Belém – Tor zum Amazonas
Unserem Bundeskanzler Friedrich Merz hat es ja in Belém nicht gefallen. Möglicherweise lag dies daran, dass er nichts vom Tor zum Amazonas gesehen hat. Die Stadt im Nordosten Brasiliens besitzt durchaus ihre Reize.
Pulsierende Metropole am Rande des Regenwaldes
Belém wurde bereits 1616 von den Portugiesen gegründet. Sie überrascht die Besucher mit einer Mischung aus einer reichen Kolonialgeschichte und zahlreichen Elementen der Moderne. Die Millionenmetropole liegt herrlich an der Mündung des Rio Guamá in den Rio Pará, der Baía de Guajará. Neben Manaus ist Belém die wichtigste Stadt im Amazonasgebiet.
Die Brasilianer haben die Weltklimakonferenz mit einem wichtigen Hintergrund nach Belém vergeben. Die Stadt gilt als Tor zum Amazonas und ist somit ein interessanter Ausgangspunkt, um dieses schützenswerte Ökosystem kennenzulernen. Zudem bietet die Metropole selbst ein reichhaltiges kulturelles Erbe. Neben der Besichtigung der prunkvollen Bauten aus der Zeit des Goldrausches und des Kautschukbooms, lohnt sich eine Entdeckungsreise durch die authentische Gastronomie.
Einfache Anreise zum Tor zum Amazonas
Direktflüge ab Deutschland gibt es zwar nicht, aber mit einem Zwischenstopp ist die Metropole im Nordosten Brasiliens gut erreichbar. Eine Möglichkeit ist der Flug über Lissabon, von wo die portugiesische Fluggesellschaft TAP direkt zum Tor des Amazons fliegt. Eine andere Option ist die Anreise über eine andere Stadt in Brasilien. Belém liegt nicht an den Haupttouristenströmen. Ein Abstecher von São Paulo oder Rio de Janeiro in die Hauptstadt des Bundesstaats Pará lohnt sich jedoch auf jeden Fall.
In Belém herrscht über das gesamte Jahr ein gleichmäßiges tropisches Klima mit Temperaturen zwischen 22 und 32 Grad und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Am angenehmsten ist das Wetter in der Trockenzeit, die zwischen Juni und Dezember andauert. Die Wassertemperaturen liegen über das gesamte Jahr bei 27 Grad. Die Einreise nach Brasilien ist für Touristen mit einem Aufenthalt von maximal 90 Tagen visafrei.
Sehenswertes in Belém
Direkt an der Baía de Guajará steht das Forte do Presépio. Die alte portugiesische Festung wurde 1616 errichtet und gilt damit als Wiege der Stadt. Heute beherbergt die Anlage ein Museum für die Geschichte der indigenen Bewohner der Region. Die Festung steht an einem Park, an den weitere historische Gebäude angrenzen. Zu ihnen gehört die Igreja Santo Alexandre. Die barocke Kirche beherbergt heute ein Museum mit einer interessanten Ausstellung sakraler Kunstwerke.
Gegenüber des Gebäudes steht die Catedral Metropolitana de Belém Nossa Senhora da Graça. Ursprünglich entstand an ihrem Platz schon 1616 eine Kapelle, die später erweitert und 1719 zur Kathedrale erhoben wurde. Zu ihr gehört die 1735 gegründete Schola Cantorum, die als eine der ältesten Musikschulen Brasiliens gilt. Die heute sichtbare barocke Fassade der Kirche wurde vom italienischen Architekten Antonio José Landi entworfen und 1782 vollendet. Bemerkenswert ist die große französische Orgel, die seit 1882 in Betrieb ist. Sie gilt als größte Kirchenorgel Lateinamerikas.
Empfehlenswert ist ein Besuch des Celeste Restaurante. Es befindet sich nur wenige Schritte von der Kathedrale entfernt und lockt seine Gäste mit lokalen Aromen aus dem Amazonas, die mit Raffinesse neu interpretiert werden.
Highlights in der quirligen Innenstadt
Das Zentrum von Belém ist ein buntes Sammelsurium aus historischen Gebäuden und modernen Hochhäusern. Die quirlige Metropole bietet fantastische Gelegenheiten, um einzukaufen und Kultur zu genießen. Am Tor des Amazonas bieten zahlreiche Restaurants eine Reise in die Aromenwelt der Region.
Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten gehört die Basílica Santuário de Nossa Senhora de Nazaré, die über 54 wunderschöne Buntglasfenster verfügt. Die Basilica minor wurde erst im 20. Jahrhundert erbaut und ist das Zentrum für das im Oktober stattfindende christliche Fest „Círio de Nazaré“. Zu den Festlichkeiten gehören insgesamt 13 Prozessionen, die Millionen von Menschen aus ganz Brasilien besuchen. Das „Círio de Nazaré“ gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Ein Besuch des mit Granitsäulen und Marmorstatuen verzierten Innenraums ist empfehlenswert.
Empfehlenswert ist zudem die Praça da República, an der das Teatro da Paz steht. Der Kulturtempel ist ein beeindruckendes Zeugnis aus der prunkvollen Zeit des Kautschukbooms am Ende des 19. Jahrhunderts. Das 1878 eröffnete Theater ist das größte der Nordregion und eines der luxuriösesten Kultureinrichtungen ganz Brasiliens. Im Haus werden Führungen auch in englischer Sprache angeboten. Sie finden außer montags zwischen 9 und 12 Uhr stündlich statt. Zwischen Dienstag und Freitag werden auch Touren zwischen 14 und 17 Uhr angeboten.
