Börse: Schwieriges Umfeld für Europa

Börse: Schwieriges Umfeld für Europa

Für die Anleger an der Börse bleibt das Umfeld in Europa weiterhin wenig verheißungsvoll. In den USA läuft es besser.

Die USA sind kein Partner mehr

Spätestens, seit US-Präsident Donald Trump die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim Handelsdeal über den Tisch gezogen hat, war klar: Washington ist ein Rivale. Brüssel hatte dieses Mal sogar die richtige Antwort. Nach etlichen Jahren Stillstand in den Verhandlungen wurden einige Freihandelsabkommen abgeschlossen. 

Dass nicht jeder den Schuss vor den Bug aus Washington vernahm, lässt sich am Verhalten des EU-Parlaments erkennen. Das Abkommen mit dem Mercosur wurde erst einmal an den Europäischen Gerichtshof verwiesen. Ein solches Verhalten ist legitim, klug ist es möglicherweise nicht.

Ein Handelsabkommen, das keine Sicherheit bringt

Wie viel im Ernstfall ein Handelsdeal mit den USA wert ist, wissen wir spätestens seit dem Ende der vergangenen Woche. US-Präsident Donald Trump ärgert sich bereits seit geraumer Zeit, dass er von Europa keine Unterstützung für seinen wahrscheinlich von Israel aufgezwungenen Krieg gegen den Iran erhielt. Später legte Bundeskanzler Friedrich Merz nach und kritisierte den Mann im Weißen Haus direkt. 

Trump reagierte verärgert und handelte, wie man es von ihm kennt. Er erhöht die Zölle auf Autos aus der EU. Besonders stark ist Deutschland betroffen. Interessant ist, dass Trump dies damit begründete, dass Europa das geschlossene Handelsabkommen nicht erfülle. Offiziell war es also keine Retourkutsche auf die Kritik des Bundeskanzlers. 

Die Bremser sitzen nicht in Europa

Unbestritten bremsen die Bürokraten in Europa die Wirtschaft und die Bürger bisweilen aus. In diesem Fall ist die EU jedoch unschuldig. Dass der Deal bisher nicht umgesetzt wurde, liegt an den USA. Dort erklärte der Supreme Court die pauschalen Zölle von 15 Prozent für rechtswidrig. Die Berufung auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahr 1977 war unzulässig.

Durch diese Entscheidung geriet auch der rechtliche Rahmen für das Handelsabkommen zwischen den USA und Europa ins Wanken. Es konnte nicht vollständig umgesetzt werden. Dass Trump dies jetzt der EU vorwirft, dürfte nur ein Vorwand sein. Eigentlich geht es um Rache, weil Europa sich nicht in den umstrittenen Krieg am Persischen Golf hineinziehen lassen hat.

Die Börsen reagieren gelassen

Der DAX bröckelt zwar etwas, verhält sich jedoch insgesamt recht unaufgeregt. Dennoch könnte eine gewisse Zurückhaltung am Markt nicht verkehrt sein. Im Chartbild lässt sich eine Topbildung erkennen. Die kurze Erholung in der vergangenen Woche könnte ein Fehlsignal sein. Ein erneuter Test des Bereichs 23.725/600 ist nicht ausgeschlossen.

DAX – Stundenchart

Noch deutlicher erkennt man dies im Vier-Stunden-Chart, der seit seinem Hoch Anfang 2026 abfallende Spitzen zeigt. Der Ichimoku ist aktuell neutral. Die kommenden Stunden werden möglicherweise über eine Stabilisierung oder eine Fortsetzung der Korrektur entscheiden.

DAX – 4H-Chart

Unklare Lage im Nahen Osten

Am Persischen Golf hält noch die Waffenruhe. Niemand kann jedoch zur Stunde sagen, ob in Kürze eine Friedenslösung gefunden wird. Der Iran hat ein Machtinstrument gefunden, das offenbar wertvoller als eine eigene Atombombe ist: die Straße von Hormus. Wie die Staatengemeinschaft die Blockade beenden möchte, lässt sich derzeit nicht erkennen. 

Immerhin eskaliert die Lage aktuell nicht, sodass der Ölpreis auf hohem Niveau verharrt.

Rohöl, Brent – 4H-Chart

Inflation als Gefahr

Die hohen Ölpreise dürften sich durch immer mehr Segmente der Wirtschaft fressen. Die Notenbanken betrachten dies mit Sorge. Analysten gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer nächsten Sitzung die Zinsen um 25 Basispunkte erhöhen könnte. Dies würde die ohnehin unter Druck stehende Wirtschaft weiter beeinträchtigen. Andererseits wäre wohl ein Ignorieren der Teuerung die schlechtere Option. Dies sahen auch die Fed und die Bank of England so, die den Leitzins unverändert bei 3,75 Prozent beließen.

