Börsen: Rekordrausch durch gedämpfte Inflation

Moderate Inflation freut die Bullen an der Börse.

Die Zuversicht an den internationalen Aktienmärkten bleibt hoch. Nach einer erfreulichen Berichtssaison sorgt eine moderate Inflation für Erleichterung.

Zinserhöhungen sind wohl vom Tisch

Die Lage am Persischen Golf schien bereits in den Vorwochen ihren Schrecken verloren zu haben. Die Ölpreise verhielten sich zwar volatil, blieben jedoch auf einem moderaten Niveau. Nach dem letzten kurzen Ausbruch Ende Juli schiebt sich Brent zwischen 78,25 und 91,50 US$ seitwärts. 

Rohöl, Brent – Stundencharts

Damit bleibt das schwarze Gold zwar weiterhin recht teuer, aber die Gefahr einer ausufernden Inflation scheint zunächst gebannt. Begünstigend kommt eine neue Strategie der USA gegen den Iran hinzu. Das Weiße Haus will zukünftig seine Interessen gegen das Mullah-Regime durch wirtschaftlichen Druck statt mit militärischer Stärke durchsetzen. 

Der neueste Verbraucherpreisindex zeigte auch in den USA eine leicht sinkende Dynamik der Preise. Sie stiegen im Juli nur um 3,4 Prozent, nachdem sie im Vormont noch ein Plus von 3,5 Prozent verzeichneten. Damit bestätigen die Zahlen, dass der Höhepunkt der Inflation vom Mai (4,2 %) überwunden wurde. Für die Fed ist die Kernrate des Verbraucherpreises deutlich wichtiger. Bei ihr werden die traditionell preisvolatilen Energie und Lebensmittel herausgerechnet. Die Kerninflation lag mit 2,5 Prozent nur moderat über dem Inflationsziel der US-Notenbank Fed. 

Entspannung am Markt hält an

Die Historie zeigt eine seit 2023 andauernde Entspannung. Da die Auswirkungen von Zinsentscheidungen erst mehrere Monate nach der Verkündung Effekte zeigen, dürfte die Federal Reserve mit ihrer Geldpolitik zufrieden sein. Weitere Impulse sind aus meiner Sicht nicht nötig, wie ich bereits seit vielen Wochen schreibe. Ich hatte kurz Zweifel an meiner These, nachdem die Inflation kurzfristig stark stieg. Inzwischen zeigte sich jedoch, dass es sich bei diesem Ausschlag nur um eine kurzfristige Gegenbewegung handelte.  

Inzwischen glaubt eine Mehrheit der Anleger, dass die Fed im September die Zinsen nicht anheben wird. Die relativ stabilen Zinsen der zehnjährigen US-Staatsanleihe zeigen jedoch auch, dass der Markt noch Zweifel an Zinssenkungen hat. 

US-Staatsanleihe, 10 Jahre Laufzeit – Stundenchart

Zinssenkung im Verlauf des Herbsts wahrscheinlich

Wie ich schon lange (mit einer Unterbrechung von einer Woche) vermute, dürfte sich die Fed im Verlaufe des Herbsts auf eine Zinssenkung verständigen. Bedingung dafür ist, dass die Lage in der Golfregion nicht wieder eskaliert. Wie beschrieben, sehe ich dafür aktuell keine Anzeichen. Allerdings sollte niemand die Sprunghaftigkeit von US-Präsident Donald Trump außer Acht lassen. 

In diesem Fall dürften ihm jedoch die Hände gebunden sein, denn der US Army gehen die Munition und das Geld aus. Möglicherweise möchte das Weiße Haus die Ukraine wieder mehr mit Waffenlieferungen unterstützen. Es kann eigentlich nicht im Interesse der Trump-Administration liegen, wenn Putin die Oberhand im Krieg gegen die Ukraine gewinnt. Dies könnte erklären, warum die Kurse der Rüstungsaktien weiterhin gestützt bleiben.

