totalverlust führen kann.
Titelbild: NASA
Der Artikel wurde von mir recherchiert und geschrieben. KI nutze ich, um mir einen Themenüberblick zu verschaffen und um meine Texte am Schluss auf sachliche Richtigkeit zu überprüfen. Die KI fand einen Zahlendreher, den ich daraufhin berichtigen konnte. KI nutze ich nicht zum Verfassen von Texten. Faktenchecks werden durch mich noch einmal gegengecheckt. Ich kann so absichern, dass der Text faktisch korrekt ist. Lieber Leser, vielleicht hat der Text trotz der Nutzung eines Korrekturprogramms zwei, drei Rechtschreibfehler, dafür ist er jedoch authentisch. In diesem Text steht nicht, was eine KI denkt, sondern mein Wissen. Ich würde mich freuen, wenn Du die damit verbundene Mühe schätzt.
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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