EUR/USD interessiert dieses Szenario auch nicht. Stattdessen hat sich eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation gebildet, die sich nach unten aufzulösen droht. 

EUR/USD – Stundenchart

Die spürbare Unsicherheit der Händler hat auf den Goldpreis keine Auswirkungen. Das gelbe Metall konsolidiert nach der Rallye im Januar und Februar. 

Gold – Stundenchart

Rückblick

Die meisten Daten zeigen, wie schwierig die Lage in der globalen Wirtschaft ist. Dies betrifft nicht nur Europa. So stürzte in Neuseeland das Unternehmensvertrauen im ersten Quartal von +48 auf –4 Prozent ab. 

Deutschland und Europa

In  Deutschland trübte sich die Stimmung der institutionellen Anleger ein. Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen fiel von –0,5 auf –17,2 Punkte. In der Eurozone lag er mit 20,4 Punkten noch tiefer. Das Verbrauchervertrauen sank im April von –16,4 auf –20,4 Punkte. Die Einkaufsmanagerindizes fielen in Deutschland unter die Expansionsschwelle von 50. In Europa behauptete sich das verarbeitende Gewerbe dagegen. In den USA stieg die Zuversicht der Wirtschaft ebenfalls. Die miese Stimmung in Deutschland bestätigte auch der ifo-Geschäftsklimaindex. In der Eurozone zeigte der Trend in der Wirtschaftsstimmung ebenfalls nach unten.

Ein interessantes Detail kommt von Eurostat. Die Staatsverschuldung legte in der Eurozone leicht von 87,0 auf 87,8 Prozent des BIPs zu. Nachdem sie in den vergangenen Jahren sank, stieg sie nun erstmalig wieder. In Spanien stieg die Arbeitslosenquote im ersten Quartal von 9,93 auf 10,83 Prozent. Hier muss jedoch die Saison berücksichtigt werden. Im Vorjahr waren im gleichen Zeitraum 11,36 Prozent ohne Job. Laut einer Vorabschätzung lag die deutsche Inflation im April bei 2,9 Prozent und damit immerhin unter den Befürchtungen der Analysten (3,1 %). Eine Frühjahrsbelebung blieb auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus. Saisonbereinigt stieg die Erwerbslosigkeit im April sogar leicht. Das deutsche BIP legte im ersten Quartal immerhin um 0,3 Prozent zu. In der Eurozone waren es nur 0,1 Prozent.

Unter hohen Kosten ächzen die Verbraucher in Großbritannien. Im März lag die Inflation bei 3,3 Prozent. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 1,7 Prozent, was inflationsbereinigt ein Minus ergibt. 

USA und der Rest der Welt

Die Einzelhandelsumsätze stiegen in den USA im März um 1,9 Prozent, was über den Prognosen lag. Ebenfalls besser als erwartet fielen die schwebenden Hauskäufe aus. Erfreulich waren die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter, die um 0,8 Prozent stiegen. Nach der Schwäche im Vorquartal legte das BIP im ersten Quartal um deutliche zwei Prozent zu. 

Ziemlich stark präsentiert sich die japanische Exportwirtschaft, die im März im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent wuchs. 

Fazit

Während die Stimmung in der Eurozonen-Wirtschaft trüb ist, findet die US-Konjunktur zu Wachstum zurück. Dies zeigt sich auch am S&P 500, der schon wieder neue Rekorde feiert.

S&P 500 – Stundenchart

Wichtige Termine

ISM-Dienstleistungsindex USA (Dienstag)

US-Arbeitsmarktdaten (Freitag)

Share this content:

Journalismus und Reisen – meine Passion In der Schulzeit begann ich, Gedichte zu verfassen. Später interessierte mich der Journalismus, der mich zu einem regionalen Radiosender führte. Hier lernte ich, kurze, prägnante Sätze zu bilden. Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich mit dem Tourismus beschäftigt. Reisekaufleute sehen nicht nur viel von der Welt. Das Gesehene muss in einen zum Reisen motivierenden Text gegossen werden. Nach der letztendlich erfolglosen Beteiligung an der Entwicklung eines Reiseportals bin ich seit 2019 freiberuflicher Autor.

Kommentar abschicken

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner
Verified by MonsterInsights