Buntes Markttreiben am Tor zum Amazonas
Der Mercado Ver-o-Peso steht am Ufer der Baía de Guajará, nicht weit vom Forte do Presépio entfernt. Der Straßenmarkt wurde 1901 eröffnet und gilt als einer der ältesten öffentlichen Handelsplätze des Landes. Handel wurde hier jedoch schon seit 1625 getrieben, als hier die Portugiesen eine Handelsstation einrichteten. Schon damals war Belém das Tor zum Amazonas. Der heutige Komplex, zu dem auch der Burgberg gehört, steht seit 1977 unter Denkmalschutz.
Nicht nur das rege Treiben lohnt einen Besuch. Der Markt ist bei Touristen wegen seiner außergewöhnlich schönen Architektur sehr beliebt. Zudem bietet sich an den Ständen die Gelegenheit, die nordbrasilianischen Aromen kennenzulernen. Zu den lokalen Spezialitäten gehören:
- Maniçoba: zerkleinerte Maniokblätter mit Fleisch und Wurst
- Pato no Tucupi: in Tucupi (Bittermaniok-Brühe) gegarte Ente mit Jambú-Gemüse
- Tacacá: Tucupi mit salzigen Garnelen und Jambú-Gemüse
- Açaí: eine Nachspeise, die aus den Früchten der Kohlpalme hergestellt wird
Die Betriebsamkeit auf dem Markt gibt einen schönen Einblick in das Leben der Menschen in der Region. Wenn du entlang des Ufers Richtung Norden gehst, erreichst du die Estação das Docas. Die entstanden durch die Restaurierung von drei Lagerhäusern im alten Hafen. Heute sind hier verschiedene Freizeitanbieter untergebracht, die das einst heruntergekommene Anwesen zu einem beliebten Treffpunkt der Einheimischen und Touristen verwandelten.
Raus in die Natur
In der Stadt existieren mehrere Anbieter, die ihren Gästen eine Bootsfahrt in ein weitverzweigtes Flussnetz mitnehmen. Auf einem solchen Ausflug erfährt man am besten, warum Belém das Tor des Amazonas genannt wird. Die Anbieter verfügen über gut ausgebildete Guides, die Touren in verschiedenen Sprachen anbieten. Die Ausflüge dauern einen halben oder auch einen ganzen Tag. Zu den Höhepunkten gehören Bootsfahrten zu Gemeinden am Flussufer. Bei Ganztagestouren sind teilweise sogar Mittagessen im Regenwald enthalten. Unterwegs lernst du die exotische Flora und Fauna kennen.
Ein weiteres Ausflugsziel ist die Ilha Cotejuba. Sie ist das drittgrößte Eiland einer geschützten Inselregion, wenige Kilometer nördlich von Belém. Beliebt sind die zahlreichen Strände, die zum Baden einladen. Auf der Insel empfangen zahlreiche Hotels, Pensionen und Gästehäuser ihre Gäste. Auch Restaurants gehören zur gut ausgebauten touristischen Infrastruktur. Neben dem Tourismus spielt der Fischfang eine wichtige Rolle im Leben der Einwohner. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Ruinen des Gefängnisses Dr. Nogueira de Faria im Süden des Eilands. Ein großer Teil der Insel ist bewaldet.
Wundervolles Naturparadies
Auf der gegenüberliegenden Seite der Baía de Guajará liegt die Ilha de Marajó, die größte Insel Brasiliens. Interessant ist das über 40.000 Quadratmeter große Eiland wegen seiner vielfältigen Vegetation aus Savannen, Várzea-Wäldern und Palmen. Südlich der Insel führen Wasserwege bis zur Amazona-Mündung bei Macapá. In den östlichen Savannenlandschaften betreiben die Einwohner eine umfangreiche Viehzucht. Am Lago Arari ist eine beeindruckende Wasserbüffelherde zu Hause. Angeblich handelt es sich um drei Millionen Tiere.
Zudem leben hier einige exotische Tierarten, etwa die Scharlachsichler, Alligatoren, Piranhas und verschiedene Schlangen. Da in der Regenzeit große Teile der Insel überflutet sind, empfiehlt sich ein Besuch während der Trockenzeit von Juni bis Dezember. Archäologische Funde legen nahe, dass Marajó bereits vor mehr als 3.000 Jahren besiedelt wurde. Heute leben hier 250.000 Menschen, die zwischen dem 5. und 14. Jahrhundert aus der Karibik hierherkamen. Sie entwickelten ihre eigene Kultur, die sich beispielsweise in den Marajoara-Keramiken oder im Marajoana-Ringen manifestiert. Die Insel ist die Heimat des Lundu Marajoara, eines traditionellen Tanzes mit afro-brasilianischen Wurzeln. Während eines Ausflugs erhalten die Besucher einen tiefen Einblick in die vielfältige Kultur der Insulaner.
Viel zu sehen am Tor des Amazonas
Wer Belém besucht hat, wird nicht verstehen, warum Bundeskanzler Friedrich Merz so verächtlich über die nordbrasilianische Stadt gesprochen hat. Natürlich sieht es hier nicht wie im Sauerland aus. Aber gerade diese Tatsache hat ihren Reiz. Wer sich für die exotische Natur und die Geschichte Brasiliens interessiert, sollte während eines Aufenthalts im größten südamerikanischen Land einen Abstecher zum Tor des Amazonas einplanen.
Titelbild: KI
Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.



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