Zinserhöhung: Marktteilnehmer gehen von Straffung der Geldpolitik in den USA aus

Fed vor Zinserhöhung - Public Domane

Die Mehrheit der Marktteilnehmer an der Börse in New York rechnet am Mittwoch mit einer Zinserhöhung in den USA. Die EZB vollzog diesen Schritt bereits in dieser Woche. Sorgen bereitet den Währungshütern weiterhin die hohe Inflation.

Hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in den USA

Seit Mai schreibe ich immer wieder, dass ich im Herbst mit keiner Zinserhöhung durch die Federal Reserve (Fed) rechne. Ich sah sogar Spielraum für eine baldige Zinssenkung. Diese These beruhte auf der Annahme einer geopolitischen Deeskalation. Ich erwartete, dass die USA einen Weg zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus finden. 

Zudem zeigte der Arbeitsmarkt eine deutliche Schwäche. Die Augustzahlen deuteten jedoch auf eine Entspannung hin. Obwohl der Fachkräftemangel den Stellenzuwachs weiter beeinträchtigt, kam es im vergangenen Monat zu einer Entspannung. Zudem blieb der von mir erwartete Jobabbau im Dienstleistungssektor nach der Fußball-Weltmeisterschaft aus. 

Damit haben sich meine Erwartungen auf niedrigere Ölpreise und in Verbindung mit einem schwachen Arbeitsmarkt nicht bestätigt. Die Fed kann sich auf die Bekämpfung der Inflation fokussieren. Sie muss dabei nicht einmal befürchten, die Konjunktur in den USA abzuwürgen. Aufgrund dieser Fakten stiegen die Erwartungen der Marktteilnehmer auf eine Zinserhöhung auf 85 Prozent. Vermutlich wird die Notenbank einen Zinsschritt von 25 Basispunkten beschließen. Der Leitzins steigt von 3,50 – 3,75 auf 3,75 – 4,00 Prozent.

Daten verlangen ein Handeln der Fed

Neben den vor zwei Wochen angesprochenen Äußerungen von Fed-Chairman Kevin Warsh sprechen die Daten dafür, dass die Inflation in den USA hartnäckig bleibt. Zuletzt stieg der Ölpreis deutlich. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich in der vergangenen Woche deutlich über 100 US-Dollar und könnte sich dort zunächst etablieren. Dass sich der Preis unter die Marke von 105,20 zurückzog, könnte immerhin ein Hinweis sein, dass eine Ölpreis-Explosion nicht zu befürchten ist. 

Rohöl, Brent – Stundenchart

Hohe Inflation bedroht das Wachstum

Durch die aktuelle Situation besteht die Gefahr, dass sich die hohen Energiepreise durch alle Bereiche der Wirtschaft fressen und so auch im Einzelhandel ankommen. Die Erzeugerpreise stiegen im August um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was sich mit Verzögerung auch bei den Verbraucherpreisen bemerkbar machen wird. 

Zwar sind Preissteigerungen von über fünf Prozent nicht zu erwarten, aber schon die aktuelle Inflation sorgt für Risiken für die Wirtschaft. Die Verbraucher haben weniger finanziellen Spielraum und stellen verschiebbare Ausgaben zurück. Gerade die US-Wirtschaft, die zu rund 70 Prozent vom privaten Konsum abhängt, gerät dadurch unter Druck. Deshalb muss die Fed mit einer Zinserhöhung gegensteuern. 

Markt bleibt gelassen

Insgesamt bleiben die Marktteilnehmer bisher gelassen. Trotz der gestiegenen Erwartung einer Zinserhöhung konnte sich die Wall Street in einer Woche der Konsolidierung am Freitag wieder erholen. Der marktbreite S&P 500 stürzte unter die Marke von 7.610 Punkten, erholte sich jedoch am Freitag wieder kräftig. Ein Grund dürfte sein, dass die Verbraucherpreisinflation mit 3,4 Prozent im Rahmen der Erwartungen blieb. 

Die Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) liegt sogar nur bei 2,4 Prozent. Dies zeigt, dass die Wirtschaft die Erzeugerpreise aktuell nicht in voller Höhe an die Verbraucher weiterreichen kann. Die Fed wird mit ihrer Geldpolitik einen Spagat vollziehen müssen. Zum einen muss sie die Preise durch Zinserhöhungen dämpfen. Dadurch verteuern sich jedoch auch die Darlehenszinsen, was in einem kreditaffinen Land wie den USA zu einer Konsumentenzurückhaltung führt. 

