Norwegen: Postschiffroute zwischen Tradition und Moderne

Norwegen - Postschiff (Pressebild: Havila Voyages)

Norwegens Fjorde lassen sich am besten mit dem Schiff bereisen. Für viele ist die Postschiffroute eine beliebte Option. Traditionell bedient die Hurtigruten die 34 Häfen zwischen Bergen und dem Nordkap. Es gibt jedoch eine günstige und moderne Alternative, die bisher weniger bekannt ist. (Bild: Havila Voyages)

Günstiges Seeerlebnis oder klassisch die Fjorde entdecken?

Um die atemberaubende Welt der norwegischen Fjorde zu entdecken, stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Am günstigsten sind die Touren mit klassischen Kreuzfahrtanbietern wie AIDA, Costa oder MSC. Häufig starten die Touren direkt ab einem deutschen Hafen, was die Anreise unkomplizierter wirken lässt. 

Zu den Nachteilen zählt, dass die Touren nur ausgewählte Fjorde ansteuern. Für den ersten Eindruck reicht dies sicherlich aus, aber die komplette Fjordküste bekommen Reisende auf diese Weise nicht zu Gesicht. Unschlagbar erscheint der Preis. Wer sich mit den Westfjorden begnügt, kann für deutlich unter 1.000 Euro eine Woche diese atemberaubende Welt entdecken.

Häufig wird der Wunsch entstehen, die gesamte Fjordküste zu entdecken. Der Klassiker ist eine Reise auf der Postschiffroute von Bergen nach Kirkenes. Für viele steht Hurtigruten für dieses Erlebnis. Die Reederei verbindet seit 1893 die Häfen entlang der norwegischen Küste. Obwohl es sich immer noch um Linienfahrten handelt, ist die Reise heute ebenso komfortabel wie eine klassische Kreuzfahrt.

Einmaliges  Erlebnis auf der Postschiffroute

Die Tour führt in gerade einmal 12 Tagen zu 34 Häfen, an denen die Reisenden zwischen zehn Minuten und vier Stunden Pause haben. Ein Vorteil ist, dass auf der Postschiffroute auch Einheimische reisen. Urlauber haben hier die Gelegenheit, sich mit Norwegern auszutauschen, verträumte Häfen zu erleben und eine authentische skandinavische Küche zu probieren. Auf Wunsch lassen sich Flüge von Deutschland nach Bergen hinzubuchen.

 Im Vordergrund steht das Erlebnis der spektakulären Fjordküste. Umfangreiche Bordunterhaltung in Theatern und Clubs suchst Du auf den Schiffen der Hurtigruten vergeblich. Dafür erlebst Du verträumte Häfen, in die sich nie ein großes Kreuzfahrtschiff verirrt. Ein paar Restaurants, eine Bar, ein Solarium und ein Fitnessraum sorgen für angenehme Stunden an Bord. Seit 2023 gibt es eine Alternative zu Hurtigruten.

Die moderne Art, auf der Postschiffroute zu reisen

Seit 2023 gibt es Konkurrenz für die altehrwürdigen Hurtigruten. Seither befährt auch die Havila Kystruten die Postschiffroute mit 34 Häfen. Während Hurtigruten auf den Charme ihrer traditionellen, umfangreich modernisierten Flotte setzt, betreibt Havila vier moderne Hybridschiffe. Der große Batterieantrieb sorgt für einen leiseren und ökologischeren Betrieb. 

Während die Kabinen der Hurtigruten durch eine klassische Einrichtung ein unverwechselbares Ambiente schaffen, sind sie bei Havila größer und moderner. Wer möchte, kann auf einen Balkon treten, um die faszinierende Fjordwelt an sich vorüberziehen zu sehen. Die neue Reederei setzt auf ein ökologisches Konzept, das sich auch bei der Verpflegung zeigt. Während der Gast bei Hurtigruten ein Buffet vorfindet, wird das Essen bei der Konkurrenz nach Wunsch des Gastes serviert. Dies reduziert die Essensabfälle erheblich.

