Stimmungswandel an der Börse
Nach der Zinsentscheidung der Fed herrscht an der Börse Katerstimmung. Zudem zeigen die US-Konjunkturdaten erste negative Auswirkungen von Donald Trumps Zollpolitik.
Zinssenkung im September?
Die Ausführungen von Fed-Chairman Jerome Powell während der Pressekonferenz gaben am Mittwoch keinen Hinweis auf eine bevorstehende Zinssenkung. Der Notenbankchef bekräftigte, dass die Federal Reserve alles unternehmen werde, um die Inflation stabil zu halten. Die Zölle könnten zumindest kurzfristig eine Gefahr für die Preisstabilität darstellen, meinte Powell. Der Notenbankchef ließ sich jedoch alle Optionen offen, sodass eine Zinssenkung nicht unmöglich ist.
Dazu tragen auch Faktoren bei, die an der Börse am Montag heiß diskutiert werden dürften. Das Fed-Vorstandsmitglied Adriana Kugler tritt von ihrem Posten zurück. Sie macht am 8. August Platz für einen Nachfolger, den US-Präsident Donald Trump vorschlagen darf. Kugler gehörte zum Open-Market-Ausschuss und entschied über die Geldpolitik mit. Der Grund ihres Rücktritts ist unbekannt.
Schwacher US-Arbeitsmarkt verunsichert die Händler an der Börse
Obwohl die Erwartungen der Marktteilnehmer ohnehin nicht hoch waren, enttäuschen die US-Arbeitsmarktdaten. Mit nur 73.000 neu geschaffenen Stellen wurden die Prognosen um 33.000 verfehlt. Mit einer besonderen Besorgnis blickten die Händler an der Börse auf die Industriejobs, die um 11.000 Stellen schrumpften.
Dies muss jedoch nicht zwangsläufig auf eine schwächelnde Wirtschaft hindeuten, denn häufig können die Unternehmen freigewordene Stellen nicht sofort adäquat besetzen. Problematisch ist in diesem Zusammenhang die Abschiebung von gut integrierten Ausländern. In den vergangenen drei Monaten verlor die US-Industrie 33.000 Arbeitskräfte. Dies schlägt sich natürlich auch in den Unternehmensbilanzen nieder.
Zollchaos vorprogrammiert
US-Präsident Donald Trump hat inzwischen die Zölle für gut 120 Länder festgelegt. Sie traten jedoch nicht am Freitag in Kraft. Stattdessen soll die Abgabe nun ab 8. August in die klamme US-Staatskasse fließen. Die neuerliche Verschiebung ist für die Unternehmen kein erfreuliches Signal. Sie hätten gern Klarheit, um planen zu können.
Experten glauben, dass die Zollverwaltung vor einer schier unlösbaren Herausforderung steht, denn sie muss die unterschiedlich hohen Zölle erheben. Am höchsten wird übrigens Brasilien „bestraft“, weil das Land nach dem Geschmack von Donald Trump mit dem Ex-Präsidenten Javier Bolsonaro unfair umgeht. Die Unternehmen des südamerikanischen Landes werden mit einem Strafzoll in Höhe von 50 Prozent belegt. Die Erpressung eines Landes mit Zöllen verstößt gegen die Regeln der WTO.
Schock an der Schweizer Börse wahrscheinlich
Die Schweizer Unternehmer konnten sich am Nationalfeiertag nicht freuen. Ihre Produkte werden 39 Prozent teurer. Verhandler aus der Eidgenossenschaft betonen, dass sie weiterhin mit der Trump-Administration im Gespräch sind. Dass sie bis zum 7. August eine Lösung finden, halten sie jedoch für unwahrscheinlich. Grund für die Zölle sei ein „riesiges Defizit“ von 40 Milliarden US-Dollar, ließ Trump ausrichten.
Wer sich die Berichterstattung aus der Schweiz anschaut, sieht ein Dilemma für das Land. Die Eidgenossenschaft sucht nach einem Deal, der sowohl dem Schweizer als auch dem internationalen Recht entspricht. Damit wird das Land voraussichtlich keinen Erfolg haben. Vor der Welthandelsorganisation dürfte keiner der von Trump gelobten Deals Bestand haben. Die US-Regierung hat den regelbasierten globalen Handel zerstört. Das Problem: Die USA haben die Macht, Regeln einseitig zu brechen. Die Märkte sehen sich plötzlich damit konfrontiert, dass Trump in wenigen Wochen alles zerstört hat, das in den vergangenen 30 Jahren vielen Menschen Wohlstand brachte.
Da die Schweiz am Freitag ihren Nationalfeiertag beging, wird die Börse in Zürich erst am Montag auf die schlechten Nachrichten reagieren. Wahrscheinlich ist der Bruch der 11.800. Ein erstes Ziel ist die 11.470. Läuft es sehr schlecht, könnte sich der SMI Richtung Jahrestief bei 10.700 Punkten bewegen.

