Gemischtes Bild an den Börsen
Konjunkturell steckt die Weltwirtschaft die Krisen bisher besser weg als befürchtet. Dies erklärt die Stabilisierung der Kurse an den Börsen, nachdem die Fed am Mittwoch für Mitnahmeeffekte sorgte.
Wohin steuert die Fed?
Die Federal Reserve beließ den Leitzins unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Dies entsprach den Erwartungen der Anleger. Trotzdem reagierten die Börsen mit kurzfristigem Druck, denn immerhin drei Mitglieder des Open-Market-Ausschusses votierten für eine Zinserhöhung. Angesichts der zuletzt wieder gestiegenen Inflation ist die Verunsicherung bei den Investoren hoch. Wie ich bereits in der vergangenen Woche vermutet habe, dürfte in den USA eine Zinssenkung noch in diesem Jahr unwahrscheinlich geworden sein.
Ebenfalls in der vergangenen Woche entschied die Bank of Japan über ihren Leitzins und ließ ihn bei einem Prozent verharren. Angesichts der robusten Konjunktur in Japan wunderte es die Anleger an den Börsen nicht, dass die Währungshüter in diesem Jahr weitere Zinserhöhungen für wahrscheinlich halten. Auch die EZB wird wohl ihre Geldpolitik nicht zeitnah lockern. Die Inflation zog deutlich an und die Konjunktur zeigte uns in dieser Woche, dass Totgesagte länger leben.
Zwar dominieren die Krisen weiterhin die Schlagzeilen, aber viele Unternehmen gehen mit den Herausforderungen pragmatisch um. Dass die Politik Auswege findet, ist aktuell eher unwahrscheinlich. Insbesondere die westlichen Staaten haben sich inzwischen derart verschuldet, dass sie kaum noch einen Spielraum für neue Impulse haben. Tiefgreifende strukturelle Reformen scheitern an der Finanzierbarkeit und am fehlenden Willen der Politik, liebgewonnene Wohltaten des Staates zu beschneiden. Angesichts der hohen Ausgaben für Kriege oder die Verteidigung dürfte der Spielraum in den Staatshaushalten weiter sinken.
Starke Zahlen von den Tech-Giganten stützen die Börsen in New York
Mit Spannung schauen die Anleger aktuell auf die Quartalszahlen der Tech-Unternehmen. Sie fielen gemischt aus, zeigten jedoch keine Anzeichen für deutliche Schwäche. Die Angst vor einer deutlichen Überbewertung der KI-Unternehmen scheint bisher unbegründet zu sein. Meine bisherige Einschätzung, dass in Zukunft bei Technologiewerten ein genauer Blick auf die Einzelwerte lohnt, bestätigte sich. So konnte Microsoft von einem starken Cloud-Geschäft profitieren. Es legte um 43 Prozent zu und bescherte dem Konzern den größten Marktkapitalisierungssprung einer Aktie, der jemals registriert wurde.
Auch Amazon überzeugte die Anleger, insbesondere dank eines starken AWS-Wachstums. Apple enttäuschte dagegen mit seinem unabitionierten Ausblick und wurde von den Anlegern abgestraft. Die Aktie brach danach um bis zu 7,4 Prozent ein. Auch Meta überzeugte die Anleger an den Börsen nicht. Das Unternehmen enttäuschte beim Gewinn, wobei dies weniger am operativen Geschäft lag. Die Mutter von Facebook, Instagram und WhatsApp tätigte hohe Investitionen, die sich im Betriebsergebnis niederschlugen.
Bremsspuren in der US-Konjunktur
Schwerer als die Tech-Branche hat es weiterhin die traditionelle Industrie. Die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter stiegen nur um 0,6 Prozent und blieben damit unter den Erwartungen der Analysten (0,9 %). Zugegebenermaßen ist dies Meckern auf hohem Niveau, zumal wir vom Vormonat ein Plus von 1,8 Prozent verzeichneten.
Interessant ist, dass der Redbook-Index (Wachstum der Einzelhandelsriesen) im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent zulegte, während gleichzeitig das CB-Verbrauchervertrauen auf 90,8 Punkte sank und damit weiterhin auf einem niedrigen Niveau verharrte. Die Verbraucher bleiben mehrheitlich skeptisch. Im Widerspruch dazu stieg jedoch die von der Uni Michigan ermittelte Konsumstimmung deutlich an. Gleichzeitig sanken die Inflationserwartungen.
Der PCE-Kernrate-Preisindex stieg im Juni um 3,3 Prozent zum Vorjahr, 0,1 Prozent weniger als im Vormonat. Die Inflation bleibt damit auf einem hohen Niveau, was sich negativ auf die persönlichen Ausgaben auswirkt. Es wundert dann auch nicht, dass das BIP mit einem Plus von 1,5 Prozent deutlich unter den Erwartungen blieb. Insgesamt zeigen die Zahlen, dass Zinserhöhungen nicht zwangsläufig kommen müssen. Die Fed wird weiterhin einen Spagat zwischen der immer noch hohen Inflation und einer Schwäche in der Old Economy vollziehen müssen.
Volatile Börsen
Der S&P 500 hat sich über die Woche gesehen kaum verändert. Dazwischen lag jedoch am Mittwoch ein kurzer Einbruch. Davon abgesehen schob sich der Index in einer Range zwischen 7.375 und 7.515 Punkten seitwärts.

