Die Stimmung bleibt trüb, aber die Aktienmärkte sind in Rekordlaune
Das neue Jahr beginnt, wie das alte aufgehört hat. Die Wirtschaftsdaten sind eher mäßig, aber die Hoffnung treibt die Aktienmärkte zu neuen Rekorden.
Unternehmer bleiben eher skeptisch
Während viele Statistiken Zahlen aus der Vergangenheit verarbeiten, sind die Einkaufsmanagerindizes ein guter Indikator für die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen. Nicht nur in Europa sehen viele Manager kein Wachstum. Auch der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA blieb im Dezember unterhalb der Wachstumsgrenze. Mit 47,9 Punkten lag der Index noch unter dem Wert im November (48,2). Zudem wurden die Erwartungen des Marktes verfehlt.
Auch die Zahlen aus Europa konnten nicht überzeugen. Der Index aus Deutschland sank von 48,2 auf 47,0, jener aus der Eurozone von 49,6 auf 48,8 Punkte. Dass es in der Eurozone nicht noch viel schlimmer aussah, lag an der relativen Zuversicht in Frankreich. Hier schaffte es der Index mit 507 Punkten über die Expansionsschwelle 50. Rekordstände an den Aktienmärkten lassen sich damit nicht erklären.
Niedrige Inflation in Deutschland
Überraschend niedrig fiel die Inflation in Deutschland aus. Mit 1,8 Prozent liegt sie nun unterhalb des Zielwerts der EZB. In der Eurozone liegt die Teuerung genau bei der von der Zentralbank gewünschten Teuerung von zwei Prozent. Christine Lagarde und ihre Kollegen dürfen sich also auf die Schulter klopfen.
Analysten gehen davon aus, dass sich die Inflation auch in den kommenden Monaten etwa am Ziel der Notenbank orientieren wird. Somit könnte die EZB etwas Spielraum haben, bei Bedarf die Zinsen weiter zu senken. Zumindest dürften keine neuen Investitionshemmnisse drohen.
Größte Freihandelszone der Welt könnte die Zuversicht am Aktienmarkt erklären
Was lange währt, wird gut. Der südamerikanische Handelsbund MERCOSUR und die Europäische Union haben sich nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Während die europäischen Bauern die Konkurrenz von der Südhalbkugel fürchten, hoffen viele Industriebetriebe auf neue Absatzmärkte. Dies könnte eine Erklärung für die Zuversicht an den Aktienmärkten sein.
Hinzukommen deutlich gestiegene Auftragseingänge der deutschen Industrie, wofür der Markt das getrübte Geschäftsklima in der Eurozone ignoriert hat. In den USA wird der Arbeitsmarkt enger. Der JOLTS-Report weist jedoch weiterhin 7,146 Millionen offene Stellen aus. Im Vormonat waren es 300.000 mehr. Die Non-Farm-Payrolls wiesen für die USA 50.000 neue Stellen aus. Der US-Arbeitsmarkt überzeugte erneut nicht. Zudem schrumpfen in den USA die Auftragseingänge. Kanadas Ivey-Einkaufsmanagerindex präsentierte sich für den Dezember mit 51,9 Punkten erstaunlich stark.
Rohölpreis zieht an
Der Rohölpreis legte entgegen vieler Analystenschätzungen in der vergangenen Woche zu. Dies lag wahrscheinlich nicht nur an den deutlich gesunkenen Rohöl-Lagerbeständen in den USA. Auch die Ereignisse in Venezuela entwickeln sich bisher nicht so, wie es viele Marktteilnehmer erwartet haben.
Aktuell ist nicht klar, wie viel Kontrolle die USA wirklich über das Land haben. Donald Trump hat sich zwar inzwischen zum Übergangspräsidenten in Venezuela erklärt, aber faktisch agiert in Caracas die alte Regierung ohne Nicolás Maduro Moros. Immerhin haben die USA, die Kontrolle über Venezuelas Ölexporte. Dies bedeutet, dass sich China auf anderen Märkten Erdöl besorgen muss. Dies dürfte zumindest vorübergehend zu Nachfragedruck führen.
Der Ölpreis (WTI) stieg in der vergangenen Woche über den Widerstand über die Marke von 58,70 US-Dollar, scheint sich jedoch nicht nachhaltig zu etablieren. Wenn Trumps Pläne für Venezuelas Ölindustrie umgesetzt werden, sollte das Angebot an Rohöl auf den Weltmärkten steigen und der Preis sinken.
Rohöl der US-Sorte WTI findet bei 60,30 US-Dollar Widerstand, Support ist bei 56 und 55 US-Dollar zu erkennen.