Nicht nur die Inflation ist ein Indikator für eine Zinssenkung

Trotz der guten Berichtssaison spricht nicht nur die Inflation für eine Lockerung der US-Geldpolitik. Unter der Oberfläche gärt es in der US-Wirtschaft. Sichtbar wird dies an der enttäuschenden Entwicklung des Arbeitsmarktes. Freitag kamen weitere Indizien hinzu: 

Die  Einzelhandelsumsätze sanken im Juli um 0,6 Prozent. Etwa die Hälfte des Rückgangs rührte von zurückgegangenen Autoverkäufen her. Zudem stürzt die von der Universität Michigan ermittelte Konsumstimmung um über vier auf 51 Punkte ab. Die Konsumerwartungen sanken sogar auf 50,6 Punkte. Die Schwäche im Konsum lässt sich bereits seit einiger Zeit in den USA beobachten und dürfte die Inflation zusätzlich dämpfen. Zur Festigung dieses Trends dürfte auch die Stagnation des Realeinkommens beitragen.

Die ebenfalls seit Langem stagnierende Beschäftigung in der Industrie dürfte ein weiteres Indiz dafür sein, dass eine Stimulierung der Wirtschaft wünschenswert ist. Für einen Spielraum der Fed sprechen auch ein weniger dynamisch steigender Erzeugerpreisindex und leicht steigende Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.

Rekordstimmung an der Wall Street 

Der S&P 500 zeigt sich von einer Lockerung der Geldpolitik offenbar überzeugter als der Anleihemarkt. Der marktbreite Index markierte auch in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch. Die schwachen Einzelhandelsumsätze, sorgten jedoch am Freitag für eine deutliche Korrektur. Der Ichimoku des Stundencharts brach inzwischen den Kijun des Ichimoku (orange Linie), was auf eine Trendumkehr hindeuten könnte.

S&P 500 – Stundenchart

Ich glaube nicht an eine längerfristige Kurskorrektur. Die Marktteilnehmer werden letztlich zuversichtlich sein, dass die Fed neue Stimuli für den Markt bereitstellen wird. Der Dailychart zeigt bisher keine Hinweise auf eine nachhaltige Korrektur.

S&P 500 – Dailychart

Aktuell lässt sich nicht genau vorhersagen, wann die Fed eine Zinssenkung ins Auge fasst. Auffschluss könnte die Zinsentscheidung im September geben. Die Kommunikation der Notenbank könnte einen Hinweis auf einen möglichen Zinsschritt geben.

Dax auf Rekordniveau

Aus Europa gab es relativ wenige neue Impulse. Das Wirtschaftswachstum präsentierte sich mit plus einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr robust. Analysten rechneten jedoch mit diesen Zahlen. Auch die deutsche Inflation entsprach den Erwartungen. Erstaunlich robust zeigte sich die britische Wirtschaft, die im zweiten Quartal um 0,3 Prozent wuchs. Analysten befürchteten eine Stagnation. Ein Blick in die einzelnen Sektoren zeigt jedoch,  dass die Industrie sogar schrumpfte. Das Wachstum kam aus dem Dienstleistungssektor, in dem die Einkommen überwiegend schlechter als in der verarbeitenden Produktion sind.

Die Industrie in der Eurozone stagnierte im Juni, während das BIP im zweiten Quartal wie erwartet um 0,4 Prozent stieg. Der DAX spiegelte die ereignislose Woche wider und beendete die Woche nur knapp über der Handelseröffnung am Montag.  

DAX – Stundenchart

Zwischenzeitlich markierte der deutsche Leitindex ein neues Rekordhoch. Übergeordnet dürfte der bullishe Trend Bestand haben. Der Dailychart zeigt jedoch, dass sich im Ichimoku der Tenkan (blau) und der Kijun (orange) entfernen. Dies weist auf einen zunehmend überkauften Status hin, der technisch durch Gewinnmitnahmen aufgelöst werden könnte. Ziele für eine Korrektur könnten 25.915 und 25.580 Punkte sein.

DAX – Dailychart

EUR/USD reagiert auf neue Zinshoffnung

Die sinkende Inflation in den USA stützt EUR/USD. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich um mehr als einen halben Cent, scheiterte jedoch am Widerstand bei 1,1590. Trotzdem ist der kurzfristige Trend bullish einzuschätzen. Bei 1,1515 bildete sich eine Unterstützung. 

EUR/USD – Stundenchart

Ein Blick auf den Dailychart zeigt, dass mit der Überwindung der 1,1590 auch übergeordnet ein bullisher Trend entstehen könnte. Ein erstes Ziel könnte bei 1,1675 liegen.

