Geldpolitik: Das Symposium in Jackson Hole beginnt am Donnerstag
Einmal im Jahr treffen sich die Notenbanker der weltweit einflussreichsten Notenbanken, um in Jackson Hole über die zukünftige Geldpolitik zu beraten. Die Börse war in der vergangenen Woche von leichten Gewinnmitnahmen geprägt. Vermutlich werden die Händler in der neuen Woche die Reden der Notenbankchefs abwarten. (Bild: Kevin Crosby)
Weichenstellung für die Geldpolitik der nächsten Monate
Das offizielle Thema lautet „Finanzinnovation: Auswirkungen auf Zahlungsverkehr und Politik“. Dies ist ein spannendes Thema, das auch an der Börse nicht ohne Folgen bleiben wird. Dank der Möglichkeiten der KI erreichen Geldtransaktionen atemberaubende Geschwindigkeiten. Für die Geldpolitik dürfte es darum gehen, die Kontrolle über die Finanzströme nicht komplett zu verlieren. In Deutschland können wir uns noch gut an die Cum-Ex-Geschäfte erinnern, die dem Fiskus viel Geld kosteten.
Neue Regulierungen wirken sich auch auf legale Finanztransaktionen aus. Deshalb werden die Märkte mögliche Pläne der Notenbanken kritisch beobachten und möglicherweise darauf reagieren. Spannend wird zudem, wie sich der Zahlungsverkehr weiterentwickelt. Kommen weitere als „Terrorbekämpfung“ getarnte Einschränkungen von Bargeldzahlungen? Ich glaube ehrlicherweise nicht, dass das Bargeld in der EU komplett abgeschafft wird. Nach aktuellem Recht ließe sich dies nicht umsetzen. Zudem plant die EZB die Ausgabe einer neuen Banknotenserie.
Allerdings sinken die Bargeldobergrenzen immer weiter, sodass bei anhaltend starker Inflation vielleicht bald ein Wochenendeinkauf im Supermarkt mit Bargeld nicht mehr möglich sein wird. In Griechenland liegt die Obergrenze bereits heute bei 500, in Frankreich und Spanien bei 1.000 Euro. Die EU verlangt ab Juli 2027 für Zahlungen ab 3.000 Euro einen Identitätsnachweis.
USA-Iran-Konflikt wirkt sich auf die Geldpolitik aus
In der Vergangenheit nutzten die Notenbanker das Symposium von Jackson Hole dafür, die Geldpolitik der kommenden Monate zu skizzieren. Insbesondere die Blockade der Straße von Hormus sorgte zuletzt für hohe Energiepreise, die sich auch auf die allgemeine Inflation niederschlugen. Die befürchteten extremen Preisaufschläge auf Rohöl blieben bisher jedoch aus. Am Markt hoffen die meisten Akteure, dass eine weitere Eskalation nicht erfolgt.
Immer deutlicher kristallisiert sich jedoch heraus, dass die Schiffspassage durch die Straße von Hormus nicht mehr kostenfrei erfolgen wird. Es scheint nur noch darum zu gehen, welche Partei wie viel für den „Service“ einer sicheren Passage kassiert. US-Präsident Donald Trump möchte den Iran mit einem Wirtschaftsembargo in die Knie zwingen. Dass dies gelingt, bezweifle ich. Der Iran hat schon andere Situationen ausgesessen. Zudem dürfte Russland kein Interesse an Sanktionen haben.
Aus meiner Sicht werden sich die Märkte mit Gebühren für die Passage der Straße von Hormus arrangieren. Entscheidend ist die Versorgungssicherheit. Die Kosten für Energie würden dauerhaft über dem Niveau vor den Angriffen der USA und Israels auf den Iran bleiben. Eine stabile Versorgung würde den Ölpreis jedoch stabilisieren. Dies würde die Angst vor einer wieder anziehenden Inflation senken.
Kommt von Jackson Hole ein Signal für Zinssenkungen?
Dies ist wahrscheinlich die wichtigste Frage, auf die Anleger gerne eine Antwort hätten. Ein Blick auf den Ölpreis zeigt, dass dieser in der vergangenen Woche leicht gestiegen ist. Der Anstieg zeigt jedoch kaum Dynamik und könnte dafür sprechen, dass er spätestens bei 95,50 US-Dollar im Brent korrigiert.