Im Dailychart bleibt der Index über der Wolke, was bullish zu werten ist. Zudem ist die aufsteigende Kerze am Donnerstag länger, wodurch ein bullisher Umkehrstab entstand. Nur der blaue Tenkan kreuzte den Kijun (orange) nach unten. Insgesamt dürfte der Trend eher bullish sein. (Anmerkung: Dies ist mein persönlicher Eindruck. Er ist wie immer nicht als Anlageempfehlung zu verstehen.)

China holt bei der KI auf
Ein Teil der Anleger an den Börsen sieht zunehmend die Wachstumsaussicht für KI-Unternehmen skeptisch. Der Dailychart des Nasdaq 100 zeigt dies schön. Zwar könnte der Index am Donnerstag eine Umkehr geschafft haben, aber vorerst bleibt der Index im Abwärtstrend gefangen. Ein wichtiger Widerstand könnte bei 29.500 Punkten liegen. Dort gibt es eine starke Kijun-Linie, die darüber entscheiden könnte, wie sich der Tech-Bereich weiterentwickeln könnte.

Fakt ist, dass die chinesische Chip-Industrie immer mehr Marktanteile gewinnt. Gerade führte CXMT ein spektakuläres Börsendebüt in Shanghai vor. Die Aktie gewann am ersten Tag bis zu 531 Prozent! Auch die Chip-Industrie Südkoreas ist für die US-Giganten eine Gefahr. Hervorragende Exportzahlen wiesen Samsung und SK Hynix aus. Der Kospi legte am Freitag knapp 18 Prozent zu.

In Australien ging die Inflation im zweiten Quartal leicht auf 3,9 Prozent zurück (Vormonat 4,1 %). Eine Entwarnung ist hier nicht gerechtfertigt. In Japan bleibt die Inflation mit 1,3 Prozent moderat. Robust präsentiert sich weiterhin die Industrieproduktion, die im Juni um 1,3 Prozent stieg. Enttäuschend fielen dagegen die Einzelhandelsumsätze aus.
Chinas Wirtschaft bleibt in einer angespannten Lage. Die Einkaufsmanagerindizes fielen relativ deutlich unter die Expansionsmarke 50. Chinas Wirtschaft ist also in der Krise, was sich auch auf den dortigen Markt auswirkt. Für Unternehmen, die insbesondere auf den Export nach China setzen, ist dies keine gute Nachricht.
Zaghafter Wachstum in Europa
Licht am Ende des Tunnels erblicken die Anleger in Europa. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg in Deutschland um 0,9 auf 86,6 Punkte. Dies war der dritte Anstieg in Folge, allerdings auf einem sehr bescheidenen Niveau. Alle Teilindizes legten zu.
Interessant waren zudem die Zahlen von Mercedes-Benz. Zwar brach das EBIT um 26 Prozent ein, aber insgesamt wies das Unternehmen positive Zahlen aus. Ein großer Teil der Verluste entstand durch Investitionen, die nach Angaben der Geschäftsführung bereits positive Auswirkungen zeigen. Hinzu kam ein massiver Einbruch beim Absatz von Fahrzeugen in China. Immerhin konnte Mercedes-Benz einen Teil durch mehr Verkäufe in Europa und den USA kompensieren. Sehr stark stieg der Verkauf von Elektroautos (+51 Prozent).
Inflation zieht wieder an
Der deutsche Importpreisindex stieg im Juni um 6,1 Prozent und damit etwas weniger stark als im Vormonat. Ein Grund dürften die hohen Rohstoffpreise sein, die wohl auch in den kommenden Monaten auf die Wirtschaftlichkeit wirken könnten. Die Inflation stieg im Juli von 2,3 auf 2,8 Prozent. Die weitere Entwicklung hängt nicht zuletzt von der Lage im Nahen und Mittleren Osten ab. Eine Prognose ist schwierig, die Situation ändert sich beinahe stündlich. Die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden ist aktuell leider gering.
Stark präsentierte sich das BIP der Eurozone, das im zweiten Quartal um 0,4 Prozent stieg. Auf das Jahr gerechnet ergibt sich sogar ein Plus von einem Prozent. Auch die Wirtschaftsstimmung hellte sich in der Eurozone auf, bleibt jedoch übergeordnet niedrig.
Der DAX konnte den Widerstand bei 25.580 Punkten überwinden. Später diente die Markte als Unterstützung. So konnte der deutsche Leitindex mit einem Plus aus der Handelsbörse gehen.