Der Markt scheint davon überzeugt zu sein, dass die Fed eine verantwortungsvolle, moderate Geldpolitik anstrebt. Einen erheblichen Schaden für die US-Wirtschaft scheinen die Anleger nicht zu befürchten. Auf der Oberseite zeigt der Ichimoku im Stundenchart Widerstände bei 7.700/60 und 7.815 Punkten.

S&P 500 – Stundenchart

Unterstützungen gibt es laut Dailychart bei 7.555 und 7.430 Punkten.

S&P 500 – Dailychart

EZB legt vor: Nächste Zinserhöhung schon im Oktober?

Die Europäische Zentralbank legte am vergangenen Donnerstag mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte vor. Überrascht waren einige Beobachter über die von Notenbankpräsidentin Christine Lagarde geäußerte Entschlossenheit. Es gelte zu verhindern, dass die Inflation erneut in Richtung der Acht-Prozent-Marke schießt, wie dies nach dem Ölpreisschock durch den Überfall Russlands auf die Ukraine geschah.

Äußerungen von Mitgliedern des EZB-Rates lassen zudem vermuten, dass mit der Entscheidung vom Donnerstag der Trend zu Zinserhöhungen nicht beendet ist. Sollte die Inflation weiterhin hartnäckig bleiben, könnte schon im Oktober der nächste Zinsschritt erfolgen. Diese Befürchtung äußerten am Freitag Marktteilnehmer in Europa. 

Der DAX korrigierte bereits vor der Zinserhöhung durch die EZB. Eine spannende Marke liegt nun bei 25.620 Punkten. Zwar erholte sich der deutsche Leitindex von seinem Tief bei 25.300 Punkten, konnte diesen Widerstand jedoch nicht brechen. Sollte am Montag die Erholung doch eine Fortsetzung erleben, könnte dies als Signal einer Bodenbildung gewertet werden. 

DAX – Stundenchart

Prallt er am Widerstand ab, wäre dies bearish und könnte den DAX auf 25.200 oder gar 24.590 Punkte führen.

DAX – Dailychart

Die Aussicht auf eine restriktive Geldpolitik der EZB wirkte sich auch auf EUR/USD aus. Trotz der zu erwartenden Zinserhöhung hielt sich das Paar in einer Seitwärtsrange zwischen 1,1570 und 1,1640/50. 

EUR/USD – Stundenchart

Zwar dürfte der Zinsschritt der Fed schon eingepreist sein, trotzdem könnte es am Mittwoch zu erhöhter Volatilität kommen. Sollten die Mitglieder des Open-Market-Ausschusses ebenfalls eine weitere Straffung der Geldpolitik signalisieren,  könnte der Euro unter Druck geraten. Ich vermute, dass der Unterstützungsbereich bei 1,1515/470 nicht halten würde und die Bären 1,1325 als Ziel ausrufen könnten.

EUR/USD – Dailychart

Zinserhöhung trifft auf Wirtschaftsschwäche

Nachdem zuletzt einige Statistiken auf eine leichte Erholung der deutschen und europäischen Wirtschaft hingedeutet hatten, brachen in der vergangenen Woche wieder Zweifel auf. Die deutsche Industrieproduktion schrumpfte im Juli nach drei positiven Monaten um 1,1 Prozent und sorgt für neue Konjunkturängste. Gleichzeitig revidierte das Statistische Bundesamt das minimale Wachstum von 0,2 Prozent auf null. 

Ausschlaggebend war ein Einbruch in der Automobilindustrie, während die Energieerzeugung deutlich zulegte. Das Dilemma in der Fahrzeugproduktion wird noch dramatischer, wenn man bedenkt, dass die Rüstungsindustrie in diesen Bereich fällt. Sie gehört zu den wenigen Branchen, die in Deutschland ein nennenswertes Wachstum verzeichnen. Keine guten Aussichten für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum sendet, dass die Produktion von Investitionsgütern um 3,4 Prozent schrumpfte. 

Wirtschaftswachstum der Eurozone nach unten revidiert

Das BIP der Eurozone stieg saison- und inflationsbereinigt nur um 0,5 Prozent, nachdem frühere Prognosen vom doppelten Wachstum im Vergleich zum vorjährigen Vergleichsquartal ausgingen. Erfreut durfte der Markt das leicht gestiegene Sentix-Konsumklima zur Kenntnis nehmen. 

Während die Exporte aus Deutschland im August um 0,8 Prozent schrumpften, stagnierten sie in Frankreich. Nicht unerheblich dürfte dafür die Situation in China verantwortlich sein.  