EUR/USD – Dailychart

Ein Risiko für diesen Ausblick ist die EZB. Auch in der Eurozone sinkt die Inflation, sodass man auf die nächste Inflationsprognose der Notenbank in Frankfurt gespannt sein darf. Möglicherweise kündigt EZB-Präsidentin Christine Lagarde bald Zinssenkungen an. Die Finanzexpertin weiß sehr genau, dass eine Wirtschaft ohne Dynamik im schlimmsten Szenario zu einer Deflation führt. 

Die Europäische Zentralbank hat zwar kein direktes Mandat, die Wirtschaft zu stimulieren. Da ein schwaches BIP Auswirkungen auf die Inflation hat, wird sie wahrscheinlich nicht tatenlos zusehen, wenn eine sich abschwächende Teuerung einen entsprechenden Spielraum gibt. 

Keine KI-Blase in Sicht

Die Berichtssaison zeigt, dass die von einigen Anlegern befürchtete KI-Blase nicht zu sehen ist. Bei der Investition kommt es jedoch darauf an, die Unternehmenszahlen und -ziele genau zu prüfen. Wie in jeder industriellen Umwälzung werden nicht alle Unternehmen  die hochgesteckten Ziele erreichen. 

Ein Beispiel ist Cisco Systems. Die Aktiengesellschaft wies zwar ausgezeichnete Umsätze und Gewinne aus, blieb jedoch unter den Margenerwartungen des Marktes. Anleger nutzten dies, um Kasse zu machen. Langfristig dürfte Cisco Systems jedoch vom KI-Boom weiterhin profitieren. Rücksetzer könnten daher ein Kaufargument sein. Ob es ein Gap-Close bei 102 Dollar gibt, muss man abwarten. 

CIsco systems – Dailychart

Deutschlands Rahmenbedingungen werden häufig als Wettbewerbsnachteil angeführt. Bei den Energie- und den Lohnnebenkosten ist dies fraglos zutreffend. Trotzdem erzielen traditionsreiche deutsche Unternehmen weiterhin beeindruckende Renditen. In der vergangenen Woche wies Birkenstock ein Umsatzplus von 15 Prozent aus. Der Dailychart zeigt jedoch, dass der Ichimoku aktuell keine bullishe Trendumkehr bestätigt. Seit Anfang 2025 verlor die Aktie rund 30 Prozent. Ob die Erholung vom Feit nachhaltig ist, wird sich erst zeigen müssen. Der Handel mit Aktien ist häufig ein Geduldsspiel.

Birkenstock – Dailychart

Ausblick

Montag

Zum Start in die Woche rückt Asien in den Fokus. Neben dem japanischen Wirtschaftswachstum stehen wichtige Wirtschaftsdaten aus China im Wirtschaftskalender:

  • BIP
  • Industrieproduktion
  • Investitionen
  • Einzelhandelsumsätze

In den USA erscheint der wichtige NY Empire State Herstellungsindex.

Dienstag

Nach den britischen Arbeitsmarktdaten meldet das ZEW die Konjunkturerwartungen der institutionellen Anleger für Deutschland und die Eurozone. Zudem lohnt sich ein Blick auf die Import- und Exportpreise sowie die Industrieproduktion in den USA. Die Baubeginne und ‑genehmigungen sowie die schwebenden Hausverkäufe geben einen wichtigen Einblick in den Immobilienmarkt der größten Volkswirtschaft der Erde.

 Mittwoch

Aus Großbritannien kommen mit dem Verbraucher- und dem Erzeugerpreisindex wichtige Daten über die Inflation. Am Abend veröffentlicht die Fed das Protokoll der letzten Zinssitzung.

Donnerstag

Japans Handelsbilanz und die Zinsentscheidung aus China stehen im Fokus der Nacht. Zudem veröffentlicht Australien die Arbeitsmarktdaten. Aus den USA dürfte der Philly-Fed-Herstellungsindex das Interesse der Märkte wecken.

Walmart veröffentlicht Quartalszahlen.

Freitag

Die Vorabschätzungen der Einkaufsmanagerindizes geben einen wichtigen Überblick über die Gesundheit der wichtigsten Wirtschaftsräume der Erde, darunter Deutschlands, der Eurozone und der USA. Die Briten und Kanadier melden die Einzelhandelsumsätze.

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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