Dieses Mal war es ein Vorteil, dass im DAX kaum Tech-Unternehmen vertreten sind. Der Einbruch von Infineon war nur kurzfristig und selbst Mercedes-Benz stützte in dieser Woche den deutschen Leitindex. Im Dailychart hat der Tenkan (blau) den Kijun nach oben gekreuzt. Damit sind charttechnisch in der kommenden Woche neue Rekorde denkbar.

Bodenbildung im EUR/USD
Die Fed-Entscheidung haben die Marktteilnehmer an den Börsen locker weggesteckt. So schaffte EUR/USD, die Bodenbildung zu vollenden. Das Paar dürfte davon profitiert haben, dass die Inflation in der Eurozone wieder anzieht. Der Sprung über die 1,1475 war aus meiner Sicht bullish.

Der Dailychart zeigt, dass sich bei einem Sprung über die Wolke bei 1.1550/60 ein Aufwärtstrend etablieren könnte.

Auf einem hohen Niveau verharrt Rohöl. Brent markiert bei gut 80 US-Dollar einen Boden und orientiert sich seither wieder nach oben. Inzwischen kostet ein Barrel wieder über 90 Dollar und der Ichimoku ist weiterhin bullish. Der nächste Widerstand dürfte um 93,30/95,50 liegen.

Edelmetall volatil im Seitwärtstrend
Gold präsentiert sich weiterhin sehr volatil. Übergeordnet schiebt das gelbe Metall seitwärts. Einerseits dürfte das Edelmetall als Inflationssicherung eine Rolle spielen, andererseits hadern wahrscheinlich nicht wenige Anleger mit dem aktuell sehr hohen Preis.

Dieser hat sich deutlich von seinem Hoch entfernt. Trotzdem steht immer noch ein Plus von gut 25 Prozent für das letzte Jahr. Möglicherweise bleibt Gold erst einmal sehr volatil. Bullish wird es übergeordnet erst über der Wolke bei 4.400 Dollar. Allerdings zeigen die anderen Teilindikatoren, dass das gelbe Metall vor einer Bodenbildung stehen könnte. Noch würde ich darauf jedoch nicht wetten.

Der Bitcoin hat die Korrektur noch nicht beendet. Bisher hat der Doppelboden bei 57.800 Dollar gehalten, aber der Kurs konnte nicht über den Widerstand bei 67.130 ausbrechen. Solange dies so bleibt, könnte die Kryptowährung die Korrektur fortsetzen.

Im Wochenchart zeigt der Ichimoku die 49.000 als mögliches Ziel. Schaut man sich die bisherigen Zyklen von Bitcoin an, könnte die Korrektur in ihrer Endphase liegen (auch dies ist wie alles keine Handelsempfehlung).

US-Arbeitsmarkt und Berichtssaison in Europa bewegen die Börsen in der kommenden Woche
Aus makroökonomischer Sicht sind die US-Arbeitsmarktdaten das Highlight der kommenden Woche. Die Non-Farm-Payrolls erscheinen am Freitag. Zuletzt zeichnete sich insbesondere in der Industrie eine Schwäche ab. Arbeitsplätze in diesem Bereich verschwinden nicht nur in Deutschland. Zudem erscheinen in allen großen Märkten die Einkaufsmanagerindizes. Am Montag gibt es die Zahlen für das verarbeitende Gewerbe, am Mittwoch für den Dienstleistungssektor.
Am Montag werden zudem die Einzelhandelsumsätze aus Deutschland gemeldet. Die Handelsbilanz, der Offene-Stellen-Report und die Auftragseingänge in den USA dürften die Börsen am Dienstag interessieren. Ein Blick auf die ADP-Arbeitsmarktdaten lohnt sich am Mittwoch, während der Freitag mit der deutschen Handelsbilanz und der Industrieproduktion schon vor den US-Arbeitsmarktdaten interessante Zahlen verspricht.
Zudem veröffentlichen einige Unternehmen ihre Quartalszahlen, darunter Berkshire Hathaway, Palantir (Montag), Toyota, SpaceX, AMD, Caterpillar, HSBC, Merck & Co. (Dienstag), Novo Nordisk, Eli Lilly, Walt Disney, Shopify, Uber, Infineon (Mittwoch), Siemens, SoftBank, Deutsche Telekom, Zurich, Rheinmetall (Donnerstag), Allianz, Münchener Rück und Daimler Truck (Freitag). Die Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt der Termine der kommenden Woche.
Daneben bleiben die globalen Unsicherheiten aktiv. Eine Lösung für die Straße von Hormuz ist ebenso nicht erkennbar wie am Horn von Afrika und an der Zufahrt zum Suezkanal. Allerdings sind die Risiken wahrscheinlich weitgehend eingepreist. Dass Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung ausweichen, ist in vielen Lieferketten etabliert.
Dieser Artikel wurde ohne KI erstellt.
Das Titelbild stammt von Alexey K. auf Pexels
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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