US-Militärcoup sorgt für Kurssprünge bei Chevron
An den Aktienmärkten scheint die Zuversicht zu überwiegen, dass die USA ihre Pläne umsetzen können, denn der Kurs von Chevron stieg deutlich. Zwar verhielt sich die Aktie volatil, aber insgesamt scheint der Markt davon auszugehen, dass Donald Trump in Venezuela schalten und walten kann, wie er will.

An den Aktienmärkten geht die Rallye weiter
Ich gebe zu, dass die Fakten nicht wirklich plausibel erklären, warum der DAX auf Rekordniveau agiert. Immerhin sind Ökonomen zuversichtlich, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr etwas bessere Ergebnisse liefert als im Vorjahr. Zudem weisen die DAX-Konzerne weiterhin beeindruckende Bilanzen aus.
Der Grund liegt im erfolgreichen Export, was die Jammerei über die angeblich fehlende Konkurrenzfähigkeit infrage stellt. Positiv kommt zudem an, dass der Sentix-Konjunkturindex für den Januar in der Eurozone deutlich steigt. Mit –1,8 Punkten kann jedoch die Stimmung nicht als gut bezeichnet werden. Immerhin ist die besser als im Dezember (–6,2).
Der DAX markierte bei 25.417 Punkten ein neues Allzeithoch. Eine erste Unterstützung liegt bei 25.214 Punkten.

Mehr Volatilität an den Aktienmärkten in New York
An der Wall Street markierte der S&P 500 am vergangenen Freitag ein neues Allzeithoch, litt dann jedoch an Gewinnmitnahmen. Der Support bei 6.915 Punkten wurde jedoch verteidigt. Weitere Unterstützung dürfte um 6.865/15 liegen.

Trump-Regierung attackiert die Fed
Ein Grund für die Nervosität ist die Angst der Aktienmärkte, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verlieren könnte. Sauer aufgestoßen ist den Marktteilnehmern, dass die US-Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Aussagen von Jerome Powell aufgenommen hat. Dabei ging es um ein Renovierungsprojekt, das US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert hat.
Analysten rechnen deshalb nicht mit einer von den Märkten eigentlich erwarteten weiteren Zinssenkung. Die Fed könnte diese verschieben, um ihre Unabhängigkeit zu demonstrieren. Gleichzeitig nimmt das Vertrauen in den US-Dollar etwas ab. Nach einem wochenlangen Abwärtstrend, erholte sich heute EUR/USD leicht. Knapp über 1,17 ist im Stundenchart ein markanter Widerstand zu erkennen. Die wichtigste Unterstützung ist am Verlaufstief bei 1,1620 zu erkennen.

Wachsende geopolitische Risiken
Die geopolitischen Risiken berücksichtigen die Aktienmärkte weiterhin nicht. In der Ukraine ist leider kein Frieden in Sicht. Die militärischen Drohungen von US-Präsident Donald Trump lassen nach der Attacke auf Venezuela nichts Gutes ahnen. Die aus meiner Sicht für Europa gefährlichste Bedrohung spielt dabei nicht einmal in den Nachrichten eine Rolle. Ich glaube nicht, dass Trump sich von einer „Übernahme“ des Panamakanals verabschiedet hat.
Warum ist das für Europa relevant? Wer sich die Landkarte anschaut, wird verstehen, wie wichtig der Panamakanal für China ist. Wenn die Volksrepublik ihre Waren nicht mehr nach Brasilien und Argentinien liefern kann, wird sie sich andere Märkte suchen. Dieses Risiko ist sicherlich kein akutes Szenario, aber die Gefahr einer US-Intervention ist nicht ausgeschlossen. Für unseren Wohlstand ist sie gefährlicher als militärische Abenteuer gegen Kuba, Mexiko oder Grönland, die ich aber nicht banalisieren möchte.
Gold weiter im Aufwind
Es wundert daher nicht, dass Gold auch zu Beginn dieser Woche neue Rekordstände erreicht.

