Börse: Abwartende Märkte wahrscheinlich
Der Wirtschaftskalender der kommenden Woche erscheint recht übersichtlich, sodass wir voraussichtlich abwartende Märkte erleben könnten. Viele Anleger werden sich vor dem Start der US-Berichtssaison mit Investitionen zurückhalten. Ferner könnte die Geldpolitik eine Rolle an der Börse spielen.
Geldpolitik im Fokus
Am kommenden Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank Fed das Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung des FOMC. Damals erhöhten die Währungshüter den Leitzins um 25 Prozentpunkte. Wahrscheinlich ist, dass der Open-Market-Ausschuss einen weiteren Zinsschritt plant. Somit wäre es überraschend, wenn das Protokoll einen anderen Eindruck vermitteln würde.
Aus meiner Sicht gingen von Fed-Chairman Kevin Warsh klare Signale in Richtung Bekämpfung der weiterhin sehr hohen Inflation aus. Ein wenig Entspannung kam in dieser Beziehung von den Non-Farm-Payrolls, die am Freitag veröffentlicht wurden. Neben den Problemen bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen überraschte der geringe Lohnzuwachs, der zu einer weiteren Kaufzurückhaltung der Verbraucher führen könnte.
Kein Aufwind für das Verbrauchervertrauen
Ein Lohnzuwachs von nur 0,1 Prozent im September bedeutet, dass die Einkommen der Arbeitnehmer deutlich unter der Inflation bleiben. Das Jahreseinkommen stieg laut dem Bureau of Labor Statistics um 3 Prozent (nach 3,1 % im August). Diese Entwicklung dürfte die Inflation dämpfen. Die Unternehmen stehen damit vor einem Dilemma. Sie können wahrscheinlich bald die steigenden Kosten für Energie und Zölle nicht mehr an die Verbraucher weitergeben. Bisher sind die Manager zwar noch recht optimistisch, wie die Einkaufsmanagerindizes zeigten. Diese Zuversicht bekam jedoch zuletzt Risse.
Am Arbeitsmarkt zeigt sich dies in nur 29.000 neu geschaffenen Stellen. Erwartet wurde die dreifache Anzahl. Die Zahlen des Vormonats mussten nach unten korrigiert werden (von 162.000 auf 133.000). Es hat den Anschein, als ob die trotzdem relativ guten Daten aus dem Vormonat eine Ausnahme waren. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich verhalten, die Arbeitslosenquote stieg von 4,1 auf 4,2 Prozent.
Konjunkturelle Unsicherheiten sichtbar
Die Zahlen zum Arbeitsmarkt sehen auf den ersten Blick relativ schwach aus. Wer sich die einzelnen Sektoren anschaut, nimmt aktuell jedoch wenig krisenhafte Erscheinungen wahr. In den meisten Branchen blieb die Beschäftigung nahezu unverändert, nur der Gesundheitssektor baute sein Stellenangebot etwas aus.
Die Stagnation des Arbeitsmarktes dürfte zwei Ursachen haben. Zum einen kämpft die US-Wirtschaft mit einem beachtlichen Fachkräftemangel. Andererseits scheinen Unternehmen neue Stellenangebote aufzuschieben. Steigende Zinsen dürften zudem für Zurückhaltung bei den Investitionen führen. Bisher bleiben die Unternehmer jedoch zuversichtlich, wie der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zeigte. Er sank zwar leicht um 0,1 Punkte, zeigte jedoch in den wichtigsten Teilindizes Zuversicht. Ein Problem sahen die Manager in Lieferengpässen.
Abwartende Märkte vor dem Start der Berichtssaison
Es gibt also einige Risiken für die US‑Konjunktur. Viele Anleger werden daher auf die Mitte Oktober beginnende Berichtssaison warten. Solange könnten wir abwartende Märkte erleben. Dabei könnte die Volatilität hoch bleiben. Aus der Politik gab es zuletzt keine neuen Impulse. Neben der geschlossenen Straße von Hormus sorgen die Huthi-Rebellen im Jemen dafür, dass die Energiepreise hoch bleiben.
Der Blick auf die Daten der vergangenen Woche bestätigt, dass die aktuelle Situation auf dem US-Arbeitsmarkt den Konsum belastet. Das CB-Verbrauchervertrauen sank um 6,7 auf 81,9 Punkte. Der Arbeitsmarkt wird enger, wie die offenen Stellen im JOLTS-Report zeigen. 7,079 Millionen offene Stellen bedeuten den vierten Rückgang in Folge. Setzt man diese Zahl mit den 5,8 Millionen Erwerbslosen ins Verhältnis, bleibt der Arbeitsmarkt jedoch gesund.
Ermutigende Zeichen
In den USA gibt es jedoch auch einige ermutigende Zeichen. Das BIP stieg im zweiten Quartal um 2,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Zudem blieb der PCE-Kernrate-Preisindex mit 3,0 Prozent unter den Befürchtungen (3,3 %). Die persönlichen Ausgaben stiegen im August um 0,9 Prozent. Negativ könnte sich für die Zukunft auswirken, dass die Einkommen nur um 0,2 Prozent stiegen. Bemerkenswert stark präsentierte sich zudem der Chicago-Einkaufsmanagerindex (58,8 Punkte).
Der S&P 500 bestätigt die abwartenden Märkte. Er schob sich in der vergangenen Woche in der Range zwischen 7.610 und 7.760 Punkten seitwärts, wobei die US-Arbeitsmarktdaten erfreut aufgenommen werden. Die Bullen bewegten den Index an den Widerstand.