Folgt der Markt meiner These, würde die Gefahr einer sich erneut verschärfenden Teuerung sinken. Allerdings steht ein anderes Problem parat: Die Versorgung mit Lebensmitteln bleibt problematisch. Russland attackiert vermehrt ukrainische Häfen, was den Export von Getreide erschwert. Die Ware fehlt auf dem Weltmarkt, was die Preise steigen lässt. Aktuell bleiben die Preise für Weizen auf einem hohen Niveau und gewinnen zuletzt wieder an Aufwärtsdynamik.

Für die Geldpolitik haben die Lebensmittelpreise jedoch ohnehin keine Auswirkungen. Die Notenbanken blicken auf die Kerninflation. Bei stagnierenden oder sinkenden Energiepreisen dürfte sie sich abschwächen. Zwar enthält die Kerninflation die Preisentwicklung der Energie nicht, aber die Kosten sind in den Endprodukten enthalten und wirken sich so auch auf die Kernrate aus. Wenn die Lage am Persischen Golf nicht eskaliert, könnte im Laufe des Herbstes in den USA ein Spielraum für eine Zinssenkung entstehen. Auch die EZB könnte einen geringeren Preisauftrieb für eine Lockerung der Geldpolitik nutzen.
Markt unschlüssig
Ich bin seit Langem davon überzeugt, dass die Fed im Herbst die Zinsen senkt. Neben einer sich abschwächenden Inflation dürften ein schwacher Arbeitsmarkt und ein wenig überzeugendes Wirtschaftswachstum Argumente dafür geben. Zwar melden viele Wirtschaftsräume ein steigendes BIP, doch beschränkt sich der Aufschwung auf wenige Branchen. Insgesamt sehen wir eher eine Stagnation der Wirtschaft.
Die Zahlen der Erwerbslosen steigen oder stagnieren, was die sinkenden Einzelhandelsumsätze in vielen Märkten erklärt. Daraus leitet sich ein schwaches Verbrauchervertrauen ab, das sich am Ende auch auf die Nachfrage der Industrie auswirkt. Weniger Nachfrage bei gleichem oder steigendem, Angebot sorgt für sinkende Preise. Dies könnte in eine Deflation führen, die die Notenbanken verhindern müssen.
Der Markt ist von dieser Logik offenbar bisher nicht überzeugt. Die 10-Jahres-Staatsanleihe der USA bewegt sich weiterhin volatil. Der Trend ist eher seitwärts gerichtet. Interessant wird ein Test der 4,75-Prozent-Marke. Ich vermute, dass vor dem Symposium in Jackson Hole kein eindeutiger Trend entsteht.
Der Markt in den USA
Die Aktienindizes der Wall Street gerieten wegen steigender Staatsanleihe-Renditen und des hohen Ölpreises unter Druck. Wie ich bereits weiter oben ausgeführt habe, dürfte die Reaktion eher übertrieben sein. Bei den Zinsen gibt es jedoch ein Risiko, dass sich massive US-Staatsverschuldung auf den Marktzins auswirkt. Steigende Schulden bergen Risiken, die sich Investoren durch einen Zinsaufschlag kompensieren lassen. Theoretisch könnte die Fed die Zinsen im Herbst senken, während die Marktzinsen weiter steigen. Über letztere entscheidet das Vertrauen des Marktes in die US‑Regierung.
Die wirtschaftliche Lage in den USA bleibt weiterhin schwierig. Die Konsumstimmung deutet auf eine tiefe Verunsicherung der Verbraucher hin. Dies bestätigt die Quartalsbilanz von Walmart, die einen schwachen Umsatz auswies. Die Aktie verlor neun Prozent. Da die US-Wirtschaft auf die Binnennachfrage setzt, dürfte das Wachstum verhalten bleiben. Charttechnisch könnte Walmart unter die 100-Dollar-Marke fallen. Im Bereich 94,00/89,70 liegt eine Unterstützung.