Realismus an der Börse in Frankfurt
Der Zolldeal zwischen den USA und der EU spielt immer noch eine große Rolle an der Börse in Frankfurt. Zwar sickerte jeden Tag etwas mehr über die Vereinbarung durch, aber die Händler bewegt besonders, was bisher nicht bekannt ist. So bleiben die Zölle von 50 Prozent auf Aluminium und Stahl bestehen, aber es soll Kontingente geben, die davon ausgenommen werden sollen.
Ferner bleibt offen, wie hoch die Einfuhrgebühren für Pharmaka sein werden. Händler fragen sich zudem, wie die USA der EU innerhalb von drei Jahren Rohstoffe zur Energiegewinnung im Wert von 750 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen wollen. Nach Ansicht von Analysten verfügen die Vereinigten Staaten über keine derartigen Kapazitäten. Der Aufbau der Förderanlagen dürfte mehr als ein Jahrzehnt dauern. Beobachter vermuten, dass Trump zu Hause eine große Zahl präsentieren wollte. Dies hofft offenbar die EU-Kommission auch von der erzwungenen Zusage, 600 Milliarden Euro in den USA zu investieren. Was passiert jedoch, wenn Trump es ernst meinte und sich keine privaten Investoren finden? Die Börse tut das in unsicheren Zeiten Übliche. Der DAX durchbrach die wichtige Unterstützung bei 23.590 Punkten.
Viele Fragen zum Zolldeal bleiben bisher unbeantwortet
Der Zolldeal zwischen den USA und der EU spielt immer noch eine große Rolle an der Börse in Frankfurt. Zwar sickerte jeden Tag etwas mehr über die Vereinbarung durch, aber die Händler bewegt besonders, was bisher nicht bekannt ist. So bleiben die Zölle von 50 Prozent auf Aluminium und Stahl bestehen, aber es soll Kontingente geben, die davon ausgenommen werden sollen.
Ferner bleibt offen, wie hoch die Einfuhrgebühren für Pharmaka sein werden. Händler fragen sich zudem, wie die USA der EU innerhalb von drei Jahren Rohstoffe zur Energiegewinnung im Wert von 750 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen wollen. Nach Ansicht von Analysten verfügen die Vereinigten Staaten über keine derartigen Kapazitäten. Der Aufbau der Förderanlagen dürfte mehr als ein Jahrzehnt dauern.
Beobachter vermuten, dass Trump zu Hause eine große Zahl präsentieren wollte. Dies hofft offenbar die EU-Kommission auch von der erzwungenen Zusage, 600 Milliarden Euro in den USA zu investieren. Was passiert jedoch, wenn Trump es ernst meinte und sich keine privaten Investoren finden? Die Börse tut das in unsicheren Zeiten Übliche. Der DAX durchbrach die wichtige Unterstützung bei 23.590 Punkten.