Ob daraus ein Ausbruch wird, bleibt abzuwarten. Bei 7.814 Punkten wartet bereits das Allzeithoch.

Stützend wirkte am Freitag der sinkende Zins für zehnjährige US‑Staatsanleihen. Sieht man die Non-Farm-Payrolls im Kontext des JOLTS-Reportes, dürfte die Fed weiterhin von einem robusten Arbeitsmarkt ausgehen. Daher könnte die Zinshoffnung des Marktes verfrüht sein. Auch das nach oben revidierte BIP für das zweite Quartal bestätigt die Fed eher, die Inflation entschlossen zu bekämpfen.

Der Devisenmarkt scheint die Gefahr zu sehen. Eine Erholung von EUR/USD war am Freitag nur marginal wahrzunehmen. Das Paar fiel inzwischen unter die 1,1310 und bleibt bearish.

Europa: Hohe Inflation und schlechte Stimmung in der Industrie
Während sich in den USA die Wirtschaft weiterhin robust zeigt, bleiben die Unternehmer in Europa skeptisch. Die zeigten die Daten der Europäischen Kommission zur Wirtschaftsstimmung. Die Zuversicht im Industriesektor stieg zwar leicht, blieb jedoch mit –3,8 Punkten auf einem niedrigen Niveau. Unverändert schwach bleibt das Verbrauchervertrauen (–16,5 Punkte). Ferner stiegen die Inflationserwartungen.
Aufgrund dieser Zahlen wundert es nicht, dass die deutschen Einzelhandelsumsätze im August unter den Erwartungen blieben. Dafür legte der Importpreisindex deutlich zu und deutet an, dass die Inflation ein akutes Problem bleiben wird. Der Jubel über die etwas geringeren Arbeitslosenzahlen (wieder unter drei Millionen) relativiert sich beim Blick auf die saisonbereinigten Daten: 3,012 Millionen (+16.000). Die Inflation stieg in Deutschland von 2,9 auf 3,3 Prozent. Noch stärker war der Anstieg der Teuerung in der Eurozone: von 3,2 auf 3,8 Prozent. Haupttreiber bleibt die Energie.
Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe gab in Deutschland um 0,4 auf 53,9 Punkte nach. In der Eurozone gab es mit 52,9 Punkten ein Plus von 0,2 Zählern. Das sieht wahrscheinlich besser aus, als es ist. Die Daten der Europäischen Kommission zeigen, dass die Stimmung wohl schlechter ist.
Der DAX tauchte daher nicht zu Unrecht unter die 25.200-Punkte-Unterstützung. Am Freitag gelang es ihm, diese wichtige Marke zurückzuerobern. Ob diese Gegenbewegung nachhaltig war, muss sich in der kommenden Woche beweisen. Auch wenn der Ichimoku bullish aus der Woche geht, bin ich hier wenig zuversichtlich.

