Börse: Krieg im Iran als Gamechanger?

Krieg im Iran - Börse

Seit dem Samstagmorgen greifen die USA und Israel das Mullah-Regime in Teheran an. Wirklich überraschend kommt der Krieg im Iran nicht. Kommt jetzt der von einigen Marktbeobachtern seit Jahren herbeigeschriebene Crash?

Nur der Termin war unbekannt

Überraschend war der Angriff nicht. Die USA zogen um den Iran zahlreiche militärische Kapazitäten zusammen. Dass sie nicht ohne einen Einsatz abziehen würden, musste man befürchten. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis wir Rauch über Teheran aufsteigen sehen würden. Laut dem US-Außenminister Rubio war es Israel, das den USA den Krieg letztlich aufdrängte. Die Regierung unter Benjamin Netanjahu soll gedroht haben, sonst allein in den Krieg zu ziehen.

Da die USA in einem solchen Fall mit Angriffen auf ihre Basen rechnen mussten, entschied sich die Regierung, selbst anzugreifen. Die Angriffe auf die Basen gab es. Der Iran griff zudem zivile Einrichtungen in den Golfstaaten und in Saudi-Arabien an. Zudem werden Schiffe in der Straße von Hormuz beschossen. Der Iran meldet die Schließung dieses Nadelöhrs, die USA dementieren. Wenn ich Kapitän auf einem der dort operierenden Schiffe wäre, würde ich die Meerenge wohl meiden. Auch die Maßnahmen des Iran kamen nicht überraschend. Das Land hatte damit gedroht und in der Vergangenheit demonstriert, dass es über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt.

Der Krieg im Iran lässt den Ölpreis steigen

Dass der Ölpreis steigt, überrascht nicht. Rund ein Viertel des weltweiten Rohölbedarfs stammt aus der Golfregion. Die Straße von Hormuz fungiert als Flaschenhals zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Bemerkenswert ist, dass die USA offenbar die Probleme der Schifffahrt billigend in Kauf nehmen. Derzeit sehe ich jedenfalls keine Anzeichen, die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman zu schützen.

Der Ölpreis stieg gestern aus meiner Sicht erstaunlich moderat, legt jedoch heute weiter zu. Gegen Mittag erreichte die US-Sorte WTI einen Preis von 77 US-Dollar, zehn Dollar mehr als am Freitag.

Rohöl (WTI) – Stundenchart

Der Stundenchart zeigt, dass der Kurs nach Ichimoku auch in der volatilen Phase am gestrigen Nachmittag immer im bullishen Bereich blieb. Heute kam dann der nächste Impuls.

Wie stark steigt der Rohölpreis durch den Krieg im Iran?

Auch wenn Europa und die USA kaum Erdöl und -gas aus der Golfregion beziehen, wirken sich die Ereignisse im Iran auf den Rohölpreis aus. Der Iran und andere Staaten aus der Region versorgen beispielsweise China mit den energetischen Rohstoffen. Das Land muss sich nun Alternativen auf dem Weltmarkt suchen, was zu einer Verknappung des Angebotes führen könnte.

Die OPEC+ möchte dem entgegenwirken und kündigte ab April eine leichte Erhöhung der Fördermengen an. Ob dadurch der Preis für das schwarze Gold wieder auf das Niveau von vor dem Krieg im Iran sinkt, bleibt abzuwarten. Einige Analysten gehen aktuell davon aus, dass der Preis bis auf 100 US-Dollar steigen könnte. 

Aus meiner Sicht, wird dies davon abhängen, wie sich die Ereignisse weiterentwickeln. Der Iran attackierte beispielsweise bereits Ölfelder in Saudi-Arabien. Angriffe auf die iranische Öl-Infrastruktur gab es offensichtlich bisher nicht. Attacken auf beiden Seiten könnten die Nervosität der Marktteilnehmer anheizen. Der Dailychart zeigt um 80 US-Dollar einen Widerstand.

Rohöl (WTI) – Dailychart

Sollte der Krieg sich hinziehen und die USA keine Lösung für eine sichere Passage der Straße von Hormuz finden, könnte der Preis weiter steigen. Der Ichimoku lässt für WTI ein Ziel von 96 bis 100 Dollar realistisch erscheinen.

Rohöl (WTI) – Wochenchart

Goldpreis zieht nur kurz an

Als erste Reaktion zogen die Preise der Edelmetalle an. Die Flucht in die sicheren Häfen endete jedoch schnell. Inzwischen handelt Gold wieder auf dem Niveau vom Freitag. 