Der Support bei 23.350 Punkten hielt zwar bisher, ein Bruch ist jedoch denkbar. Dann rückt die 23.000er-Marke in den Fokus, was einen Bruch der dicken Unterstützungswolke im Dailychart zur Folge haben könnte. Der Ichimoku ist auch in diesem übergeordneten Chartbild nicht mehr bullish. Aktuell ist er neutral zu bewerten. Eine Sommerrallye ist weit und breit nicht in Sicht.

Besorgnis an der Wall Street
Die Börsen in New York kamen erst am Freitag unter Druck. Dazu trug nicht nur der schwache Arbeitsmarkt bei. Den Händlern fiel ein, dass die Auswirkungen der Zölle Trumps keinen Bogen um die USA machen werden. Viele Zulieferteile und Rohstoffe werden deutlich teurer, was die Konkurrenzfähigkeit der US-Unternehmen verschlechtern dürfte. Der S&P 500 fiel auf den wichtigen Support bei 6.220 Punkten.

Spannend wird es bei 6.150 Punkten, dem ehemaligen Allzeithoch vom 19. Februar 2025. Der Ichimoku sieht im Dailychart relativ freundlich aus. Er war deutlich überkauft, sodass die Korrektur noch nicht kritisch ist. Im Gegensatz zum DAX liegt der Kurs noch deutlich über der Ichimoku-Wolke. Wirklich bearish wird es wohl erst um 5.970. An dieser Marke würde der Kurs am 25. August aus der Wolke treten. Aktuell ist ein übergeordnet bearisches Szenario nicht zu sehen. Allerdings hat der Kurs den Kijun nach unten gebrochen, womit man nicht mehr von einem bullishen Szenario sprechen kann.

Trump feuert Statistik-Chefin
Wer schlechte Nachrichten, wie die US-Arbeitsmarktdaten, verkündet, hat in den USA keinen sicheren Job mehr. US-Präsident Donald Trump feuerte die Chefin des Bureau of Labor Statistics, das für die Non Farm Payrolls verantwortlich ist. Was bezweckt Trump damit? Wenn die Märkte beginnen, die Daten anzuzweifeln, dürfte dies das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort USA weiter beschädigen.
Das spürt man auch am US-Dollar. EUR/USD fand bei 1,1390 einen Boden und erholte sich deutlich. Vermutlich werden die USA das Vertrauen an der Börse nicht schnell zurückgewinnen. Zudem dürfte der Druck auf die Fed weiter steigen, die Zinsen zu senken. Die Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank dürften zunehmen. Nach dem Sprung über die 1,1565 findet der Euro bei 1,1645 den nächsten Widerstand. Der Euro profitiert vom Vertrauensverlust, obwohl die Eurozone ebenfalls in der Krise steckt.

Blick auf die Daten
Überraschend stark präsentierte sich im Juni die japanische Industrie. Die Produktion stieg um 1,7 Prozent. In Australien überzeugten die Einzelhandelsumsätze. Dagegen blieben die Einkaufsmanagerindizes in China unter den Erwartungen.
Die Arbeitsmarktdaten aus Deutschland wurden in den Nachrichten teilweise ebenfalls schlecht bewertet. Dies dürfte die Börse unbeeindruckt gelassen haben. Zwar stieg die Zahl der Arbeitslosen um 2.000, dies lag jedoch unter den Befürchtungen. Die Inflation lag im Juni in der größten Volkswirtschaft unverändert bei zwei Prozent. Analysten gingen von 1,9 Prozent aus. Eine schlechte Stimmung herrscht beim verarbeitenden Gewerbe. Der Einkaufsmanagerindex fiel in der endgültigen Fassung mit 49,1 Punkten noch etwas schlechter als in der Vorabschätzung aus. Das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone blieb mit 49,8 Punkten knapp unter der Wachstumsschwelle 50.
Der PCE-Kernrate-Preisindex stieg in den USA um 2,8 Prozent. Dies zeigt, dass die Inflation in der weltweit größten Volkswirtschaft weiterhin zu hoch ist und die Fed Gründe hat, die Zinsen nicht zu senken. Auch in den USA machen sich die Manager des verarbeitenden Gewerbes mehrheitlich Sorgen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex fiel von 49 auf 48 Punkte und damit noch stärker als vom Markt befürchtet. Alle Einzelkomponenten bleiben unter den Prognosen. Auch die Konsumerwartungen der Uni Michigan fielen enttäuschend aus.
Gold profitiert von der Unsicherheit
Von der gestiegenen Unsicherheit an der Börse profitiert Gold, das einen Boden gebildet hat und nun die Marke von 3.375 US-Dollar anpeilt.