Neue Reederei im Traditionsunternehmen

Die Reederei Havila Kystruten wurde erst 2021 gegründet und mit vier modernen Schiffen für den Liniendienst ausgestattet. Das Unternehmen ist jedoch kein hippes Start-up, sondern die Tochter einer traditionsreichen Holding. Die Dachorganisation bildet die Havila‑Gruppe. Sie gehört vollständig der norwegischen Familie Sævik und wurde 1997 gegründet. 

Die Unternehmensgruppe ging aus einer Fischerei hervor, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Arbeit aufnahm. Auch im Reederei-Geschäft ist Havila nicht neu. Sie betreibt Spezialschiffe für die Offshore-Rohölförderung. Touristische Erfahrungen hat sie durch eine eigene Hotelkette mit Häusern in Norwegen und auf den Färöerinseln. 

Konkurrenz belebt das Geschäft

Hurtigruten besaß bis 2023 ein Monopol auf der für Norwegen immer noch wichtigen Postschiffroute entlang der Fjorde. Dazugehören auch negative Auswirkungen, etwa relativ hohe Preise. Diesen Zustand brach die norwegische Regierung mit einer Ausschreibung für die Linie auf. Den Zuschlag erhielt Havila, die seitdem auf der identischen Linie unterwegs ist. 

Die neue Reederei überzeugt insbesondere durch ihr umweltfreundliches Konzept. Obwohl Hurtigruten ebenfalls viele Maßnahmen für eine klimafreundlichere Reise unternommen hat, zeigt Havila hier ihre Stärken. Die elektrischen Batterien versorgen die Motoren bis zu vier Stunden. Erst danach nutzen die  Schiffe umweltfreundliches LNG für die Fahrt. 

Laut der Reederei reduziert sie so den Ausstoß von CO₂ um 36 bis 40 Prozent. Zudem stößt die Flotte 90 Prozent weniger Stick- und Schwefeloxide aus. Ein Eco-Voyager-Programm animiert die Gäste, Wasser und Energie an Bord zu sparen. 

Beide Reedereien haben ihre Vorzüge auf der Postschiffroute

Hurtigruten bleibt wohl der Klassiker unter den Fjordkreuzfahrten. Die traditionsreiche Reederei ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich moderner geworden. So verzichtet sie bereits seit 2009 auf Schweröl. Durch die Modernisierung ihrer Schiffe wurden die Kabinen und öffentlichen Räume deutlich aufgewertet, ohne den klassischen Charme zu verlieren. Die Verpflegung entspricht einer typischen Kreuzfahrt. Das Buffet ist üppig, wenngleich man sich auch bei Hurtigruten bemüht, Essensreste zu minimieren.   

Havila besitzt moderne Schiffe, die im Umweltschutz klar vorn liegen. Die Kabinen erreichen nicht den Charme von Hurtigruten, weisen jedoch mehr Komfort auf. Ob erfahrene Kreuzfahrer gern auf ihr gewohntes Buffet verzichten wollen, müssen sie selbst entscheiden. Ein Problem könnte die Anreise zum Starthafen sein. Während sich bei Hurtigruten die Anreise mit dem Flugzeug mitbuchen lässt, ist der Gast von Havila selbst für die Flugbuchungen verantwortlich. Dies kann aus rechtlicher Sicht zum Problem werden. 

Wer bei Hurtigruten einen Flug mitbucht, bekommt ein Paket im Sinne der Pauschalreiserichtlinie. Dies bedeutet, dass die Reederei Ersatz schaffen muss, wenn der gebuchte Flug ausfällt. Bei Havila ist der Reisende für die pünktliche Anreise verantwortlich. Verspätet sich das Flugzeug und das Schiff hat bereits abgelegt, bleibt der Reisende auf den Kosten sitzen. Beim Thema Buchungssicherheit hat also Hurtigruten die Nase vorn. Havila kompensiert dies durch die Zusammenarbeit mit deutschen Reiseveranstaltern, die eigene Pakete schnüren. 

Fazit

Für Hurtigruten sprechen das über Jahrzehnte gewachsene Rundum-Sorglos-Konzept und das klassische Postschiff-Feeling. Havila setzt auf Modernität, einen konsequent nachhaltigen Ansatz und technischen Vorsprung.

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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