Der S&P 500 geriet in der vergangenen Woche unter Druck, ohne eine große Abwärtsdynamik zu zeigen. Im Stundenchart kreuzte der Tenkan im Ichimoku (blaue Linie) den Kijun (orange), was für eine Stabilisierung sprechen könnte.

Der Dailychart präsentiert sich weiterhin bullish. Der relativ große Abstand zwischen Tenkan und Kijun deutet auf einen überkauften Status hin, weshalb die leichten Abgaben eine technische Korrektur darstellen könnten.

Märkte warten auf NVIDIA-Zahlen
In der kommenden Woche veröffentlicht der Chiphersteller NVIDIA neue Daten. Der Markt scheint diese mit Zurückhaltung zu erwarten. Aus meiner Sicht gibt es jedoch aktuell keine Hinweise darauf, dass die hohen Kurse nicht durch Wachstum gerechtfertigt sind. Zwar zeigte die Berichtssaison, dass nicht alle KI-Firmen ein großes Potenzial haben, aber NVIDIA dürfte vom Boom weiter profitieren. Übergeordnet lässt sich keine Blase wie in der Dotcom-Krise feststellen. Sie entstand durch gänzlich unrealistische Gewinnannahmen. Im Gegensatz zu damals basieren die Firmenbewertungen dieses Mal auf bemerkenswerten Milliardengewinnen.
Der NASDAQ 100 korrigierte zuletzt leicht, könnte sich jedoch um 29.150 Punkte stabilisieren. Für eine gewisse Nachhaltigkeit wäre ein Sprung über die 29.500 erfreulich.
Bitcoin als sicherer Hafen
Wer meine Artikel regelmäßig liest, kennt meine Skepsis zum „sicheren Hafen“ Bitcoin. Diese These lässt sich fundamental hervorragend belegen. Normalerweise folgt die Kryptowährung dem Kursverlauf der Aktienmärkte. In der vergangenen Woche erinnerte sich der Markt jedoch an einen Vorzug der Coins: Damit sich Staaten verschulden können, müssen zumindest virtuell immer mehr Banknoten geschaffen werden. Wenn gleichzeitig nicht mehr Waren verfügbar sind, steigen die Preise. Die Währung verliert an Wert.
Bitcoins kennen dieses Phänomen nicht. Die Menge ist technisch unveränderbar begrenzt. Wenn im Markt die Sorge einer extremen Geldentwertung entsteht, bietet sich die Flucht in die Sicherheit des Bitcoin an. Als die USA am Donnerstag neue Rekordverschuldung meldeten, „flohen“ die Anleger in die Kryptowährung. Übrigens: Der Wert der Kryptowährung basiert ausschließlich auf Vertrauen. Niemand garantiert die Verfügbarkeit für alle Ewigkeit. Man muss daran glauben.
War das jetzt die große Trendwende im Bitcoin? Der Wochenchart deutet darauf hin, dass der Boden nach der scharfen Korrektur gefunden wurde. Der Kurs stieg über den Kijun. Theoretisch könnte jedoch die Wolke des Ichimoku bei 93.000 Dollar als Widerstand fungieren. Ein gewisses Restrisiko bleibt für die Bullen bestehen.

Erfreulicher Philly-Fed-Herstellungsindex
Der Index für die wirtschaftliche Aktivität im Fed-Distrikt Philadelphia hellte sich überraschend auf. Er stieg von 41,4 auf 47,4 Punkte. Damit ist jedoch weiterhin kein Wachstum verbunden. Wer möchte, kann auch positiv werten, dass weniger Unternehmen Entlassungen planen. Sie überwiegen jedoch weiterhin jene, die neue Arbeitsplätze schaffen wollen. Pessimistischer zeigten sich die Unternehmer bei den Neuaufträgen. Zudem rechnen viele Firmen damit, Preiserhöhungen nicht mehr durchsetzen zu können. Dies stärkt meine These, dass die Inflation in den USA wahrscheinlich zurückgehen wird.
Ein anderes zeigen die Einkaufsmanagerindizes von S&P Global. Besonders das Dienstleistungsgewerbe der USA zeigt sich zuversichtlich.
Industrie zieht an, Dienstleistungen schwächeln
In Europa zeigen die Einkaufsmanagerindizes ein geteiltes Bild. Während die Industriebetriebe langsam wieder Zuversicht verbreiten, stehen die Dienstleister unter Druck. Dies betrifft insbesondere die deutsche Wirtschaft. Der DAX sucht trotzdem nach einer Stabilisierung. Bei 25.915 Punkten könnte sich ein Biden bilden. Der Ichimoku sieht recht freundlich aus.