Der Dailychart ist nach Ichimoku bearish. Allerdings hat sich am Freitag ein bullisher Umkehrstab entwickelt. Den großen Abverkauf erwarte ich aktuell nicht. Ich rechne mit abwartenden Märkten, die aufgrund der aktuellen Lage das Risiko scheuen. Ein Test der 24.600 würde mich nicht wundern.

Rohöl auf hohem Niveau
Aktuell dürfte den DAX auch der schwache Euro stützen. Dies könnte sich jedoch ins Gegenteil umkehren, wenn der Rohölpreis weiterhin auf einem stabil hohen Niveau verharrt. Zuletzt baute die deutsche Industrie ihre Exporte innerhalb der EU aus, während sie nach China schrumpften. Damit sinkt der Vorteil eines schwachen Euro für die Ausfuhren, während er zum Handicap bei der Einfuhr von Rohstoffen wird. Wer angesichts der aktuellen Lage weiterhin auf fossile Rohstoffe setzt, muss im Wachkoma liegen.
Rohöl präsentierte sich in einem abwartenden Markt. Die Lage an der Straße von Hormus und am Zugang zum Suezkanal blieb unverändert. Aktuell pendelt der Preis für die Nordseesorte Brent zwischen 95,40 und 103,70 Dollar. Tendenz: seitwärts.

Blick nach Asien
Japan scheint langsam ebenfalls in eine konjunkturelle Schwächephase zu schlittern. Nach 0,2 Prozent im Juli schrumpfte die Industrieproduktion im August um 1,7 Prozent. Analysten gingen von einem Plus von 1,4 Prozent aus. Gleichzeitig sanken die Umsätze der großen Einzelhändler. In China lagen die Einkaufsmanagerindizes über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Wirtschaft wächst demnach moderat. Die Nachrichtenlage aus der Volksrepublik war in dieser Woche dünn, weil die Menschen dort seit Mittwoch anlässlich ihres Nationalfeiertags eine „Goldene Woche“ feiern.
Keine Trendumkehr bei Gold
Eine hohe Inflation gilt gemeinhin als Kaufargument für Gold. Angesichts der hohen Zinsen funktioniert diese Regel jedoch nicht. Der Preis des gelben Metalls konnte sich zwar stabilisieren, aber eine Trendumkehr bedeutet dies nicht. Aktuell sieht es eher danach aus, als ob eine weitere Abwärtsbewegung folgt.

Das Ziel könnte knapp unter 4.000 Dollar liegen. Nachhaltig bullish wird es wohl erst über 4.500 Dollar.

Der Bitcoin verteidigte seine Gewinne aus der Vorwoche, ohne den Widerstand bei 87.350 Dollar zu überwinden. Übergeordnet sieht das Chartbild bullish aus. Tenkan (blau) und Kijun (orange) laufen im Dailychart relativ breit seitwärts, weshalb der Impuls für weitere Gewinne ausbleiben könnte. Unter 82.625 dürfte bei 75.900 Unterstützung warten.

Ausblick
Neben dem Sitzungsprotokoll der Fed gibt es in der kommenden Woche weitere interessante Termine:
Montag
China: Feiertag00:00 Australien: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
02:30 Japan: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
09:55 Deutschland: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
10:00 Eurozone: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
10:30 Großbritannien: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
11:00 Eurozone: Erzeugerpreisindex
16:00 USA: ISM-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen
Dienstag
China: Feiertag01:30 Australien: Westpac-Konsumklima
02:30 Australien: ANZ-Stellenangebote
08:00 Deutschland: Auftragseingänge Industrie
11:00 Eurozone: Einzelhandelsumsätze
14:30 USA: Handelsbilanz
14:30 Kanada: Handelsbilanz
16:00 Kanada: Ivey-Einkaufsmanagerindex
Porsche: Kapitalmarkttag
Mittwoch
20:00 USA: FOMC-SitzungsprotokollBerichtssaison: Industrivarden AB
Donnertag
08:00 Deutschland: Handelsbilanz13:30 Eurozone: Sitzungsprotokoll der EZB
Berichtssaison: PepsiCo
Freitag
01:30 Japan: Privatausgaben14:30 Kanada: Arbeitsmarktdaten
16:00 USA: Konsumstimmung Uni Michigan
Titelbild: Nicky ❤️🌿🐞🌿❤️ from Pixabay
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



Kommentar abschicken