Gold – Stundenchart

Der Dailychart zeigt jedoch, dass der überkaufte Status inzwischen im Gold abgebaut wurde, sodass neue Preisrekorde nicht unmöglich sind. Um 5.000 Dollar signalisiert der Ichimoku eine Unterstützung, die als Sprungbrett dienen könnte. Aus fundamentaler Sicht könnte die Dauer des Konflikts eine wichtige Rolle spielen. Der Kursverlauf richtet sich wahrscheinlich nach der Beeinträchtigung der globalen Wirtschaft. Die Dollarstärke könnte die Bullen bremsen.

Gold – Dailychart

Anleger gehen in Deckung

Verluste mussten die Aktienmärkte hinnehmen. Die unklare Situation für die Versorgung mit wichtigen Energieträgern lässt die Anleger zunächst auf weitere Investitionen verzichten. Auch wenn der Kursverlauf im S&P 500 im Stundenchart recht deutlich aussieht, muss man von einer moderaten Entwicklung sprechen. Wirklich Panik ist im Markt aktuell nicht zu entdecken. Der S&P 500 testet die 6.750. Ein Bruch könnte ein neues bärisches Signal auslösen, denn an dieser Marke verlief der Boden der Kurskorrektur von Anfang Februar. 

S&P 500 – Stundenchart

Das Ziel könnte bei 6.530 Punkten liegen. Dies wäre übergeordnet immer noch jenseits von panischen Reaktionen.

S&P 500 – Dailychart

Abwärtsbewegung im DAX ist dynamischer

Der DAX verliert deutlicher, obwohl Wirtschaftsministerin Katherina Reiche darauf hinweist, dass die Öl- und Gasversorgung in Deutschland sicher sei. Dies ist zutreffend, aber trotzdem müssen die Unternehmen ihre Rohstoffe zum Weltmarktpreis kaufen. Am stärksten betroffen sind die energieintensiven Industrien, von denen Deutschland immer noch eine Menge besitzt.

DAX – Stundenchart

So wirkt sich die Unsicherheit durch den Krieg im Iran auf den deutschen Leitindex gravierender aus als auf die Wall Street. Ein mögliches Ziel für die Bären könnte bei  22.900 Punkten liegen.

DAX – Dailychart

Schwacher Euro dürfte der Wirtschaft eher schaden

Ein schwacher Eurokurs wird gemeinhin positiv gesehen, weil er die Exportchancen verbessert. Der Krieg im Iran fördert jedoch ein anderes Szenario zutage. Die ohnehin steigenden Rohstoffpreise werden durch den ungünstigen EUR/USD noch teurer. Dies dürfte die Unternehmen in der Eurozone je nach Dauer des militärischen Konflikts erheblich belasten. EUR/USD befindet sich aktuell im freien Fall.

EURUSD – Stundenchart

Sollte der Krieg im Iran länger andauern, könnte bei einem Bruch der Unterstützung bei 1,1575 die 1,1450/390 das Ziel sein.

EUR/USD – Dailychart

Bitcoin halbiert seinen Wert

Die Kryptowährung unternahm in den vergangenen Monaten den Versuch, sich um 84.000 US-Dollar zu stabilisieren. Anfang Februar erfolgte eine neue Verkaufswelle auf 60.000 US-Dollar. Damit hat sich der Wert des Bitcoin innerhalb von fünf Monaten halbiert. Ob das Ende der Korrektur schon erreicht ist, lässt sich schwer beantworten. 

Der Bitcoin gilt als riskante Anlage und profitiert von Krisen nicht. Immerhin hat die Kryptowährung seit Samstag nicht weiter verloren.

Bitcoin – Dailychart

Fazit

Den Krieg im Iran kann man sicherlich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Ein Untergang der Weltwirtschaft wird voraussichtlich nicht eintreten.

An dieser Stelle möchte ich mein Mitgefühl mit allen unschuldig in diese Auseinandersetzung Hineingezogenen zum Ausdruck bringen. Krieg ist immer grausam und sollte deshalb immer das letzte Mittel sein. Ob dies auf diesen Konflikt zutrifft, darf jeder für sich beurteilen. Dies ist nicht die Aufgabe eines Artikels über das Börsengeschehen.

Meine Börsenberichte dienen der Information und sind nicht als Anlageempfehlung zu verstehen.

Text und Analysen: Lars Hoffmann

Titelbild: KI-generiert

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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