Niedrigwasser: Auch Flusskreuzfahrten sind betroffen

Flusskreuzfahrten (Weser) Medienservice, Pixabay

Die aktuelle Trockenheit in Europa ließ die Pegelstände einiger Flüsse stark sinken. Betroffen sind neben der Frachtschifffahrt auch die Flusskreuzfahrten.

Es ist Sommer!

Die Sonne lacht vom Himmel, an dem kaum eine Wolke zu sehen ist. Auf dem Wasser fühlt sich die Hitze etwas erträglicher an als in einer Stadt. Es ist kein Wunder, dass bei vielen Menschen im Sommer Flusskreuzfahrten ganz oben auf der Wunschliste stehen. Seien wir ehrlich: Wir wünschen uns für den Urlaub ein stabiles Hochdruckgebiet. Eine verregnete Wachau ist nicht das Ziel unserer Träume, wenn wir ein Kreuzfahrtschiff betreten.

Das Wetter ist also fast perfekt, wenn man von den unwetterartigen Regenfällen absieht, die schnell wieder abfließen. Diese Extreme lassen die Pegelstände der Flüsse immer weiter sinken. Dieser Umstand gefährdet nicht nur die Handelsschifffahrt, auch den Anbietern von Flusskreuzfahrten treibt es Sorgenfalten auf die Stirn. Auf dem Mittelrhein wurden die Touren bereits eingestellt, weitere Strecken werden wohl folgen.  

Krisenmanagement ist gefragt

Die Reedereien müssen einfallsreich sein. Es geht nicht nur darum, das Sommergeschäft zu retten. Zahlreiche Menschen freuen sich auf ihren Sommerurlaub. Die Absage von Flusskreuzfahrten ist deshalb die letzte Option. Eine Möglichkeit ist die Umleitung in noch befahrbare Gewässer. So weichen aktuell die Reedereien auf den Niederrhein aus, um den Gästen trotz der widrigen Bedingungen unter dem Kiel einen erlebnisreichen, erholsamen Urlaub anzubieten. 

Dafür legen die Schiffe in Düsseldorf oder Duisburg ab. Obwohl bei einer gravierenden Routenänderung Kreuzfahrtgäste ein außerordentliches Kündigungsrecht haben, machen davon nach Auskunft der Reedereien nur wenige Urlauber Gebrauch. Flexible Urlauber können ihre Reise auf spätere Termine umbuchen. Da in den kommenden Tagen kein flächendeckender, ergiebiger Regen zu erwarten ist, dürfte sich die Lage weiter zuspitzen.

Flusskreuzfahrten mit dem Bus?

Einige Anbieter bleiben an der Anlegestelle und bieten ihren Gästen den gewohnten Service an Bord an. Statt mit dem Schiff geht es dann mit dem Bus zu interessanten Ausflügen. Den Zuschnitt typischer Flusskreuzfahrten hat dieses Programm zwar nicht, aber immerhin muss der Reisegast nicht auf seinen Urlaub verzichten. Wer seine Kreuzfahrt wie gebucht erleben möchte, kann vom Reisevertrag zurücktreten und sein Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. 

Eine andere Möglichkeit ist das „Ship-Swap“ (Schifftausch), bei dem die Reeder ein Schiff in die eine und ein baugleiches in die Gegenrichtung fahren lassen. Die Kähne treffen sich an einer seichten Stelle, die sie aufgrund des niedrigen Wasserstandes nicht passieren können. Die Reederei organisiert den Transport der Passagiere und des Gepäcks von einem auf das andere Schiff mit einem Bus. 

Sparen im Urlaub  

Teilweise sichern die Kapitäne die Reise ab, indem sie weniger Proviant an Bord nehmen. Die Schiffe werden leichter und kommen auf weniger Tiefgang. Für die Gäste bedeutet dies jedoch, mit Einschränkungen zu leben. Einen hohen Effekt auf das Gewicht haben Frischwasser und Treibstoff. Hier haben die Kapitäne einen gewissen Spielraum, den sie jedoch nur so nutzen dürfen, dass die Versorgung an Bord gewährleistet ist.

Theoretisch ist auch die Reduzierung der Fahrgastzahl eine Option. Möglicherweise bewegt die Reederei einige Urlauber dazu, kostenfrei auf einen anderen Termin umzubuchen. Eine willkürliche Stornierung einzelner Reisender ist dagegen nicht zulässig. Bei solchen Maßnahmen muss die Reederei auf das Entgegenkommen der Reisenden hoffen. Die Veranstalter der Kreuzfahrten versuchen teilweise, Reisegäste mit attraktiven Rabatten oder Zusatzleistungen zu Umbuchungen zu bewegen. Dies ist selbstverständlich erlaubt. Der Gast entscheidet dann, ob er die Umbuchung annimmt oder auf der Einhaltung seines Vertrages besteht. Ihm darf durch seine Entscheidung kein Nachteil entstehen.

Rechtliche Aspekte für Flusskreuzfahrten

Niedrigwasser gilt nach dem BGB (§ 651g) als höhere Gewalt. Ist es einem Anbieter von Flusskreuzfahrten nicht möglich, den Reisevertrag vollumfänglich zu erfüllen, darf er von ihm kostenlos zurücktreten. Idealerweise erhalten die Kunden ein Alternativangebot, um dennoch ihren Urlaub genießen zu können. Sie müssen es jedoch nicht annehmen und können ihrerseits kostenfrei vom Vertrag zurücktreten. 

Einige Kreuzfahrtveranstalter bieten „aus Kulanz“ Umbuchungen auf spätere Termine an. Sollten diese Termine zu einem niedrigeren Preis als dem ausgeschriebenen angeboten werden, kann man von einem Entgegenkommen sprechen. Ferner ist der Hinweis auf eine „Kulanz“ irreführend, denn der Reisende erfährt keine Kulanz. Vielmehr hat er das Recht, eine Reise, deren Zuschnitt sich erheblich ändert, kostenfrei zu stornieren. 

Auf einen anderen Termin ausweichen?

Wer sich auf eine Flusskreuzfahrt gefreut hat, wird sicherlich gern auf einen späteren Termin umbuchen. Die Voraussetzung ist natürlich, dass es zeitlich passt. Absagen erfolgen meist kurzfristig, sodass eine Umplanung des Urlaubs nicht ganz einfach ist. Wenn der Arbeitgeber flexibel reagiert, ist eine Umbuchung eine hervorragende Option. Viele Sommerbuchungen „rutschen“ auf den Herbst, wobei es auch in dieser Jahreszeit keine Garantie für die Schiffbarkeit der Flüsse gibt. 

Der Klimawandel sorgt leider dafür, dass auf heiße, trockene Abschnitte immer häufiger Phasen mit extremen Regenmengen folgen. In der Folge sorgen die Nebenflüsse aus den Bergen häufig für Hochwasser in den großen Strömen wie dem Rhein oder der Elbe. Eine Durchführungsgarantie gibt es also für keine Jahreszeit. Gerade angesichts des Klimawandels gehört eine gewisse Unwägbarkeit zu den Flusskreuzfahrten hinzu. 

Trotz aller Unwägbarkeiten sollten wir nicht komplett auf Flusskreuzfahrten verzichten. Die komfortable Reise durch unvergessliche Landschaften zog Generationen in ihren Bann und wird es hoffentlich auch in Zukunft lange tun. Ideal ist für eine Buchung, ein wenig Flexibilität mitzubringen. 

Titelbild: Nicole Pankalla from Pixabay

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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