Chinas Handelsbilanz dürfte kein Hoffnungsschimmer sein

Chinas Exporte stiegen im August um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dies zeigt, dass das Land seine Waren trotz gestörter Handelsketten und Verbraucherkrisen problemlos absetzen kann. Die Importe legten um 28,2 Prozent zu. Dabei handelt es sich in erster Linie um Rohstoffe und Vorprodukte für die eigene Industrie. 

Halb- und Fertigprodukte aus der EU haben es hingegen aufgrund der Konsumschwäche Chinas schwer. Hier profitieren die asiatischen Nachbarländer von den traditionell engeren Verbindungen zum Reich der Mitte. Hinzu kommt, dass China immer häufiger auch hochkomplexe Maschinen selbst baut. Darunter leidet der europäische Maschinenbau.

Schwache Konjunkturerwartungen in den USA

Während die Inflationsdaten aus den USA eher keine Entwarnung geben, zeigen die von der Uni Michigan erhobenen Konsumerwartungen ein differenzierteres Bild. Der Index fiel im September nach vorläufigen Zahlen von 51,5 auf 45,8 Punkte. Eine daraus ableitbare sinkende Nachfrage am Binnenmarkt bewirkt normalerweise sinkende Preise, die weitere Zinserhöhungen nach dem 16. September in den USA weniger wahrscheinlich machen würden. 

Druck auf Gold und Kryptos

Gold gilt zwar als Inflationswährung, spielt seine Stärken jedoch eher in einem Niedrigzinsumfeld aus. Das zinslose Asset hat es aufgrund der Zinserhöhungen schwer, sodass der Erholungsversuch in der vergangenen Woche am markanten Widerstand bei 4.438 Dollar scheiterte. Unten unterstützt die 4.288 solide. 

Gold – Stundenchart

Den weiteren Weg wird die Rhetorik der Fed am Mittwoch bestimmen. Sollte Kevin Warsh weitere Zinserhöhungen andeuten, könnte das gelbe Metall den Bereich um 3.960 Dollar testen. Auf der Oberseite zeigt sich bei 4.700 Dollar ein weiterer wichtiger Widerstand.

Gold – Dailychart

Der Bitcoin leidet ebenso unter hohen Zinsen. Die Kryptowährung versucht sich seit mehreren Wochen an einer Bodenbildung. Nachhaltig ist dies bisher nicht gelungen – dafür wäre ein Sprung über 84.325 nötig.

Bitcoin – Dailychart

Ausblick

Neben der Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch wird auch die Bank of England die Geldpolitik der kommenden Wochen festlegen. Im Gegensatz zu den USA erwarten die Analysten am Donnerstag keine Änderung des Leitzinses. Interessant ist, wie das Abstimmungsverhältnis ausfällt. In der vergangenen Sitzung votierten immerhin drei der neun Ratsmitglieder für eine Zinserhöhung. Sollte es eine Mehrheit für eine geldpolitische Straffung geben, würde GBP stark aufwerten und der FTSE 100 unter Druck geraten.  

Am Freitag ist der große Verfallstag (Hexensabbat). An diesem Tag laufen die Optionen und Futures an den internationalen Terminbörsen aus. In der Vergangenheit zeigte sich, dass bereits einige Tage vor diesem Termin mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen. 

Die Termine im Überblick

Montag

06:30 Industrieproduktion Japan
14:30 Verbraucherpreisindex Kanada
17:15 Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Dienstag

04:00 Wirtschaftsdaten China (Arbeitslosigkeit, Investitionen, Einzelhandel, Industrieproduktion)
08:45 Verbraucheerpreisindex Frankreich
09:00 Verbraucherpreisindex Spanien
11:00 ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland und Eurozone
14:30 NY-Empire-State-Herstellungsindex USA

Mittwoch

01:50 Handelsbilanz und Maschinenbestellungen Japan
08:00 Inflationsdaten Großbritannien
10:00 Verbraucherpreisindex Italien
11:00 Industrieproduktion, Arbeitsmarkt Eurozone
14:30 Einzelhandelsumsätze, Import- und Exportpreise USA
20:00 Zinsentscheidung und Projektionen der Fed
20:30 Pressekonferenz der Fed

Donnerstag

11:00 Verbraucherpreisindex Eurozone
13:00 Zinsentscheidung Bank of England
14:30 Philly-Fed-Herstellungsindex USA
14:30 Baubeginne und -genehmigungen USA
16:00 Schwebende Hausverkäufe USA

Freitag

01:30 Verbraucherpreisindex Japan
08:00 Verbraucherpreisindex Großbritannien
08:00 Erzeugerpreisindex Deutschland
12:30 Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde
15:15 Industrieproduktion USA

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Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

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