Ob und wann zeitnah eine Korrektur erfolgt, lässt sich schwer einschätzen. Auch im Daily-Chart signalisiert der Ichimoku weiterhin eine sehr bullishe Ausrichtung. Die Angriffe der Trump-Administration gegen die Fed, dürften Gold weiter beflügeln.

KI-Fantasie weiterhin intakt
Silber explodiert förmlich, und mit der Gold-Silber-Ratio lässt sich dies inzwischen nicht mehr erklären. Silber ist neben den Seltenen Erden ein wichtiger Rohstoff für nahezu alle Zukunftstechnologien. Der Markt geht weiterhin davon aus, dass sich diese durchsetzen werden. Ein Hellseher muss man nicht sein, um diese Erkenntnis zu teilen.

Bitcoin auf niedrigem Niveau
Bitcoins sind aktuell nicht gefragt. Zur Absicherung von Vermögenswerten greifen die Anleger weiterhin zu den traditionellen Assets. Der Kurs der Kryptowährung schiebt sich oberhalb der Unterstützung 84.000 seitwärts. Nach seinem Absturz Mitte November kam es bisher zu keiner nachhaltigen Erholung, sodass eine Fortsetzung der Korrektur nicht ausgeschlossen ist.

Die Termine für diese Woche
| Tag | Zeit | Land | Ereignis |
|---|---|---|---|
| Dienstag | 00:00 | USA | Rede von FOMC Mitglied Williams |
| 00:30 | AUS | Westpac Konsumklima | |
| 10:00 | UK | Rede von BoE-Gouverneur Bailey | |
| 14:15 | USA | ADP-Arbeitsmarktdaten | |
| 14:30 | USA | Verbraucherpreisindex | |
| Realeinkommen | |||
| 16:00 | USA | Neubauverkäufe | |
| Mittwoch | 01:30 | AUS | Baugenehmigungen |
| ??:?? | CHN | Handelsbilanz | |
| 14:30 | USA | Erzeugerpreisindex | |
| Einzelhandelsumsätze | |||
| Leistungsbilanz | |||
| 16:00 | USA | Verkäufe bestehender Häuser | |
| Lagerbstände | |||
| 16:30 | USA | Rohöl-Lagerbestände | |
| 18:00 | USA | Atlanta-Fed BIP-Prognose | |
| 20:00 | USA | Beige Book | |
| Donnerstag | 08:00 | UK | BIP |
| Industrieproduktion | |||
| Handelsbilanz | |||
| Bauproduktion | |||
| 08:45 | FRA | Verbraucherpreisindex | |
| 09:00 | ESP | Verbraucherpreisindex | |
| 10:00 | EUR | Monatsbericht der EZB | |
| 11:00 | EUR | Handelsbilanz | |
| Industrieproduktion | |||
| 14:30 | USA | Philly-Fed-Herstellungsindex | |
| NY-Empire-State-Herstellungsindex | |||
| Import- und Exportpreise | |||
| 14:45 | USA | Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (vorl.) | |
| 15:15 | USA | Rede von Fed-Vize Barr | |
| Freitag | 08:00 | GER | Verbraucherpreisindex |
| 14:15 | CAN | Baubeginne | |
| 15:15 | USA | Industrieproduktion | |
| Samstag | 11:00 | GER | Rede von Bundesbank-Päsident Joachim Nagel |
| Montag | |||
| Feiertag in den USA (Martin-Luther-King-Day) | |||
| 00:50 | JAP | Kernrate der Maschinenestellungen | |
| 03:00 | CHN | BIP | |
| Investitionen | |||
| Industrieproduktion | |||
| Einzelhandelsumsätze | |||
| Arbeitslosenquote | |||
| 11:00 | EUR | Verbraucherpreisindex | |
| 14:30 | CAN | Verbraucherpreisindex | |
| 15:45 | CAN | Zinsentscheidung |
Mein Börsenbericht ist keine Handelsempfehlung,
Titelbild: KI-generiert
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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