Bitcoins haben sich an der Börse als Risikoanlage etabliert und so geht es aktuell für die Kryptowährungen nach unten. Beim Bruch der Unterstützung bei 111.974 Dollar würde der Bitcoin unter sein altes Allzeithoch und kurz darauf im Dailychart unter die Wolke fallen. Dies könnte ein Wiedersehen mit der 99.300 begünstigen. Am Sonntag vollzog die Kryptowährung eine Gegenbewegung, die möglicherweise einen bullishen Umkehrstab produziert. Eine Prognose ist daher schwer.

Blick in den Wirtschaftskalender
Großbritannien und Kanada haben feiertagsbedingt ein langes Wochenende. Berkshire Hathaway meldet am Montag Quartalszahlen.
08:30 Verbraucherpreisindex Schweiz10:30 Sentix Konjunkturindex Eurozone
16:00 Auftragseingänge USA
Am Dienstag stehen die Einkaufsmanagerindizes für das Dienstleistungsgewerbe im Fokus. Quartalsberichte veröffentlichen voraussichtlich: die OTP Bank, AMD, Caterpillar, Amgen, Arista Networks und Pfizer.
02:30 Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen Japan03:45 Caixin Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen China
09:55 Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen Deutschland
10:00 Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen Eurozone
10:30 Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen Großbritannien
14:30 Handelsbilanz USA, Kanada
16:00 ISM-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen USA
Die Auftragseingänge der deutschen Industrie stehen am Mittwoch im Fokus. Zudem verarbeitet die Börse die Bilanzen von Gedeon Richter, Magyar Telekom, McDonald’s, Novo Nordisk, Walt Disney, Uber, Shopify, Applovin und DoorDash.
00:45 Arbeitsmarktdaten Neuseeland08:00 Auftragseingänge der Industrie Deutschland
11:00 Einzelhandelsumsätze Eurozone
16:30 Rohöl-Lagerbestände USA
Wie stark beeinträchtigen die US-Zölle die chinesische Handelsbilanz? Diese Frage wird die Statistikbehörde in Peking am Donnerstag beantworten. Auch Deutschland meldet die Handelsbilanz. Außerdem steht hier die Industrieproduktion im Fokus. Die Bank of England entscheidet über ihre Geldpolitik. Die Börse rechnet mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte auf vier Prozent. Toyota, Ricoh, Eli Lilly, CEZ as, Siemens, die Deutsche Telekom, Sony, die Allianz, Gilead, ConocoPhillips und die SoftBank Group melden ihre Bilanzen.
03:30 Handelsbilanz, Baugenehmigungen Australien05:00 Handelsbilanz China
08:00 Handelsbilanz, Industrieproduktion Deutschland
13:00 Zinsentscheidung der Bank of England
15:15 Pressekonferenz mit BoE-Gouverneur Andrew Bailey
16:00 Ivey-Einkaufsmanagerindex Kanada
Am Freitag müssen die Händler an der Börse kaum Daten verarbeiten.
09:00 SECO Konsumklima Schweiz14:30 Arbeitsmarktdaten Kanada
China meldet am Samstag um 9 Uhr die Inflationsdaten.
Dieser Börsenbericht dient ausschließlich der Information und stellt keine Handelsempfehlung dar. Der Handel an der Börse kann zu finanziellen Verlusten führen.
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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