Vorher sorgten die Sorgen um steigende Zinsen in den USA auch im deutschen Leitindex für Gewinnmitnahmen. Frankreichs Haushaltsdefizit hinterlässt auf der Stirn der Anleger ebenfalls Sorgenfalten. Deutlich stieg zudem der deutsche Erzeugerpreisindex, der sich zeitlich versetzt auf die Verbraucherpreisinflation auswirken könnte. Nach 1,8 % im Juni zahlten die Produzenten im Juli drei Prozent mehr. Ob sie diese Kosten an die Verbraucher weitergeben können, sehe ich eher skeptisch. Die Verbraucherpreisinflation blieb in der Eurozone mit 2,9 Prozent hoch. EUR/USD legte nach den Zahlen zu und versucht, sich über 1,1675 zu etablieren. Gelingt dies nicht, droht den Bullen ein Fehlausbruch.

Ein Blick auf den Dailychart zeigt, dass das Majorpaar bullish bleibt. Ein Ziel könnte im Bereich 1,1790/840 liegen.

Gegen eine hartnäckige Inflation spricht jedoch die schwache Verbraucherstimmung in Deutschland, die zuletzt Fielmann bewog, den Jahresausblick zu senken.
Großbritannien: Inflationsdruck sinkt
Im Vereinigten Königreich steigen die Erzeugerpreise deutlich langsamer als noch vor einem Monat. Dies könnte auf einen nachlassenden Druck auf die Verbraucherpreise hindeuten. Dafür spricht auch, dass die Einzelhandelsumsätze inflationsbereinigt weiter sinken.
Japans Wirtschaft mit herausragendem Export
Die japanische Wirtschaft fällt seit einiger Zeit durch eine bemerkenswerte Robustheit auf. Dies zeigen die Exporte, die im Juli um 23,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr stiegen. Auch die Maschinenbestellungen sprechen für eine robuste Industrie. Das BIP blieb jedoch im zweiten Quartal hinter den Erwartungen zurück. Ein weiteres Risiko ist die mit 1,9 Prozent für japanische Verhältnisse hohe Inflation, die weitere geldpolitische Stimuli nicht ermöglicht.
Die chinesischen Daten bestätigen den Trend, dass die Wirtschaft weit von früheren Wachstumsraten entfernt ist. Vermutlich wird sich daran kurzfristig nicht viel ändern. Die Investitionen sinken immer schneller. Dies dürfte auch für deutsche Exporte Auswirkungen haben. Es ist schön, dass die drittgrößte Volkswirtschaft diese Schwäche durch mehr Verkäufe in Europa kompensieren kann.
Ausblick
Das wichtigste Ereignis der kommenden Woche dürfte das Symposium in Jackson Hole sein. Es findet vom 27. bis 29. August statt. Ferner könnten folgende Ereignisse den Markt bewegen:
Dienstag
08:00 BIP Deutschland (endglütig)
10:00 ifo-Geschäftsklimaindex Deutschland
16:00 Neubauverkäufe, CB-Verbrauchervertrauen USA
Mittwoch
14:30 PCE-Kernrate-Preisindex, Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter USA
Berichte: NVIDIA (nach Börsenschluss)
Freitag
09:55 Arbeitsmarktdaten Deutschland
11:00 Wirtschaftsstimmung Eurozone
Berichte: BYD
Titelbild: Kevin Crosby (Lizenz: CC BY-SA 2.0)
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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